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Die Deutschen werden immer älter - und damit auch die Wähler. Was heißt das für die Zukunft? Werden die Parteien ihre Politik an den Senioren ausrichten?
Wahlzettel - künftig eine "Waffe" der Senioren?
"Kinder kriegen die Leute sowieso." Das Zitat stammt von Konrad Adenauer, als 1957 die gesetzliche Rentenversicherung auf die bis heute gültige Umlagefinanzierung umgestellt wurde. Man hatte schon damals durchaus Zweifel, ob dieses auf den "Generationenvertrag" basierende System auf immer und ewig funktionieren wird. Aber Adenauer wischte Bedenken mit eben jenem Satz weg. Westdeutschland befand sich damals schließlich – demografisch gesehen - in goldenen Zeiten. Die Geburtenrate lag 1960 bei durchschnittlich 2,36 Kinder pro Frau.
"Kinder kriegen die Leute sowieso." So kann man sich täuschen. Heutzutage liegt die Geburtenrate nur noch bei etwa 1,3. Derzeit ist jeder vierte Bundesbürger älter als 60.
Alt-Bundeskanzler Konrad Adenauer: "Kinder kriegen die Leute sowieso"
Demografischen Prognosen zufolge werden 2040 rund 40 Prozent der Deutschen mindestens 60 Jahre alt sein. 2050 wird die Hälfte der Bevölkerung älter als 48 und ein Drittel über 60 sein. Schon seit geraumer Zeit geistern die Schlagwörter "Überalterung" oder "Gerontokratie" herum. Auch die Medien haben das Thema längst aufgegriffen, wenn auch zum Teil recht populistisch. Zukunft erscheint als reines Horrorszenario, etwa in Frank Schirrmachers Buch "Das Methusalem-Komplott" (2004) oder im TV-Dreiteiler "2030 - Aufstand der Alten" (2007).
Die Senioren stellen aber in der Tat in absehbarer Zeit eine signifikant größere Bevölkerungsgruppe als jetzt. Wie reagiert die Politik auf den demografischen Wandel? Werden die Parteien vielleicht eigene Strategien oder gar eine spezielle "Altenpolitik" entwickeln, um dieses wachsende Wählerpotenzial an sich zu binden? Schließlich könnte die Wahlurne zur Waffe der Senioren werden, um ihre Interessen wahrzunehmen.
"2030 - Aufstand der Alten" - Szene aus dem gleichnamigen TV-Film
Wirft man einen Blick in die Programme der großen Volksparteien, aber auch der Grünen, bekommt man nicht unbedingt diesen Eindruck - noch nicht. Die Rede ist von Generationengerechtigkeit, solidarischer Finanzierung der gesetzlichen Rente, mehr Eigenverantwortung, privater Zusatzrente - ein Maßnahmenkatalog, der das bereits Bestehende widerspiegelt, aber vermutlich nicht speziell Ältere in Scharen hinter dem Ofen hervorlockt.
Dass die Parteien früher oder später auf die demografische Entwicklung reagieren werden, davon ist der Politologe Heinrich Oberreuter überzeugt. Die jüngst von der Regierung beschlossene außerplanmäßige Rentenerhöhung sei schon ein Signal in diese Richtung. Dem Wissenschaftler von der Universität Passau zufolge können die Parteistrategen gar nicht umhin, Konzepte eigens für die ältere Bevölkerungsgruppe zu entwickeln - allein schon, weil von ihr enormer Druck ausgehen könnte. "Wenn sich 20 Millionen Menschen oder mehr über 60 nicht mehr im Parlament repräsentiert sehen, werden sie auf Dauer nicht stillhalten", so Oberreuter. Ohnehin war für ihn "Jugendwahn" aus wahltaktischen Gründen immer schon eine falsche Strategie, weil Erstwähler numerisch kaum zählten.
Ginge eine verstärkte Aufmerksamkeit gegenüber den Senioren dann zu Lasten der Jugend? Laut Oberreuter wäre deren Vernachlässigung fatal. Die Politik wäre ihm zufolge gut beraten, in die nachwachsende Generation zu investieren, vor allem im Bildungsbereich. Außerdem: "Die junge Generation muss schließlich alles bezahlen".
Demonstration gegen Rentenpolitik in Berlin
Im Zukunftsinstitut Frankfurt sieht man dagegen derart langfristige Prognosen skeptisch: Welche Parteien von welchen Wählergruppen in 40 Jahren profitieren könnten, sei zum jetzigen Zeitpunkt kaum vorhersehbar: "Die Alten von morgen werden definitiv nicht dieselben sein wie heute", so Christian Rauch vom Zukunftsinstitut. Lebensstile und Konsumverhalten würden sich deutlich von den Senioren von heute unterscheiden - und das wirke sich auch auf das Wahlverhalten aus. Außerdem könne sich auch das Profil einer Partei ändern. Ein seiner Linie treu gebliebener 68er wähle als Rentner nicht mehr unbedingt "seine" linke Partei, denn die ist dann womöglich gar nicht mehr links.
Es sei auch problematisch, so Rauch, von einer homogenen Gruppe der "Alten" zu sprechen, die nur aufgrund der Gemeinsamkeit des Lebensabschnittes auch dieselben Interessen hätten. Wäre dem so, müssten die Grauen, die vor allem die Interessen von Senioren vertreten, großen Erfolg haben. Doch tatsächlich hat sich die Partei vor kurzem selbst aufgelöst.
Autor: Ernst Eisenbichler
Viele Internet-Nutzer haben uns ihre Meinung zur Frage: "Politik - nur noch für Senioren?" geschrieben. Die Kommentar-Möglichkeit ist inzwischen beendet.






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