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Kommentar

Retten Einwanderer das "Altersheim Deutschland"?

Können Zuwanderer eine schrumpfende und alternde Gesellschaft rückgängig machen? Nein! Sie können diese Probleme aber abmildern. Deshalb ist Einwanderung geradezu ein Glücksfall für Deutschland. Ein Kommentar von Karl-Heinz Meier-Braun vom SWR.

Das Szenario ist nicht neu und keiner kann sich dahinter verstecken, von allem nichts gewusst zu haben. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) wies bereits vor 20 Jahren auf den Zusammenhang zwischen demografischer Entwicklung und Einwanderung hin. Schäuble, damals noch Kanzleramtschef, sagte in seinem Aufsatz "Älter und weniger" einen "empfindlichen Mangel an Nachwuchs – und später an Arbeitskräften in allen Bereichen von Wirtschaft und Gesellschaft" voraus. Er forderte Gegenmaßnahmen in der Familienpolitik, stellte aber zugleich fest: "Langfristig werden wir nicht umhin können, die Schrumpfung der deutschen Bevölkerung zumindest teilweise durch einen verstärkten Zuzug von Ausländern auszugleichen".

Allerdings blieben diese vorausschauenden Erkenntnisse ohne politische Konsequenzen. Erst seit 2005 haben wir ein Zuwanderungsgesetz. Jetzt ist Deutschland offiziell Einwanderungsland, der Anwerbestopp bleibt jedoch bestehen und die Zuwanderungszahlen bewegen sich auf Null zu. Wir sind ein Einwanderungsland ohne neue Einwanderer geworden. Der rote Teppich sollte ausgerollt werden, um die besten Köpfe der Welt nach Deutschland zu locken. Aber es kommt fast keiner. Kein Wunder, die Hürden sind einfach zu hoch. Ein vorsichtiger Einstieg in die Zuwanderung aus demografischen Gründen wäre – wie ursprünglich gedacht – jedoch wichtig. Trotz nach wie vor hoher Arbeitslosigkeit fehlen jetzt schon in Deutschland Fachkräfte. Der konjunkturelle Aufschwung in Deutschland droht durch diesen Mangel an Fachkräften gebremst zu werden, erklärt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag.

Jetzt rächt sich, dass im Zuwanderungsgesetz die Möglichkeit der Einwanderung nach einem Punktesystem, gestrichen wurde. Das von der Union gekippte System sah ursprünglich vor, dass Ausländer nach Deutschland kommen können, wenn sie bestimmte Kriterien erfüllen, für die Punkte vergeben werden. Dies wäre eine historische Neuerung in der deutschen Migrationspolitik gewesen, angelehnt an die Erfolge klassischer Einwanderungsländer.

Doch kann Einwanderung die Entwicklung zum "Altersheim Deutschland" aufhalten? Die Vereinten Nationen haben es einmal ganz genau ausgerechnet. Danach müssten rund 18 Millionen Menschen nach Deutschland einwandern, um die Zahl der Bevölkerung bis zum Jahr 2050 konstant zu halten. Um die demografische Krise zu meistern, müsste man nur noch Kinder einwandern lassen, was natürlich genauso absurd ist. Einwanderung ist schon deshalb kein Allheilmittel gegen eine schrumpfende Gesellschaft, weil Zuwanderer auch älter werden und sich ihre Geburtenrate der Aufnahmegesellschaft angleicht. In diesem Sinne integrieren sich die Einwanderer, was uns aber auch wieder nicht Recht ist. Außerdem altert auch die Gesellschaft in den Herkunftsländern. Es ist fraglich, wo die jungen Leute überhaupt herkommen sollen. Zuwanderung rettet uns also auch nicht.

Eines ist sicher: Die Deutschen werden älter und weniger. Einwanderung, gezielt ausgesucht, kann diesen Trend jedoch etwas abfedern und sollte in diesem Sinne als Glücksfall begriffen werden. Vor allen Dingen geht es darum, die Söhne, Töchter und Enkel der einstigen "Gastarbeiter" besser auszubilden und sie als "Schatz" in einer immer älter werdenden Gesellschaft zu begreifen. Schon jetzt haben fast 20 Prozent der Bevölkerung einen Migrationshintergrund, Tendenz steigend. In Zukunft werden wir verstärkt auf alte und neue Einwanderer angewiesen sein und ihnen eines Tages noch dafür danken, dass sie wie schon in der Vergangenheit den Bevölkerungsrückgang abgemildert und die Renten gesichert haben.

Autor: Karl-Heinz Meier-Braun

 

Vielen Dank für Ihre Kommentare!

Viele Internet-Nutzer haben uns ihre Meinung zur Frage: "Einwanderer - ein Glücksfall für Deutschlands Bevölkerungsentwicklung?" geschrieben. Die Kommentar-Möglichkeit ist inzwischen beendet.

M. Böhm | 23.04.2008 | 12.08 Uhr
Herr Meier-Braun sollte mehr den Blick auf die deutsche Bevölkerung richten. Die Ausbildung unserer eigenen Kinder und Enkel sollte im Vordergrund stehen und die Förderung von jungen Familien.
andreas fischer | 22.04.2008 | 22.07 Uhr
Warum geistert in Skandinavien schon der Satz rum, dass Deutschland die Mülltonne Europas ist? Einwanderung von Hartz4 Empfängern und Auswanderung von Fachkräften. Wenn das ein Land bestärken soll,habe ich meine Hausaufgaben falsch verstanden. Aber zur Entschuldigung bin ich Ostberliner, der unter einem modernem Schulsysthem gelernt hat, welches Finnland 1987 übernahm, und nicht das der BRD von 1930 erlebte.
Kühn, Marion | 22.04.2008 | 21.22 Uhr
Die Völker sollten unbedingt Ihre Traditionen pflegen, auch das deutsche Volk, leider haben wir eine Regierung, die an Ihrem Volk und dessen Wohlergehen nicht interessiert ist, sie ist nur daran interessiert ihren eigenen ... zu retten (sorry)

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swr | Stand: 02.04.2008

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