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Älter werden im Traumberuf

Fortsetzung des ersten Teils

Die Abwesenheit von Sicherheit

Mit 33 wurde Alexa Surholt Mutter und die Dinge änderten sich: "Da war plötzlich eine andere Verantwortlichkeit. Ich wusste, es geht nun auch darum, die Familie zu ernähren. Im Normalfall kann ein Schauspieler von zwei Drehtagen eine Zeit lang leben. Wenn er Glück hat, bekommt er dann bei einer anderen Firma noch einen Drehtag. Das ist die Realität der Produktionswelt. Für alle, die frei auf diesem Markt tätig sind, stellt sich nach jedem Dreh die Frage: Wovon lebe ich demnächst?"

Auch Volker Schurigs Selbständigkeit begann ohne Sicherheitsnetz: "Ich hatte kein Geld, um mir ein vernünftiges Auto zu finanzieren, geschweige denn Werkzeug." Und so stand auch er vor Zweifeln: "Die erste Nacht als Selbständiger war Horror. Plötzlich war man vogelfrei, Rentenversicherung, Krankenversicherung, das musste man jetzt alles selber finanzieren. Das war schon irgendwie beängstigend."

Hält der Traum bis ins Alter?

Doch mit der gleichen Beharrlichkeit, mit der beide Befragte ihren Beruf ausgesucht haben, sind sie darin erfolgreich geworden. Volker Schurig ist täglich mit seiner mobilen Schmiede im Speckgürtel von Berlin unterwegs und betreut einen zufriedenen Kundenstamm mit 300 Pferden. Alexa Surholt ist "in der für eine Schauspielerin sehr außergewöhnlichen und glücklichen Situation" in einer Fernsehserie staffelweise fest angestellt zu sein. Glauben die beiden, dass sie in ihren Traumberufen alt werden können? "Ja", sagt Volker Schurig, "denn Pferdebeschlagen hat viel mit Erfahrung zu tun, und die kriegt man nur, wenn man älter wird." Auch Alexa Surholt ist sich sicher: " Absolut! Schauspielerin kann man sein, bis man tot von der Bühne fällt. Das ist ja das Tolle daran."

Auch bei der Frage, ob die vergehenden Jahre sich in ihrem Beruf bemerkbar machen, wissen beide nur Positives zu berichten: "Es gibt als Schauspielerin Punkte, wo man nach Jahren der Erfahrung sagt: Das brauche ich jetzt nicht mehr. Zum Beispiel irgend so einen gestörten Regisseur, der seine Neurosen an mir auslebt. Man setzt seine Grenzen." Auch Volker Schurig betont das Anwachsen von Erfahrungen: "Nach 14 Jahren Selbständigkeit werden meine handwerklichen Fähigkeiten viel feiner und besser."

Ein Schmied, der ein Pferd behandelt Foto: rbb

Volker Schurig auf einem Brandenburger Pferdehof

Grenzen und Gefahren

Trotzdem sind sich beide der besonderen Anforderungen bewusst. "Das große Problem beim Hufschmied ist die körperliche Anstrengung, der körperliche Verschleiß. Man braucht Kraft, Einfühlung und ein schnelles Reaktionsvermögen. Es ist wichtig, seine Kräfte einzuteilen, genau zu definieren, was kann ich schaffen. Ich arbeite zum Beispiel nicht mit bestimmten Pferderassen, Kaltblüter oder Shire-Horses" (die größte Pferderasse der Erde, erreicht ein Stockmaß von 2 Metern und wiegt um 1200 kg, Anm. d. Red.).

Alexa Surholt gibt zu bedenken: "Die Gefahr in diesem Beruf ist, dass man sich total über das Außen definiert. Erfolg sollte man erleben und genießen. Aber man darf aus dieser Außenwirkung nicht seinen Lebensinhalt ziehen. Denn dann entsteht eine große Vereinsamung, wenn man nicht mehr jeden Tag fünf Mal auf der Straße angesprochen wird.

Altersvorkehrungen? Agieren, nicht warten!

Nicht abwarten, sondern selber lenken, mit dieser Haltung haben sie ihre Traumberufe nicht nur bekommen und behalten, sondern so sehen sie auch der Zukunft entgegen. "Es gibt für mich keinen Plan B, im Sinne: Dann mache ich eben ein Schuhgeschäft auf - oder so was", sagt Alexa Surholt. Und hat mit ihren Kollegen eine Gewerkschaft gegründet, den Bundesverband der Film- und Fernsehschauspieler. "Dort geht es genau um diese Themen: Altersversorgung, Rente und Sozialversicherung und darum, dass man die Gesetzgebung verändern muss. Das ist ein wirklich emanzipatorischer Schritt."

Auch der Hufschmied vertraut an diesem Punkt der Eigeninitiative. Schon jetzt bereitet er die Zukunft seines Betriebes vor: "Ich kenne da einen jungen Mann, der ist so hartnäckig wie ich damals um sein Ziel zu erreichen. Den werde ich als Praktikanten einstellen. Mit einem jungen Arbeits-Partner kann ich meinen Körper ein bisschen schonen. Sozusagen als externe Wirbelsäule, und dafür teile ich mein Wissen mit ihm. Das wäre ein gutes Gespann."

Die Hufschmiede in Berlin und Brandenburg haben sich ein soziales Netz aufgebaut: "Der so genannte Schmiedestammtisch ist ein Netzwerk, das uns Krankheits- und Urlaubsvertretungen ermöglicht. Kollegen können einspringen, aber da man sich kollegial verhält, ist man sich sicher, dass man die Kunden auch wieder zurückbekommt. Damit ist das Problem der so genannten Existenzangst schon ganz schön reduziert."

Und die alte Leidenschaft, ist die geblieben?

"Schauspieler ist eigentlich ein wahnsinnig unglamouröser Beruf, der viel damit zu tun hat, ob deine Nase jemandem gefällt oder nicht. Und trotzdem kann ich mir keinen schöneren Beruf vorstellen."

"Pferde und Eisen, das ist es immer noch, ich reite selbst noch jeden Morgen vor der Arbeit, dafür stehe ich auch 5:00 Uhr auf."

Autorin: Daniela Künne

Weitere Informationen zum Thema:


Etikett vom RBB Foto: RBB

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Stand: 02.04.2008

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