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Fortsetzung des ersten Teils

Mit diesen Maßnahmen, die weit über Protestmärsche hinausgehen, versuchen die Zempower ihr Anliegen in die Öffentlichkeit zu bringen: Seht auf diese Region - sie ist arm, aber lebenswert. So fühlen sie sich nicht mehr ohnmächtig der Willkür der Gerichtsentscheidungen ausgeliefert, an denen sie ohnedies wenig ändern können.

Das "Weiße Zone Institut" bedient nicht nur die Zielgruppe Touristen und potenzielle Investoren - mit Aktionen wie der "lebendigen Videothek der Zempower Bürger" oder dem Jugendraum, in dem Kinder Kunst machen, kümmern sich die Aktivisten auch um die Erhaltung der Dorfgemeinschaft selbst. Nicht alle im Dorf finden die Projekte gut. Doch das müssen sie auch nicht.

Zusammen streiten und feiern

In dieser Gemeinde gibt es Raum zum Streiten, zum kritischen Auseinandersetzen. Einig ist man sich dafür auf den Dorffesten. Silvester zum Beispiel feiern die Zempower jedes Jahr zusammen. Im großen Raum neben "Marions Laden" in der Dorfmitte. Auch die angereisten Touristen werden dazu gebeten. Wer nicht will, kann aber auch für sich bleiben.

Die Silvesterfeier findet gleich neben dem selbstverwalteten "Jugendclub", einem kleinen Kabuff, das ein bisschen wie eine ausgebaute Garage aussieht, statt. Dort herrschen die Teenager, von denen es in Zempow gar nicht so wenige gibt. "Um rein zu dürfen, muss man sich sogar die Schuhe ausziehen", lacht Uta Lauterbach, die zugezogene Mecklenburgerin.

Pony-Wagen vor der Bioland Ranch Zempow / Brandenburg Foto: Karl Schindler/dpa

Ausflüge, Reitkurse, Wandern: Zempow setzt auf Tourismus

Überhaupt ist natürlich nicht alles Bio in Zempow: In "Marions Laden" geht es trotz Bioecke eher weltlich zu. Draußen wirbt ein Aufsteller für die große Boulevard-Zeitung, drinnen verströmt das Geschäft den praktischen Charme eines Berliner Spätkaufs. An der Anschlagtafel außen wird offeriert, was das Dorf zu bieten hat – sogar Geburtsanzeigen hängen hier.

Spricht man die Dorfbewohner auf das Thema Abwanderung an, bekommt man vor allem das zu hören: Die Einwohnerzahlen Zempows seien gewachsen seit der Wende – von 114 Bürger 1987 auf 124 im Jahr 2008. Zwar wanderten einige junge Leute ab, doch habe man den Zuzug von Familien, die ein Leben im Einklang mit der Natur anstrebten, ankurbeln können.

Traditionsmodell Autokino

Mit Alleinstellungsmerkmalen hat man in Zempow übrigens Erfahrung: Schon zu DDR-Zeiten verhalf das noch immer populäre Autokino dem Dörfchen zu republikweiter Berühmtheit. Zu den Vorführungen zwischen März und November kann man heutzutage gut an den Nummernschildern ablesen, wie es um den Bekanntheitsgrad Zempows steht. Natürlich, viele "Bs", aber auch gar nicht wenige "Ls" und sogar einige "S'" und "Ms" sind inzwischen darunter. Das sind die "Heimkehrer", weiß man im Dorf, also die, die inzwischen im Westen arbeiten und in ihrer ehemaligen Heimat Urlaub machen.

Geld bringen diese Gäste nur wenig in die Region, denn sie wohnen bei Muttern. Doch sie sind gern gesehen, tragen sie doch den Ruf Zempows in den Rest der Welt. Zudem reisen sie oft gen Spätsommer an, wenn der Durchschnittstourist schon längst wieder weg ist. Als Kenner kommen sie wegen des melancholisch schönen Herbstes - und natürlich wegen der Pilze.

Autorin: Sabine Priess

Weitere Informationen zum Thema:


Aufschwung in Zempow

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Stand: 15.04.2008

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