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Das brandenburgische Dörfchen Zempow hat geschafft, wovon andere Gemeinden träumen: Es hat die Abwanderung nicht nur gestoppt, der Zuzug junger Familien wurde sogar angekurbelt. Wie das geht? Das Dorf setzt auf Eigeninitiative und Ökotourismus.
Idylle im Osten
Im Herbst ist es besonders bitter. Wer in den Pilzen erwischt wird, die sich auf dem militärischen Sperrgebiet befinden, den fährt die Bundeswehr nicht nur bis zum Rand des Areals, sie nimmt dem illegalen Eindringling auch noch sämtliche Fundstücke ab. Pfifferlinge, Champignons, Steinpilze, Krause Glucken – da gehen sie hin, mühevoll erbeutet. Das zumindest erzählt man sich mit süßsaurem Lächeln in Zempow.
Zempow, das ist ein kleines Dorf mit knapp über 100 Einwohnern, das landschaftlich reizvoll eingebettet in eine sanfte Mulde, umgeben von Wäldern, Wiesen und glasklaren Seen in einem der strukturell schwächsten Gebiete Brandenburgs liegt. Idyllisch ist es hier und still – wahlweise ruhige Oase oder Sackgasse. Kein Bus fährt über die Landesgrenze ins nahe gelegene mecklenburgische Mirow, die Kinder müssen einen langen Schulweg antreten, um bloß im eigenen Bundesland zu bleiben.
Störfaktor Bombenabwurfplatz
Nicht weit entfernt liegt das größere Problem: Das Bombodrom-Gelände, um dessen militärische Nutzung als Bombenabwurfplatz seit der Wende vor Gericht hin- und her gestritten wird. Durch das 144 Quadratkilometer große Niemandsland in der Nachbarschaft sind die Aussichten Zempows alles andere als rosig. Denn schon der nächste Gerichtsentscheid könnte dafür sorgen, dass die dörfliche Geräuschkulisse nicht von den beiden Eselinnen Grisella und Josefine, sondern von im Tiefflug andonnernden Tornados oder Eurofightern bestimmt wird.
Ein Dorf wehrt sich: Kampf gegen das Bombodrom
Schlechte Aussichten, wenn man in eine Zukunft mit Touristen investieren will, möchte man meinen. Zumal in den östlichen Bundesländern auch in besser situierten Gegenden die Jungen abwandern und nur die Verlierer in den leergefegten Dörfern hängen bleiben. Doch da hat man die Rechnung ohne die Zempower gemacht. Denn hier setzt man erfolgreich auf Eigeninitiative und Ökotourismus.
Gibt man "Zempow" in einer Suchmaschine im Internet ein, so ist einer der ersten Einträge gleich die "Bio-Ranch". Hier hat man sich getraut. Einige Dorfbewohner mit Unternehmergeist wie Wilhelm Schäkel, der nicht nur Agraringenieur, sondern auch noch studierter Philosoph ist, haben einen Traum verwirklicht: In Ökohäusern umringt von Weiden und allerlei Getier können bis zu 28 umweltbewusste Städter guten Gewissens ihre Ferien verbringen. "Und natürlich können noch ein paar Leute auf unserem Gelände zelten, wenn es von der Einstellung her passt", erklärt Biobauer Schäkel. Insgesamt kommen in ganz Zempow mindestens 75 Touristen unter.
Die Ranch hat noch ein zweites Standbein: Sie liefert ihr Biofleisch an Bioläden in Brandenburg und Berlin. So kann das Projekt den einen oder anderen schlechten Sommer verwinden oder ein neues Gerichtsurteil, das möglicherweise baldiges Bomben erlaubt.
Auch die Gesundheitsgalerie "Ginkgo" in der Zempowschen Dorfmitte setzt auf sanften Tourismus: Im Shop gibt es neben Relaxmassagen, therapeutischer Malerei und Aloe-Vera-Produkten auch Ferienunterkünfte unter dem Motto "Ferien fürs Ich".
Eine Initiative, die sich "Weiße Zone Institut" nennt, versucht mit Kunstprojekten auf die gefährdete Region aufmerksam zu machen: Hierfür haben die Dorfbewohner das Problem zum Alleinstellungsmerkmal erklärt. Das Bombodrom wurde kurzerhand im Rahmen eines Kunstprojektes und nicht zur Begeisterung Aller zur "Weißen Zone" ernannt, zu einem geheimnisvollen Sperrgebiet, das umwandert und verklärt werden kann.
Alteingesessene Brandenburger ziehen neben zugereisten Münchnern und umgesiedelten Mecklenburgern an einem Strang, denn sie haben ein Ziel: Ihr Dorf, ihre Region, soll nicht in Vergessenheit geraten. "Wir wollen zeigen, das wir eine funktionierende Gemeinschaft aus Alt und Jung sind, die man nicht einfach abschreiben kann", erklärt Uta Lauterbach vom "Weiße Zone-Institut".
Viele Internet-Nutzer haben uns ihre Meinung zur Frage: "Aufbau Ost: Eine andere Welt ist möglich?" geschrieben. Die Kommentar-Möglichkeit ist inzwischen beendet.


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