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Generationen-Miteinander

Appell an Omas Spieltrieb

Boule-Bahn, Klettergerüste, Wippe – auf den ersten Blick sieht alles nach einem ganz normalen Spielplatz aus. Doch der Generationenpark in Lengerich ist für junge und alte Besucher gedacht. Für Kinder sind Wippen ja okay – aber wie verspielt sind Senioren?

Veronika, Christina und Fynn Bils sind begeistert von der Fußschaukel Foto: wdr

Gefällt Enkel, Mama und Oma: Die Fußschaukel im Generationenpark

Eine Boule-Bahn, Klettergerüste, Bänke und Tische – auf den ersten Blick sieht alles nach einem ganz normalen Spielplatz aus. Doch der Generationenpark im münsterländischen Lengerich will mehr sein und neben Bewegung auch den Dialog zwischen Alt und Jung fördern. Für Kinder sind Wippen ja okay – aber wie verspielt sind Senioren?

Dieter Rogge ist das, was man als rüstigen Rentner bezeichnet. Eine Leidenschaft des 69-Jährigen ist das Boule-Spielen: Jeden Montag trifft er sich mit Gleichgesinnten im Generationenpark in Lengerich zum Spielen, und der Enthusiasmus ist groß. "Wir sind immer zwischen 18 und 25 Spieler, bei Wind und Wetter", erzählt Rogge. Dass dann einige Meter weiter manchmal Kinder Fußball spielen, sei kein Problem: "Wir können uns mit denen arrangieren – wir sagen dann, dass der Ball uns und den Kugeln nicht in die Quere kommen darf – und das klappt gut. Wichtig ist doch, dass man ins Gespräch kommt!"

Ein Seniorenspielplatz soll dieser Ort nicht sein. "Wir wollten das Miteinander der Generationen fördern – genau das hat in unserer Stadt gefehlt", erzählt Wilhelm Möhrke begeistert. Dabei merkt man dem Apotheker aus dem westfälischen Lengerich an, dass er eine Mission hat: Er ist der Kopf des Stadtmarketing-Vereins "Offensive", dessen Ziel es ist, die Stadt schöner und lebenswerter zu machen. Maßgeblich dazu beitragen soll das Vorzeigeprojekt "Generationenpark". Der liegt mitten in der 23.000 Einwohner-Stadt und wurde im August 2007 eingeweiht. Seitdem können sich Alt und Jung auf 2.500 Quadratmetern bewegen und begegnen.

Auf den ersten Blick sieht der Generationenpark dennoch aus wie ein ganz normaler Spielplatz. Zwar sind sowohl die Spielgeräte als auch Kicker, Tischtennisplatte, Bänke und Tische und die Felder für Brettspiele für alle Altersklassen gedacht, aber der Zuschnitt eben auch auf Senioren ist hierzulande noch neu. Entsprechend entdeckt man die Anleitung für seniorengerechtes Training an einem großen Klettergerüst, "Sportparcours" genannt, auch erst auf den zweiten Blick. An der so genannten Fingertreppe lässt sich die Feinmotorik schulen, ebenso an Drehknöpfen und bei der gezielten Leitung eines Ringes um ein Zik-Zak-Rohr. Auch die Grobmotorik, Kraft und Ausdauer kommen zum Zuge. Fünf bis zehn Wiederholungen über Wackelbrücke, Treppen- und Rampenaufstieg, Wellenbalken, Netzboden und Reckstange empfiehlt die Anleitung, achten solle man auf den geraden Rücken, richtig aufgesetzte Füßen und kontrollierte Bewegungen.

Tafel mit Erklärungen auf einem Spielplatz Foto: wdr

Bewegen, aber nicht wetteifern: Anleitung am Sportparcours

Dass Dieter Rogge die Möglichkeiten dieses Gerätes bisher nicht ausgeschöpft hat, mag symptomatisch sein für die Vorbehalte vieler älterer Menschen gegenüber solchen Bewegungsangeboten. Während mancher froh ist über die Gelegenheit, sich – vielleicht sogar mit den Enkelkindern – wohnortnah austoben zu können, äußern andere beispielsweise in Leserbriefen und Internet-Foren ihre deutliche Ablehnung. Überspitzt formuliert, empfinden sie solche Spielgelegenheiten als Vorstufe zu öffentlichen Wickelgelegenheiten für Ältere.

Kinder an einem Spielgerät Foto: wdr

Sieht aus wie ein normaler Spielplatz: Den Kindern gefällt's

Solche Vorbehalte halten die Familie Bils nicht davon ab, die Beinwippe auszuprobieren. Sie sind an diesem Vormittag mit drei Generationen in den Park gekommen und Großmutter Veronika Bils schaukelt begeistert die Beine vor und zurück. "Das ist toll, so etwas müssten wir Zuhause auch haben", sagt die 72-Jährige zu ihrer Tochter Christina. Keine Hemmungen, sich als Seniorin auf einem Spielplatz aktiv zu bewegen? "Ich würde auch hier draufgehen, wenn viele Leute da sind", sagt sie selbstbewusst. Ihre 38-jährige Tochter Christina ist da schon etwas zurückhaltender. "Ich weiß nicht, ob ich das machen würde, wenn ich nicht mit meinem sechsjährigen Sohn Fynn hier wäre."

Möglicherweise ist die Beurteilung solcher Angebote auch eine Frage der Mentalität. Denn in China, woher die Idee der so genannten Outdoor-Fitnessparks für Erwachsene stammt, sind sie sehr beliebt. Auch in Spanien gibt es inzwischen mehr als 40 solcher Parks, ähnlich in der Schweiz, wo sie "Vitaparcours" genannt werden. 1999 eröffnete im niedersächsischen Schöningen der erste deutsche Seniorenspielplatz. Ähnliche Einrichtungen gibt es in Berlin und Nürnberg, weitere sind in Planung, etwa in Hamburg, Frankfurt, im schleswig-holsteinischen Rellingen und in Troisdorf bei Bonn.

Schwierig ist die Finanzierung: "Die Kosten hier betrugen rund 100.000 Euro, dabei haben wir schon sehr viel in Eigenarbeit gemacht", erinnert sich Möhrke. Die Kommune ist pleite und hat lediglich die Fläche zur Verfügung gestellt. Der Verein arbeitet ehrenamtlich, und auch der Architekt hat für seine Planungen kein Honorar verlangt. "Das Geld – alles Spenden und Vereinsbeiträge - zusammenzukratzen war schon schwer, und das hat schon auch genervt", gibt der ansonsten so begeisterte Möhrke zu. Pläne für die Zukunft des Generationenparks gibt es genug: Noch in diesem Jahr soll eine Kletterwand aufgestellt werden. Mehr Pflanzen, eine kleine Bühne für Kleinkunst und ein Grillplatz sollen hinzu kommen. Das Beispiel Lengerich scheint Schule zu machen: Die Anfragen aus anderen Kommunen sind zahlreich.

Autorin: Annika Franck

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Stand: 15.04.2008
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