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24.05.2012

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Der gläserne Mensch

Beginn des Inhaltes

Schüler lernen Datenschutz

Wer weiß was über mich?

Fatma Solak

Datenschutz will gelernt sein. In der Schule gibt es jedoch kein Fach, in dem das Thema auf dem Lehrplan steht. Eine Ausnahme ist der Informatikunterricht, doch der ist freiwillig. ARD.de stellt eine Schule vor, in der Datenschutz unterrichtet wird.

Donnerstagmorgen in Mainz. Das Thermometer zeigt 28 Grad Celsius. Für den Informatikkurs der Klasse 12 des Frauenlob-Gymnasiums beginnt die erste Schulstunde gleich mit einer Falle. Vorgestern haben die dreizehn Schüler ein neues Thema angefangen: "Informatik und Recht". Heute testet Informatiklehrer Martin Mattheis auf verschmitzte Art und Weise, was von der letzten Stunde noch in den Köpfen hängen geblieben ist. "Eine Reporterin ist da, die macht sich Notizen zum Unterricht und Fotos macht sie auch von euch." Das ist der Test. Der Lehrer schaut gespannt auf seine Schüler. Einer meldet sich mit kritischem Gesichtsausdruck: "Ja, darf sie das überhaupt?" Test bestanden.

Klärung der eigenen Rechte

Informatiklehrer Martin Mattheis vor der Schultafel Foto: swr Informatiklehrer Martin Mattheis

Herr Mattheis ist sichtlich zufrieden, sein Gesicht strahlt. "Warum nicht?“ Antwort: Verletzung des Persönlichkeitsrechts. Also klären wir erstmal die rechtlichen Bedingungen ab: Wir befinden uns in einer Schule, der Unterricht ist eine nicht-öffentliche Veranstaltung, der Direktor muss der Veröffentlichung der Schulstunde auf ARD.de zustimmen. Das hat er gemacht und jetzt müssen nur noch die Schüler einwilligen. Leises Nicken – es gibt zumindest keine Proteste.

Datenschutz und die Würde des Menschen

Jetzt kann der Unterricht beginnen. Die Arbeitsblätter werden ausgeteilt. In der letzten Stunde wurden die Begriffe "Datenschutz" und "Datensicherheit" definiert. Dabei wurde klargestellt: Nein, Datenschutz meint nicht, dass man damit Daten schützt, sondern sich selbst. Dafür gibt es sogar Gesetze. Die wichtigsten hat der Lehrer Mattheis auf das Arbeitsblatt geschrieben. Als erstes steht da: Grundgesetz Artikel 1 (1) Menschenwürde und Artikel 2 (1) Freiheit der Person. "Was haben die Artikel mit Datenschutz zu tun?", fragt der Lehrer. Andreas meldet sich: "Wenn der Datenschutz nicht eingehalten wird, würde die Menschenwürde nicht beachtet werden."

Lernerfolg mit Comics

Das Comic zeigt eine Frau, die durch den Supermarkt läuft. Ein lautsprecher verrät ihr, dass sie einen neuen Tampon braucht. Diese Situation ist ihr peinlich. Foto: Magazin c`t, heise-Verlag Bild gross Der RFID-CHIP im Tampon

Mögliche drastische Folgen demonstriert Mattheis anhand eines Comics. Zu sehen ist eine Frau, die sich durch die Hygiene-Abteilung eines Supermarktes bewegt, dabei teilt ihr eine Stimme aus einem Lautsprecher mit, der "RFID-Chip" in ihrem Tampon mache darauf aufmerksam, dass es Zeit für einen neuen wäre. Das ist für eine Jungenrunde natürlich lustig, aber jetzt mal im Ernst: "Gibts das überhaupt schon? So 'n RFID-Ding?", fragt Marcus. Andreas erweist sich als Experte: "Die gibts schon, der Einsatz in großen Massen wird aber erst geplant, z.B. für Reisepässe, oder sowas." Skeptisch fügt er hinzu: "Die USA zwingt alle Länder, das jetzt einzuführen."

Aber wann dürfen Daten rausgegeben werden?

Es entsteht eine sehr fallbeispielhafte Diskussion, in der geklärt wird, dass Lehrer Mattheis selbst Niclas zu Liebe nicht die Telefonnummer der süßen Zehntklässlerin aus der Schuldatenbank verraten würde. Matthias interessiert dieses Detail: Darf die Freundin der Zehntklässlerin die Nummer rausrücken? Strenggenommen "Nein!" Sieht schlecht aus für Niclas, der sich ärgert, dass er zum Fallbeispiel geworden ist. Ivica kann darüber nicht lachen. Er zweifelt an der informationellen Selbstbestimmung. "Das klappt ja schon in der Schule nicht!", ärgert er sich.

Als er den Fragebogen für seine Leistungskurse ausfüllen musste, tauchte auch die Frage nach den Berufen seiner Eltern auf. "Warum muss ich das beantworten?" Eine berechtigte Frage, aber da muss der Informatiklehrer passen. Gegenfrage: Warum hat er sie beantwortet? Ivica sah sich unter Druck gesetzt. Er hatte das Gefühl, ohne eine Antwort eventuell Probleme mit der Schule zu kriegen. Dass er besser hätte nachfragen sollen, um sich ausführlich zu informieren, wird ihm erst nach dieser Unterrichtsstunde richtig bewusst. Bewusstsein schaffen. Das war das Ziel des Informatiklehrers. Diese Stunde ist also prima gelaufen.

 

Spätes Bewusstsein

Der Schüler Rostic ist trotzdem unzufrieden. Er findet, dass diese Unterrichtsstunde viel zu spät stattfindet: "Bislang haben wir doch schon alle so viele Daten abgegeben, ohne zu wissen, was man damit angestellt werden kann. Datenschutz müsste viel früher unterrichtet werden."

Stand: 13.06.2006

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