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24.05.2012

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Der gläserne Mensch

Beginn des Inhaltes

Kundenkarten

Rabatt um jeden Preis?

Sandra Kaupmann

Meist sind sie bunt und aus Plastik. Außerdem handlich, damit sie in jedes Portemonnaie passen: Kundenkarten. Millionen Deutsche sammeln mit ihnen Punkte, Meilen oder Digits - und geben dabei jede Menge Daten preis.

Die einen bekommen Rabatt, die anderen Daten. Dass sich beides nicht ganz die Waage hält, stört die Kunden wenig. Von allen knapp 35 Mio. privaten deutschen Haushalten verfügen etwa 61 Prozent über eine Payback-Kundenkarte, knapp 42 Prozent verfügen über eine Kundenkarte des Konkurrenten Happy Digits (GfK-Studie 2007). Payback ist somit Marktführer unter den Rabattkartenanbietern. Gespart werden durchschnittlich magere 0,25 bis drei Prozent, wie "Stiftung Warentest" ausgerechnet hat. Das Prinzip: Für das Geld, das sie bei den beteiligten Partnerunternehmen wie Karstadt, T-Mobile oder Tengelmann ausgeben, bekommen die Kunden Guthaben in einer Scheinwährung auf ihr Konto gutgeschrieben. Ab einer bestimmten Höhe können die gesammelten Bonuspunkte in Prämien umgewandelt oder ausgezahlt werden.

Preise vergleichen bringt oft mehr

Rabattkarten zahlen sich grundsätzlich nur für denjenigen aus, der bereits Stammkunde in einem Geschäft ist. Sein Einkaufsverhalten sollte niemand nur dafür ändern. Ein Preisvergleich lohnt sich meist mehr. Außerdem, so Roland Stuhr vom Bundesverband der Verbraucherzentralen, sei häufig in kleineren Geschäften mehr Rabatt möglich als bei den großen Ketten: "In Unternehmen, die an diese Kundenbindungssysteme angeschlossen sind, können Verkäufer oft nicht über ein Prozent Rabatt hinausgehen. Im mittelständischen Einzelhandel kann man besser handeln."

Nachlass durch Sonderaktionen

Zwei Menschen vor einem großen Rabattzeichen auf einer Plakatwand Foto: dpa Rabattkartenanbieter locken mit Sonderrabatten über Gutscheinhefte.

Das Gegenargument der Kundenkartenanbieter: Der Basisrabatt sei nicht mehr entscheidend. Kunden der großen Kartensysteme bekommen regelmäßig Gutscheinhefte, mit denen sie in einem bestimmten Zeitraum deutlich höhere Preisnachlässe und Extra-Sammelpunkte bekommen können. Für Roland Stuhr ist das eine Frage der Abwägung: "Zuerst sollte man prüfen, wie hoch der Rabatt wirklich ist und dann entscheiden, ob diese Ersparnis es wert ist, seine Privatsphäre aufzugeben."

Auf der Jagd nach persönlichen Daten

Vor allem die beiden großen Kartensysteme Payback und Happy Digits stehen in der Kritik von Datenschützern. Ein Grund dafür: Die Betreiber speichern viele Angaben, die für den Rabatt gar nicht nötig wären. Es fängt schon bei der Anmeldung zum Rabatt-Programm an: Dabei werden nicht nur Basisdaten wie Name und Adresse abgefragt. Wer freiwillig weitere Felder auf dem Anmeldebogen ausfüllt, kann erste Punkte für das virtuelle Konto oder eine Reise gewinnen. Payback zum Beispiel wüsste gerne Näheres zum Einkommen, zur Anzahl der Kinder und wann sie geboren sind. Der Nachwuchs inklusive komplettem Geburtsdatum interessiert auch IKEA bei der Anmeldung zur Family Card. Als Gegenleistung gibt es vom schwedischen Möbelhaus Preisaktionen mit Rabatt auf ausgewählte Produkte und eine Transportversicherung für alle gekauften Möbel. Für alle Kartenbesitzer gibt es auf jeden Fall eines umsonst: Werbung.

Stand: 28.01.2009

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