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Die gläserne Zukunft
Teil 3: Ein Tag im Jahr 2020
Auf dem Nachhauseweg kommt Petra an einem Park vorbei, hält und geht spazieren. Bei einer Brücke stehen ein paar Künstler. Mit roter Farbe haben sie sich Wörter auf ihre nackten Körper gemalt: 32 Jahre, übergewichtig, Kontonr. 324566. 61 Jahre, Diabetes, I love Porn. Alles persönliche Daten der Künstler. Ein paar Jugendliche, die gerade vorübergehen, lachen sie aus. "Was wollt ihr denn!", ruft einer. "Seid froh, dass sich überhaupt jemand für euch interessiert!"
Petra setzt sich ins Gras und schließt für einen Moment die Augen. Nur ganz kurz! Plötzlich klingelt ihr Handy. Sie greift rasch danach, mit einem Lächeln, sicher ist es ihr Mann. Stattdessen teilt ihr eine Automatenstimme mit, dass es verboten ist, sich ins Gras zu setzen. Petra sieht auf und blickt direkt in eine Kamera, die unter einem der Bäume hängt.
Ein Hauch von nichts
Auf dem Weg zum Auto bleibt sie vor einem Schaufenster stehen und betrachtet sich im Glas. Sie legt die Hand auf die Hüfte und denkt an ein Kleid, das sie hier gestern anprobiert hat. Leider war es zu teuer. Plötzlich sieht sie im Schaufenster die Reflexion eines Mannes hinter sich. "Hallo, Frau Wagner." Es ist der Geschäftsführer des Modegeschäfts. "Ein wirklich schönes Kleid haben Sie gestern anprobiert." Er zögert. "Kaufen Sie doch mal wieder etwas! Das letzte Mal liegt schon einen Monat zurück." Seine Stimme wird leiser und ein bisschen heiser. "Dafür war es damals wirklich was Besonderes! Ein Hauch von nichts!" Petra Wagner dreht sich erschrocken um, dann läuft sie wortlos an ihm vorbei - die Straße hinunter und über einen Platz. Sie beschließt, sich auch einen Störsender zuzulegen. Auf jeden Fall für diesen Laden!
Die Lust am Unbekannten
Auf einmal sieht sie auf der anderen Seite des Platzes jemanden – es könnte die Silhouette ihres Mannes sein. Plötzlich ist sie ganz aufgeregt. Vielleicht war er deswegen bis jetzt nicht erreichbar, weil er sie hier überraschen will. Der Mann am anderen Ende des Platzes kommt auf sie zu, aber weil die Sonne hinter ihm steht, kann sie ihn immer noch nicht genau erkennen. Sie könnte jetzt auf ihr Handy schauen. Auf diese Entfernung müsste sie seine Kundenkarten anpeilen können. Aber warum eigentlich? Etwas Spannung, ein klitzekleiner Rest Unbekanntes - Petra Wagner schaltet ihr Handy aus. Und wartet.
Stand: 28.01.2009
Die gläserne Zukunft
Inhalt:
- Ein Tag im Jahr 2020
Von RFID-Chips, Störsendern und Funkchips im Körper - Teil 2: Ein Tag im Jahr 2020
Überwachung auch unterwegs - Teil 3: Ein Tag im Jahr 2020
Datenkunst und Datendiebe




