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Etikett vom SR Foto: SR

"Klassischer" Familienbetrieb

"Wir haben den Vorteil, dass wir zu Hause sind"

Beide berufstätig, allein erziehend oder "klassisch": Wie schaffen Sie es, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen? Das haben wir acht verschiedene Familien gefragt, die ihren Alltag unter verschiedenen Voraussetzungen meistern. Tanja und Bernd Rouget haben einen Familienbetrieb - und drei Töchter.

Familie Rouget Foto: sr

Tanja Rouget (37), Hausfrau, Aushilfe im Familienbetrieb
Bernd Rouget (47), selbstständiger Heilpraktiker
Töchter: Marleen (9), Leah (11) und Hanna (13), Schülerinnen 

ARD.de: Wie schaffen Sie es, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen?
Tanja Rouget: Zum Glück ist bei uns immer mindestens einer da, weil wir unsere Praxis hier im Haus haben. Grundsätzlich geht's natürlich nur mit einem gewissen Zusammenhalt, mit Organisation, mit einer grundsätzlichen Struktur, aber auch mit Improvisation: Es lässt sich ja nicht alles planen.

Bernd Rouget: Trotzdem muss man gewisse Pläne aufstellen und diese dann grundsätzlich einhalten. Als Selbstständige haben meine Frau und ich eine hohe berufliche Belastung, müssen auch die Kinder gewisse Pflichten übernehmen, zum Beispiel die Hausaufgaben auch mal alleine machen. Da muss man manchmal ein bisschen Druck machen, sonst funktioniert das alles nicht. 

Was finden Sie an Ihrer familiären Situation am schwierigsten?
Bernd Rouget: Die finanzielle Situation. Die drei Prozent Mehrwertsteuer-Erhöhung zum Beispiel tun gerade Familien mit Kindern richtig weh. Bei drei Mädchen in der Wachstumsphase müssen wir beinahe alle vier Wochen neue Kleidung kaufen. Aber auch die Grundversorgung – von der Butter bis zur Zahnpasta – hat sich sehr verteuert.  Schwierig sind auch die vielen Verpflichtungen schulischer oder sportlicher Art, für die man fast immer ein Fahrzeug braucht. Und auch da stehen die Kosten im Vordergrund, genauso wie bei Kinobesuchen oder einem Eis zwischendurch. Das ist alles extrem teuer geworden. Das Kindergeld aber ist seit Jahren auf dem gleichen Stand. Und jetzt wollen die Mädchen auch noch Handys ...

Tanja Rouget: Eine große Rolle spielen auch die Schulmaterialien, die man kaum mehr von Kind zu Kind weitergeben kann. Und im Saarland muss jeder die Schulsachen selbst bezahlen, Unterstützung gibt es nur für Leute unter einer gewissen Einkommensgrenze. Außerdem haben wir nur sehr wenig Freizeit. 

Was gefällt Ihnen an Ihrer familiären Situation am besten?
Tanja Rouget: Die Gemeinschaft! Wenn man am Frühstücks- oder Mittagstisch zusammensitzt, das ist schon toll. Oder auch, wenn man sich mal tagsüber in den Haaren hatte und die Kinder dann abends ins Bett bringt. Dann sagen sie doch wieder "ich hab' dich lieb", und alles ist wieder gut.

Bernd Rouget: Langeweile kommt grundsätzlich nie auf. Zum Beispiel sind die Sommerferein besonders schön, wenn wir zusammen wegfahren oder Spiele machen. Mit fünf Personen macht das Spaß, mit zwei oder drei nicht so sehr. Schön ist auch, dass die Kinder halt auch anders erzogen werden als wir. Wenn da mal so ein Spruch kommt "Papa, du bist ganz schön alt geworden", dann muss man schon schmunzeln (lacht). Das hätt' ich mich bei meinem Vater nie getraut (lacht). 

Was würden Sie sich als Familie von der Politik wünschen?
Tanja Rouget: In der Bildungspolitik wär' Einiges zu tun. Schlimm ist zum Beispiel, dass oft Lehrer ausfallen und dann kein Ersatz da ist. Dann müssen wir anstelle der Lehrer den Stoff mit den Kindern durchgehen. Wir haben ja noch den Vorteil, dass wir zu Hause sind und bei Hausaufgaben und überhaupt bei Schulproblemen ganz gut helfen können. Bei anderen Familien ist das nicht so, da sind die Kinder schon benachteiligt. Positiv fände ich schon wegen der Chancengleichheit ein Modell "Ganztagsschule", in denen die professionelle Betreuung auf jeden Fall gesichert ist und das Kind wirklich die Schule erledigt hat, wenn es nach Hause kommt.

Bernd Rouget: Ich bemängele, dass von einem Ort zum anderen in der gleichen Klassenstufe verschiedene Bücher benutzt werden. Außerdem ist die Flut an Unterrichtsmaterialien so groß, dass die Kinder sehr unter dem Gewicht ihrer Ranzen leiden. Vielleicht könnte man sich ein Beispiel an Frankreich nehmen, da können die eigenen Bücher zu Hause bleiben, weil sie auch in der Schule vorhanden sind. Außerdem sollten die Politiker sich mal Gedanken machen, wie Familien mit Kindern besser finanziell unterstützt werden können. Beispiel Urlaub: In den Schulferien zahlt man 50 bis 60 Prozent mehr als außerhalb der Saison.

Das Interview führte Patrick Reitler.

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sr | Stand: 04.04.2007
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