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Etikett vom MDR Foto: MDR

Zwischen Wunsch und Machbarkeit

Familie in der Globalisierungsfalle

Heile Welt war gestern: Als der Bund der Ehe noch ein Leben lang hielt, als Papa das Geld verdiente und Mama am Herd stand. Damals war Familie selbstverständlich, heute ist sie globalisiert. Richtig gelesen: Die Globalisierung stört die klassische Familienidylle.

Das Wirtschaftswunder bescherte uns die Babyboomer, weil die Leute optimistisch in die Zukunft blickten, sagt der Bamberger Soziologie-Professor Hans-Peter Blossfeld. Seit nunmehr 20 Jahren schlage uns nun die Globalisierung aufs Gemüt. Ein Grund für die vielen Singles und Dinks (Kinderlose Doppelverdiener) in Deutschland? Ja, meint Blossfeld. 1999 startete er das Globalife-Projekt und schaute sich die Familie einmal vom Weltmarkt her an.

Schaubild Familienformen in Deutschland Foto: ARD.de

Mikrozensus - Bevölkerung, Statistisches Bundesamt 2006

Über sechs Jahre hinweg untersuchte er die Auswirkungen der Globalisierung auf unsere beruflichen Lebensläufe und unsere privaten Entscheidungen. Ergebnis: Lebenslange Bindungen fallen zunehmend schwerer, weil der Arbeitsmarkt immer mehr Flexibilität verlangt. Blossfeld ist aber auch überzeugt, dass sich gerade die traditionelle Familie in globalisierten Zeiten bewähren wird.

Die zwei Gesichter der Familie

Wie kommt Blossfeld darauf? 2005 zählte das Statistische Bundesamt 12,6 Millionen Familien in Deutschland. Jede vierte passte schon nicht mehr ins traditionelle Schema. Vor allem allein Erziehende, aber auch nicht-eheliche Lebensgemeinschaften mit Kindern legen seit den 90ern merklich zu.

Und trotzdem: Wir kriegen die traditionelle Familie einfach nicht aus unseren Köpfen. Für 91 Prozent der 18- bis 44-Jährigen gehören Ehe und Kinder nach wie vor zusammen, so eine repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach. Zahlen, die fast noch aus den 60er Jahren stammen könnten, aber aktuell sind. Nicht-eheliche Lebensgemeinschaften mit Kindern stuften in der Studie lediglich 63 Prozent als Familie ein. Bei allein Erziehenden waren es nur noch 41 Prozent.
Sehnen wir also im Prinzip nach der guten alten Familie? Hans-Peter Blossfeld verwundert das nicht: "Was heißt auch alternative Familienmodelle. In der Regel ist es keine freiwillige Entscheidung, ein Kind allein zu erziehen."

Das richtige Timing

Der jungen Generation zwischen 20 und 30 Jahren bläst ein besonders kräftiger Wind vom Arbeitsmarkt entgegen. Niemals war der Berufseinstieg so chaotisch wie heute, erklärt Blossfeld. "Man hangelt sich von Praktikum zu Praktikum und hält sich allzeit bereit für die Chance auf einen festen Arbeitsplatz. Unter diesen Umständen wird keiner gleich heiraten und eine Familie gründen." Stattdessen gingen junge Paare losere Bindungen ein und scheuten Verpflichtungen.

Die Allensbacher Umfrage bestätigt: Jeder zweite potenzielle Familiengründer macht die Kinderfrage von seiner beruflichen Situation abhängig und steckt damit schon mitten in der biografischen Zwickmühle. Allerdings, betont Blossfeld, gerade bei nicht-ehelichen Lebensgemeinschaften handle es sich oft um Übergangslösungen. Der Kinderwunsch ist aufgeschoben, nicht gleich aufgehoben. Wird er konkret, werden Paare auch in Zukunft noch heiraten, prophezeit der Soziologe.

Rückbesinnung auf die Ehe

Denn für viele verspricht der sichere Hafen der Ehe Schutz vor den turbulenten Weltmeeren."Gerade für Frauen erhöht sich durch Kinder das Armutsrisiko. Sie werden ohnehin im Berufsleben benachteiligt und sind mehr als ihre männlichen Kollegen von Arbeitslosigkeit bedroht," so Blossfeld. Ein zuverlässiger Partner könne Unwägbarkeiten abfedern, während allein Erziehende unter viel größerem finanziellen Druck stünden. Und die Ehe sei immer noch die stabilste Form der Paarbeziehung. Auch wenn fast jede dritte geschieden wird und meist die Frauen dann allein mit ihren Kindern zurückbleiben.

Was die Zukunft der Familie anbelangt, so bleibt Blossfeld optimistisch: Ein sicheres Beschäftigungsverhältnis, in dem gut ausgebildete Mittdreißiger meist auch angekommen sind, und Vertrauen in die Liebe machen Familie trotz Globalisierung möglich.

Autorin: Birgit Behringer

  • Kommentare
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Henriette | 22.04.2007 | 02.05 Uhr
Ich denke schon dass in diesem Land Familien keine Zukunft haben. Als vor kurzem mein Mann von einem Kinderlosen ermahnt wurde, seine 4 Söhne gut zu erziehen denn er gedenke mindestens 40 Jahre Rente zu beziehen, antwortete er schlagfertig, dass seine Söhne keinen Cent in dieses Sozialsystem einbezahlen würden.
Schließlich wolle er Großvater werden und empfehle seinen Söhnen nach Frankreich zugehen.
Unsere Kinder werden dieses Land verlassen, so lebt die Familie weiter.
Mona | 21.04.2007 | 16.43 Uhr
Die Fremdbetreuung der Kinder, v.a. von Kleinkindern, dient nicht der Stärkung der Familie. Nicht nur die kleinen Kinder entfremden sich ihren Eltern, auch die Eltern zeigen oft wenig emotionale Bindung an das Kind. Eine Untersuchung hat ergeben, dass die meisten Babysitter von berufstätigen Müttern am Wochendende und abends für ihre bereits fremdbetreuten Kinder gebucht werden. Kein Wunder, oft sind die Mütter beruflich ausgebrannt und brauchen selbst Erholung.
Mirja | 18.04.2007 | 19.33 Uhr
Verfolgt man die familienpolitischen Diskussionen um Kinderkrippen bzw. Ganztagsbetreuung der Kinder, bekommt man den Eindruck, die Politiker sehen nur mehr kaputte Familien und unfähige Eltern, weshalb die Erziehung in die Fürsorge des "Vater Staat" gehört. Mit der Auslagerung der Erziehung aus den Elternhäusern zerstören sie aber die Grundlage der familiären Bindung und Geborgenheit und der sichere Ort des Zuhauses verliert an Bedeutung. So wird Familie zum Auslaufmodell entwertet.

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mdr | Stand: 04.04.2007
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