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Fest steht, wir werden weniger. Die deutsche Bevölkerung schrumpft, weil die Alten immer älter und immer weniger Babys geboren werden. Diesen Trend kennen Demoskopen seit Jahren. Eine Änderung ist nicht in Sicht.
Überalterung der Gesellschaft als Chance?
Derzeit leben in Deutschland 82,4 Millionen Menschen. 2050 werden es noch 69 bis 74 Millionen sein. Das hat das Statistische Bundesamt in Wiesbaden in seiner jüngsten Bevölkerungsvorausberechnung ermittelt. Die Zahl der 60-Jährigen wird dann mit einer guten Million doppelt so hoch sein wie die Zahl der Neugeborenen. Zum Vergleich: 2005 gab es fast genauso viele Neugeborene wie 60-Jährige.
Das Angstwort lautet Geburtendefizit. Es kommen weniger Baby zur Welt als Menschen sterben – im vergangenen Jahr ein Minus von 144.432. Auch die Zuwanderer stoppten die sinkenden Bevölkerungszahlen im Jahr 2006 nicht. Das Statistische Bundesamt warnt, dass auch eine etwas höhere Kinderzahl je Frau oder eine noch schneller steigende Lebenserwartung den Rückgang der Bevölkerung nicht verhindern können.
Zurzeit werden deutsche Frauen im Durchschnitt knapp 82 Jahre alt, Männer 76. "Die statistische Lebenserwartung in unserer Gesellschaft steigt jedes Jahr um mehr als sechs Wochen", rechnet Andreas Esche von der Bertelsmann Stiftung vor. Er leitet das Projekt "Demografischer Wandel" und kennt die Rahmenbedingungen.
Heute leben etwa 50 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 64 Jahren in Deutschland. Zieht man Arbeitslose und Selbstständige ab, bleiben etwa 33 Millionen, die in den Rententopf einzahlen. Im Jahr 2050 werden es laut den Wiesbadener Statistikern 22 bis 29 Prozent weniger sein. Die genaue Zahl hänge von den Zuwanderungszahlen ab.
Wie das deutsche Rentensystem dann finanziert werden soll, beschäftigt Wirtschaft und Politik. Aber auch viele Arbeitnehmer fürchten, dass sie später ohne ausreichende Alterssicherung dastehen. Denn eigentlich, so legte es die Nachkriegsregierung von Konrad Adenauer 1957 fest, sollte eine Generation die Rente der vorangegangenen finanzieren. Was aber, wenn die Zahl der Beitragszahler stetig schrumpft?
Als die Politiker dieses Rentensystem entwickelten, rechneten sie nicht damit, dass die Geburtenzahlen in Deutschland so rapide abnehmen würden. Der massive Einbruch kam Anfang der 70er Jahre – der so genannte Pillenknick. "In jeder Generation fehlt ein Drittel Kinder, die wir bräuchten, um die Bevölkerungszahl konstant zu halten", erklärt Andreas Esche.
Auch andere Industrienationen kennen das Problem. Die Geburtenraten in Spanien, Italien, Polen und Griechenland liegen zum Beispiel noch unter dem deutschen Wert. In Ländern wie Dänemark, Belgien, den Niederlanden und Finnland bekommen die Frauen durchschnittlich mehr Kinder. "Und es ist ein erheblicher Unterschied, ob eine Frau durchschnittlich 1,3 Kinder bekommt wie bei uns oder 2,1 wie in Frankreich", so Esche.
Dank guter medizinischer Versorgung werden die Menschen in den Industrienationen immer älter. Dass die Deutschen länger gesund sind und damit älter werden, sei ausdrücklich etwas Positives, findet Volkswirt Esche. "Im demografischen Wandel stecken viele Potenziale. Wir müssen sie nur nutzen." Deshalb habe die Bertelsmann-Stiftung die Aktion "Demografischer Wandel" gestartet. Unter anderem sollen dabei ältere Arbeitnehmer ihr über Jahre erworbenes Wissen einbringen. Ein anderes Beispiel: Das Gründungsnetzwerk NRW setzt auf Senioren-Coaches, die Existenzgründer und Unternehmen beraten.
Quellen: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Statistisches Bundesamt, Deutsche Rentenversicherung Bund
Autorin: Katrin Heine






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