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Etikett vom SR Foto: SR

Beide berufstätig

"Manchmal fehlt uns eine Großmutter"

Beide berufstätig, allein erziehend oder "klassisch": Wie schaffen Sie es, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen? Das haben wir acht verschiedene Familien gefragt, die ihren Alltag unter verschiedenen Voraussetzungen meistern. Cosima und Michael Eggers von Wittenburg sind Beamte, haben drei Kinder und gehen Vollzeit arbeiten.

Familie Eggers von Wittenburg Foto: SR

Cosima Eggers von Wittenburg (39), Beamtin im höheren Dienst
Michael Eggers von Wittenburg (46), Beamter im höheren Dienst
Drei Söhne: Niklas (12), Nils (3) und Finn (1)

ARD.de: Wie schaffen Sie es, Familie und Beruf unter einen Hut zubringen?
Cosima Eggers von Wittenburg: Als Beamte haben wir beide eigentlich optimale, perfekte Rahmenbedingungen: Wir können im Rahmen von drei Jahren Erziehungszeit machen, so lange wir wollen, können uns dabei abwechseln, können spontan entscheiden, ob wir halbtags oder ganztags arbeiten gehen wollen. Ansonsten ist die strikte Organisation von allen Abläufen sehr wichtig: Die Kleinen gehen in die Kindertagesstätte, der Große in die Schule. Wir müssen uns halt extrem viel absprechen mit den Terminen.

Michael Eggers von Wittenburg: Ja, der Schwerpunkt liegt auf guter Koordination und Teamarbeit bei den Eheleuten.

Was finden Sie an Ihrer familiären Situation am schwierigsten?
Michael Eggers von Wittenburg: Manchmal fehlt uns eine Großmutter. Unsere Eltern wohnen beide weit weg. Dadurch bedingt fehlt uns manchmal eine helfende Hand. Das würde vieles erleichtern. Ein kleiner Gang, mal auf die Kleinen aufpassen und so. Das wäre schön, wenn die Großeltern näher dran wohnen würden.

Cosima Eggers von Wittenburg: Die Großeltern fehlen nicht nur, um einfach mal so einzuspringen, sondern auch, wenn die Kinder krank sind. Dann nimmt die Kindertagesstätte die Kinder nicht auf, und wir sind aufgeschmissen. Besonders, weil's eh nur fünf Tage Dienstbefreiung im Jahr gibt für Beamte, unabhängig von der Kinderanzahl.

Was gefällt Ihnen an Ihrer familiären Situation am besten?
Cosima Eggers von Wittenburg: Eigentlich alles. Mit den Kindern ist es extrem lustig, es ist immer was los, immer Trubel, immer ein Lachen im Haus. Man kommt überhaupt nicht dazu, sich über sinnlose Sachen Gedanken zu machen.

Michael Eggers von Wittenburg: Kinder geben dem Leben nochmal einen ganz speziellen Sinn, über die eigene Selbstverwirklichung hinaus. Es gibt eben halt Sachen jenseits des Materiellen, die man einfach nicht kaufen kann.

Was würden Sie sich als Familie von der Politik wünschen?
Michael Eggers von Wittenburg: Ich glaube, ein Umdenken ist bei der Politik schon da. Ein wichtiger Schritt ist ja jetzt auch gemacht worden mit dem Elterngeld. Das gesellschaftliche Verständnis ist aber so eine Geschichte, die sich noch entwickeln muss: Dass die Vorbilder von der Politik auch mal jenseits der jungen, dynamischen, erfolgreichen Singles, die in 'ner schicken glatten Maisonette-Wohnung wohnen, gesetzt werden. Außerdem sollten die Politiker die Kinderbetreuung noch stärker in Angriff nehmen. Einfach deshalb, weil der Verbund der Großfamilie in großen Teilen einfach nicht existent ist.

Cosima Eggers von Wittenburg: Ich mein' auch, Elterngeld ist ein guter Schritt, aber letztendlich muss auch die Betreuung nach dem ersten Lebensjahr gesichert sein und auch die Grundschulen müssten mehr auf Ganztagsgrundschulen ausgebaut sein. Der größte Faktor ist eigentlich aber, die Mentalität der Leute zu ändern. Dass man nicht eine Rabenmutter ist, wenn man mit einem Jahr ein Kind in die Kindertagesstätte gibt und arbeiten geht. Es immer nur auf die Politik abzuwälzen, kann's auch nicht sein.

Das Interview führte Patrick Reitler.

Weitere Informationen zum Thema:


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sr | Stand: 04.04.2007
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