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Etikett vom SR Foto: SR

"Klassischer" Familienbetrieb

"Als Hausfrau fordere ich ein Gehalt vom Staat"

Beide berufstätig, allein erziehend oder klassisch: Wie schaffen Sie es, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen? Das haben wir acht verschiedene Familien gefragt, die ihren Alltag unter verschiedenen Voraussetzungen meistern. Familie Reitler-Gegner ist ein "klassischer" Familienbetrieb und einem 7-jährigen Sohn.

Familie Reitler Gegner Foto: SR

Natasha Reitler (39), Hausfrau, Aushilfe im Familienbetrieb
Jürgen Gegner (43), selbstständiger Florist
Sohn Malcolm (7), Schüler 

ARD.de: Wie schaffen Sie es, Familie und Beruf unter einen Hut zubringen?
Natasha Reitler: Eigentlich gar nicht. Ich kann in meinem gelernten Beruf nicht mehr arbeiten gehen, weil das mit der Kinderbetreuung nicht klappt. Wir haben hier keine Oma oder sonstige Verwandtschaft zur Unterstützung. Krippe oder Kindergarten wäre mir teils zu teuer gewesen, teils wollte ich auch Zeit mit meinem Kind verbringen, gerade als der Malcolm noch ganz klein war.

Zusätzlich noch Beruf wäre mir auch zu stressig gewesen. Da wir finanziell nicht unbedingt auf ein zweites Einkommen angewiesen sind, arbeite ich jetzt halt als Hausfrau und auch stundenweise im Familienbetrieb.

Jürgen Gegner: Ich kriege Familie und Arbeit nur schwer auf die Reihe, weil ich als Selbstständiger ungefähr von morgens um 8 Uhr bis abends um 19 Uhr aus dem Haus bin, das Ganze auch samtags und sonntags. Von daher war es sowieso für mich relativ schwer, eine Familie zu gründen. Ich wollte auch nicht, dass unser Kind irgendwie als "Halbwaise" aufwächst, und deswegen wollte ich auch, dass die Frau nicht unbedingt voll arbeiten gehen muss. Den Luxus können wir uns Gottseidank erlauben.

Was finden Sie an Ihrer familiären Situation am schwierigsten?
Jürgen Gegner: Ich hab' eigentlich zu wenig Zeit für die Erziehung von meinem Sohn.

Natasha Reitler: Seh ich auch so. Bei mir ist es oft so, dass ich mich ganz alleine für die gesamte Erziehung des Kindes zuständig fühle – für die Regeln, die Einhaltung der Regeln, die Konsequenzen und so weiter. Die Hauptlast liegt doch bei mir. Ich bin fast wie allein erziehend, weil Jürgen auch am Wochenende normalerweise nicht da ist. Das ist schon schwierig. Auch, dass keine Verwandten da sind, wenn man mal was für sich machen will.

Was gefällt Ihnen an Ihrer familiären Situation am besten?
Jürgen Gegner: Dass ich sehe, wie mein Sohn aufwächst, das Heranwachsen vom Säuglingsalter an.

Natasha Reitler: Diese emotionale Bindung, die man an ein Kind hat. Das ist eine Erfahrung, die man eigentlich nicht durch irgendeine andere Erfahrung ersetzen kann. Das ist vollkommen einzigartig und eigentlich das Schönste.

Was würden Sie sich als Familie von der Politik wünschen?
Jürgen Gegner: Natürlich finanzielle Unterstützung – damit ich mir den Luxus erlauben könnte, vielleicht auch Erziehungsurlaub zu machen.

Natasha Reitler: Ich würde mir wünschen, dass der Staat an Hausfrauen ein Gehalt zahlt. Ich erziehe ein Kind, kann in der Zeit nichts in die Rentenkasse einzahlen, habe dadurch später Nachteile und muss das privat ausgleichen. Ich leiste eine Arbeit, die man irgendwo auch nicht ersetzen kann.

Hausfrauen haben ja nicht nur ihre eigenen Pflichten, sondern betreuen oft auch noch die Kinder berufstätiger Mütter mit, spielen den Notnagel. Stellen einen Hort von Wärme und Mitmenschlichkeit dar in einer Welt, in der für Kinder keine Zeit mehr ist. Ich finde es steht mir zu, und ich verlange, für diese Arbeit auch Geld zu kriegen. Damit das auch mal ins Bewusstsein kommt, wie viel man auch stundenweise leistet. Wenn ich dafür ein Kindermädchen einstellen müsste, dann wäre das sauteuer. Ich fühle mich da nicht anerkannt.

Das Interview führte Patrick Reitler.

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sr | Stand: 04.04.2007
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