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Beide berufstätig, allein erziehend oder "klassisch": Wie schaffen Sie es, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen? Das haben wir acht verschiedene Familien gefragt, die ihren Alltag unter verschiedenen Voraussetzungen meistern. Familie Buß-Dörr ist eine "klassische" Familie.
Kirsten Buß-Dörr (36), Hausfrau
Alban Dörr (54), Lehrer in Teilzeit
Sohn Nathanael (3)
ARD.de: Wie schaffen Sie es, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen?
Kirsten Buß-Dörr: Klassisch. Der Mann geht als Lehrer in Teilzeit arbeiten, ich bleibe als Mutter und Hausfrau daheim. Wir hatten uns zunächst bewusst dafür entschieden, dass ich drei Jahre lang Elternzeit nehme und dann wieder Teilzeit arbeiten gehe. Dann sollte mein Mann wie bisher am Vormittag arbeiten und ich am Nachmittag.
Aber da machte mein Arbeitgeber nicht mit. Der hat gesagt: "Wir nehmen keine Rücksicht auf Mütter oder Menschen, die ihre Eltern pflegen." Er hat mir Bedingungen gestellt, die nicht mit der Familiensituation vereinbar waren. Also musste ich kündigen. Aber bald kommt ja jetzt das zweite Kind, und da ist es ohnehin sinnvoll, weiter zu Hause zu bleiben. Wenn sich nach einem halben oder einem Dreivierteljahr eine Möglichkeit bietet, würde ich aber gerne wieder arbeiten gehen, und mein Mann würde den Rest der Elternzeit zu Hause bleiben.
Alban Dörr: Ja, wenn das möglich wäre, auch finanziell. Ansonsten schaffen wir das mit Familie und Beruf durch gute Organisation und gute Teamarbeit. Ich beteilige mich am Einkauf, dem Haushalt und so, das habe ich immer schon gerne gemacht.
Was finden Sie an Ihrer familiären Situation am schwierigsten?
Kirsten Buß-Dörr: Von großen Problemen kann man eigentlich nicht reden. Am ehesten noch die Trotzphase (lacht), das ist manchmal anstrengend, aber da müssen ja alle irgendwie durch. Ein großes Betreuungsproblem haben wir jedenfalls nicht, schon wegen der Unterstützung aus der Familie.
Alban Dörr: Schwierig ist höchstens noch die berufliche Situation meiner Frau.
Was gefällt Ihnen an Ihrer familiären Situation am besten?
Kirsten Buß-Dörr: Dass man den ganzen Tag jemanden um sich hat, der fast immer gut gelaunt ist, der einen ständig zum Lachen bringt und immerzu was vorgelesen haben will, so dass man unheimlich viele Gedichte auswendig lernt (lacht).
Alban Dörr: Was wir machen, machen wir nach Möglichkeit mit dem Kind zusammen. Das macht viel Spaß und eröffnet neue Perspektiven. Ich bin ja relativ spät Vater geworden, und das ist eine Erfüllung, die ist kaum mit Worten vermittelbar. Es ist einfach plötzlich ein Gefühl von Rundheit, von Ganzheit da.
Was würden Sie sich als Familie von der Politik wünschen?
Kirsten Buß-Dörr: Die Politiker sollten ein positives Bild vom Leben mit Kindern vermitteln! Und nicht immer bloß vermitteln, dass es trotz Kind wichtig ist, Karriere zu machen. Es ist schon wichtig, dass auch "Kind und Karriere" machbar ist, aber es müssen auch andere Familienmodelle akzeptierbar sein, ohne dass man ständig im Rechtfertigungsdrang ist. Außerdem sollte sich die Politik nicht zuviel einmischen, zum Beispiel indem sie die Einschulung mit fünf Jahren fordert. Da läuft's uns kalt den Rücken runter.
Alban Dörr: Ja, die Politiker sollten sich auch mal als Eltern statt als Showmenschen zeigen. Am besten auch mal drei Monate raus aus der Politik und normal leben, dann kriegen sie vielleicht mal ein Gefühl dafür, was es bedeutet, mal nicht Politiker zu sein.
Darüber hinaus sollten sie Kinder und Familie nicht als Thema für ihre Profilierung oder für mehr Wählerstimmen missbrauchen, sondern vor allem mal weiter denken als bis zur nächsten Legislaturperiode. Denn das Thema bedarf ganz, ganz langem verantwortungsbewusstem Handeln, von der Nahrungsmittelproduktion bis zum Schulsystem. Da sollte man weniger herumexperimentieren und die Dinge sich mal entwickeln lassen.
Das Interview führte Patrick Reitler.
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