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Etikett vom MDR Foto: MDR

Großelterndienste

Wunschgroßeltern dringend gesucht

In Deutschland gibt es eine beachtliche Zahl von Initiativen und Vereinen, die Großelterndienste anbieten. Zwei Dinge haben sie alle gemeinsam, die älteren Leute sind nicht mit ihren "Enkeln" verwandt und sie bieten ihre Dienste ehrenamtlich an.

In Leipzig gibt es seit dem Jahr 2000 einen Großelterndienst. Initiert wurde das Projekt von der Vereinsvorsitzenden der Senioren- und Familienselbsthilfe e.V. Leipzig, Heidemarie Stahr. Derzeit sind rund 50 Wunschomas und zwei Wunschopas im Stadtgebiet im Einsatz. Angebot und Nachfrage stehen dabei aber in keinem Verhältnis, es sind zu wenige Wunschgroßeltern, für die Fülle von Anfragen. Vor allem Wunschopas sind schon seit Beginn des Projekts eher Mangelware.

ARD.de: Frau Stahr, aus welchem Grund gibt es so wenige Wunschopas?
Heidemarie Stahr: Wunschopas werden von den Müttern nicht angenommen. Wenn, dann sind sie nur im Doppelpack mit der Oma erwünscht. Es gibt eben Vorbehalte, wenn ein Mann allein ein Kind betreut. Aber wir hatten auch schon Ausnahmen. Zum Beispiel, wenn ein Junge zu Hause nur von Frauen betreut wird, und seine Mutter deshalb ausdrücklich einen Wunschopa sucht.

In Deutschland gibt es mittlerweile eine beachtliche Zahl von Vereinen, die Großelterndienste anbieten. Die einen sprechen von "Leihomas", die anderen von "Patenomas" und Sie wiederum von "Wunschomas". Weshalb?
Wir legen großen Wert auf die Bezeichnung "Wunschoma" und "Wunschopa", weil man nur Sachen leihen kann, aber keinen Menschen. Das ist eine Angelegenheit, wo Sympathie da sein muss.

Kann in Leipzig jeder Wunschoma oder -opa werden?
Ja, das Ehrenamt steht jedem offen. Uns fehlen ja Freiwillige, die gern mit Kindern zusammen sind. Allerdings haben wir intern eine untere Altersgrenze von 50 Jahren festgelegt. Sonst ist die Chance zu groß, dass arbeitslose Frauen vielleicht doch noch eine Stelle finden, und sie die Beziehung zu dem Kind wieder abbrechen müssen.

Wie alt sind die Kinder, die von Wunschgroßeltern betreut werden?
Der Verein konzentriert sich auf Kinder zwischen ein und zehn Jahren. Unser Schwerpunkt ist das Krippen- und Kindergartenalter. Ausnahmen machen wir nur, wenn der Wunsch wirklich vom Kind ausgeht. Wir hatten da zum Beispiel ein 13-jähriges Mädchen. Es war das einzige in der Schule, das keine Oma hatte. Deshalb wünschte es sich eine. Das Mädchen spielte Klavier, und wir hatten durch Zufall auch gerade eine Wunschoma, die Pianistin war.

Wie sieht die Betreuung aus? Wie oft sehen die Wunschgroßeltern das Kind?
Das Projekt ist für zwei bis sechs Stunden pro Woche angelegt. Die Zeiten können die Wunschgroßeltern mit den Eltern flexibel vereinbaren, es sollte aber eine gewisse Regelmäßigkeit drin sein. Betreut werden die Kinder für gewöhnlich in der Wohnung der Eltern. Unsere Wunschomas können sich entscheiden, wie sie ihr Ehrenamt ausüben wollen: Unentgeltlich, mit Fahrgeld oder für eine kleine Aufwandsentschädigung von vier Euro die Stunde. 

Hat es Fälle gegeben, in denen die Wunschgroßeltern als Babysitter oder Haushaltshilfen ausgenutzt wurden?
Sehr selten. Ich sage immer: "Sie müssen verhindern, dass Sie wie untergeordnetes Dienstpersonal behandelt werden." Deshalb sind regelmäßige, feste Zeiten für die Betreuung wichtig.

Wo werden die Wunschgroßeltern beraten, wenn sie Fragen haben, es z.B. unterschiedliche Auffassung zur Erziehung zwischen den Eltern und Wunschgroßeltern gibt?
Wunschgroßeltern erziehen nicht. Wenn sie mit dem Kind oder dessen Eltern in diesem Punkt überhaupt nicht zurechtkommen, müssen sie sich trennen. Aber wir als Verein bieten den Wunschgroßeltern auch einmal im Monat ein Frühstück an, bei dem anstehende Probleme und Fragen besprochen werden können.

Sind die Wunschgroßeltern über den Verein abgesichert?
Ja, unsere Wunschomas und -opas sind über den Verein haftpflichtversichert.

Das Interview führte Ulrike Keller.

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mdr | Stand: 04.04.2007
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