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Mehrgenerationenhäuser sollen Menschen aller Lebensalter zusammenbringen, im Alltag unterstützen und Netzwerke schaffen. Zwei der ersten Mehrgenerationenhäuser versuchen sich seit Kurzem zu etablieren, mit unterschiedlichem Erfolg.
Generationen unter einem Dach: Da ist auch die Ministerin begeistert.
Die Generationen haben in Deutschland nur noch selten etwas miteinander zu tun – und das ist ein Problem, denn alte Menschen vereinsamen oft, während jüngere Leute und vor allem Familien auf die Lebenserfahrung und Unterstützung der Großelterngeneration verzichten müssen. Ein Aktionsprogramm der Bundesregierung, die so genannten Mehrgenerationenhäuser, soll nun der drohenden Isolation der Generationen entgegenwirken.
Zwei der ersten sind das "ZenJA" in der Nähe von Frankfurt am Main und das Mehrgenerationenhaus in Halle an der Saale. Beide Projekte haben vor einigen Wochen ihre Arbeit aufgenommen und beide könnten unterschiedlicher nicht sein. Das "ZenJA" arbeitet mit einem erfahrenen Team, hat eine breite Öffentlichkeitswirkung und ist im frisch gebauten Domizil bestens ausgestattet. Das Mehrgenerationenhaus im verrufenen Glauchaviertel in Halle fängt dagegen mit allem ganz von vorne an, das avisierte Klientel hat viele und vor allem andere Probleme. Die fehlende Generationenbeziehung gehört nur am Rande dazu.
Mehrgenerationenhaus in Langen: Beispiel gelungenen Zusammenlebens
Im hessischen Langen haben die Mitarbeiterinnen dreier bereits seit vielen Jahren erfolgreich arbeitender Vereine - Seniorenhilfe, Mütterzentrum und Elternservice – 2001 beschlossen, Synergien wirken zu lassen. Sie wollten zusammen arbeiten und im Idealfall ein gemeinsames Haus beziehen, erzählt die Leiterin des Hauses, Monika Maier-Luchmann. Doch sie stießen auf Widerstand in allen Bereichen, lange Zeit war ein solches Projekt nicht leb- und finanzierbar. Erst als das Aktionsprogramm des Ministeriums 2006 seine Ausschreibung startete, passten die lang gehegten Träume plötzlich zu Deutschland.
Jetzt leben, arbeiten und spielen tatsächlich Kinder, Eltern und Senioren im Langener "ZenJA" unter einem Dach. Ein ausgeklügeltes Punktesystem ermögliche gegenseitige Hilfe und Unterstützung im Haushalt oder auch im Alltag, sagt Karin Schulze von der Seniorenhilfe. Jeder bietet seine Fähigkeiten an und bekommt dafür in anderen Bereichen Hilfe, und zwar kostenfrei.
"Kinder sind ja tatsächlich anstrengend": Betreuerin Sabine Wagner hat Verständnis für genervte Senioren.
Sabine Wagner ist im Langener Mehrgenerationenhaus für die Kinderbetreuung zuständig. Das frisch eröffnete "Tageskinderhaus" ist eigentlich eine Krippe für Kinder bis drei Jahre, eine Betreuungsform, die im Westen Deutschlands noch immer etwas Besonderes ist. Das "Tageskinderhaus" liegt im ersten Stock des Gebäudes. Im Untergeschoss sind die Räume der Seniorenhilfe untergebracht und seitdem man in einem Haus miteinander arbeitet, finden viele ältere Menschen den Weg nach oben, kommen auf Sabine Wagner zu und bieten ihre Mithilfe an.
Manchmal aber ist das so ersehnte "Miteinander der Generationen" nicht ganz so einfach, wie sich alle Beteiligten das zu Anfang vorgestellt haben. Zum Beispiel, wenn die hoch motivierte Oma nach einer Stunde Kleinkindbetreuung merkt, dass tragen, wickeln, füttern und trösten ziemlich stressig ist – und alle Seiten enttäuscht wieder auseinander gehen. Oder wenn der Nachmittagskreis der Senioren sich vom wilden Kindergeschrei im Café des Hauses gestört fühlt, anstatt glücklich über das generationsübergreifende Erlebnis zu sein. "Das ist doch ganz normal", sagt Sabine Wagner, "Kinder sind ja tatsächlich manchmal anstrengend – und das darf man auch so sagen. Jeder soll hier ja nur das einbringen, was er will und kann."
Projektleiter Stefan Krov-Raak: Schwierige Bedingungen in Halle
Ganz anders läuft es in Halle an der Saale. Da kämpft Projektleiter Stefan Krov-Raak gegen die Resignation. Er hat viele Ideen für "sein" Mehrgenerationenhaus, scheitert aber in der Durchführung täglich neu. Es komme kaum einer, der sich mit anderen Generationen vernetzen, eigene Impulse einbringen oder Unterstützung finden will – jedenfalls noch nicht. Und das ist für Krov-Raak richtig frustrierend. Wie auch der Standort seines Mehrgenerationenhauses. Das Zentrum, zu DDR-Zeiten ein Jugendtreff, liegt im berüchtigten Glauchaviertel. Kurz hinter frisch renovierten Gründerzeithäusern und kopfsteingepflasterten Straßen ragen unsanierte Hochhäuser in den Himmel, Farbe ins Grau bringen nur einige Deutschlandfahnen, die an Balkonen befestigt sind.
Eine hohe Arbeitslosigkeit herrscht im Glauchaviertel, viele Familien mit Migrationshintergrund – vor allem russische Aussiedler – leben hier, es wird mit Drogen gehandelt. "Die Gegend ist ein sozialer Brennpunkt – und unser Treffpunkt liegt im Erdgeschoss eines der Hochhäuser, quasi am Brennpunkt des sozialen Brennpunktes", bringt es Krov-Raak auf den Punkt.
Dass das Zentrum mal ein Jugendtreff war, bereitet vor allem Probleme bei der Etablierung des Hauses, denn die meisten Leute erwarten hier noch immer sich amüsierende Teenies statt generationsübergreifendes Miteinander. Momentan sind es die Kinder der russischen Aussiedler, die das Haus mit Leben füllen. Und manchmal bringen sie auch ihre Eltern mit. Und wer einmal da ist, der bleibt auch: So sind die "Lernpatenschaften" ein echtes Erfolgsmodell, gerade für Kinder, die noch nicht gut genug Deutsch sprechen. Lehramtsstudenten geben ihnen Nachhilfe, festigen die Sprachkenntnisse und geben auch mal Tipps bei organisatorischen Fragen.
Außerdem hat sich ein kleiner Chor gebildet, der von einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin geleitet wird, mehrere Frauen wollen einen Schneiderzirkel gründen, eine ältere Dame sucht einen neuen Freundeskreis und hat sich dazu einfach mal an Stefan Krov-Raak gewandt. Und damit seine Ideen die Menschen auch da abholen, wo sie ein Mehrgenerationenhaus in ihrem Alltag brauchen können, plant Krov-Raak eine groß angelegte Bürgerbefragung. Damit soll der tatsächliche Bedarf an den Leistungen des Hauses ermittelt werden, denn er hat keine Lust, "an den Menschen vorbei" zu planen.
Halle: Mehrgenerationenprojekt im ehemaligen Jugendzentrum
Was Krov-Raak, seine Mitarbeiter, die wenigen Ehrenamtlichen und Besucher so deprimiert, ist von der Regierung sogar fest eingeplant: "Es kann ja nicht jedes Haus gleich sein und den gleichen Stand an Erfahrung haben", sagt Christina Vardakis von der Projektagentur. "Deshalb gibt es ja die Aufforderung an die Häuser, sich auszutauschen und untereinander zu unterstützen", ergänzt sie, "es geht hier nicht um Sofort-Erfolge, sondern darum, Entwicklung zu ermöglichen, wo Potenzial und Bedarf da sind." Fünf Jahre haben die Häuser dazu Zeit.
Schützenhilfe könnten die Hallenser aus Hessen bekommen. Die Langener Strukturen waren bereits mit Beginn der Projektphase konzeptionell so deckungsgleich mit den Anforderungen für ein ministeriengefördertes Mehrgenerationenhaus, dass die Leiterin Maier-Luchmann der Aufforderung, dass die Häuser intensiven Austausch miteinander betreiben, sich "verschwistern" und eigene Erfahrungen an andere weitergeben sollen, gerne nachkommt. Das Langener Haus ist deshalb eines von mehreren wechselnden "Leuchtturmhäusern" und stellt seine besonderen Kompetenzen allen Häusern zur Verfügung, ist für Anfragen da und prüft Ideen und gibt Tipps. "Das ist toll", schwärmt Maier-Luchmann.
Autorinnen: Beate Maschke/Anja Hempel






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