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Etikett vom SR Foto: SR

Studenten

"Wir haben einen großen Freundeskreis"

Beide berufstätig, allein erziehend oder "klassisch": Wie schaffen Sie es, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen? Das haben wir acht verschiedene Familien gefragt, die ihren Alltag unter verschiedenen Voraussetzungen meistern. Das Studentenpaar Barbara Neuerburg und Christoph Danker hat einen kleinen Sohn.

Familie Danker/Neuerburg Foto: SR

Barbara Neuerburg (27), Studentin
Christoph Danker (31), Student
Sohn Aeneas (9 Monate)

ARD.de: Wie schaffen Sie es, Familie und Beruf unter einen Hut zubringen?
Christoph Danker: Unser Vorteil ist, dass wir Studenten sind und uns unsere Zeit selbst relativ flexibel einteilen können. Jeweils drei Tage pro Woche kümmert sich einer von uns den ganzen Tag um das Kind.

Barbara Neuerburg: All das klappt aber nur so gut mit Hilfe unserer fantastischen Tagesmutter, die uns an vier Vormittagen in der Woche unterstützt. Das klappt super, da haben wir einen Glücksgriff getan. Neben den Ersparnissen meines Mannes und meinem Einkommen als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl unterstützt uns zum Glück auch noch das Jugendamt, sonst könnten wir uns das aber als Studenten gar nicht leisten.

Was finden Sie an Ihrer familiären Situation am schwierigsten?
Barbara Neuerburg: Ich hab öfters mal schubweise Uni, also ein paar Tage am Stück. Und vor Kurzem war mein Mann drei Wochen lang schwer krank, und die Tagesmutter war auch noch ausgefallen. Das ist dann schon anstrengend und schwierig, diese doppelte Belastung für eine Person. Da kann man nicht mehr viel nebenher machen. Weggehen ist sowieso reduziert, aber in so einem Fall fällt dann auch mal der Kaffee mit Freunden zwischendurch flach. So ein Tag füllt sich sehr schnell, seit der Kleine da ist.

Christoph Danker: Wir müssen unsere Zeit viel präziser einteilen, können nicht mehr ganz so spontan wie früher sein. Manchmal wird es dadurch schwierig, einen kontinuierlichen Arbeitsrhythmus reinzubekommen, zum Beispiel bei der Magisterarbeit. Es passieren einfach immer Dinge, auf die man sich kurzfristig anpasssen muss, wo man flexibel sein muss.

Was gefällt Ihnen an Ihrer familiären Situation am besten?
Barbara Neuerburg: Das Kind an sich an allererster Stelle! Unser Kleiner ist ein ziemlich zufriedenes Kind, das viel lacht und relativ wenig Stress bereitet. Das ist wunderschön. Dass unsere Elternhäuser relativ weit weg sind, in Bayern und Frankreich, bedauere ich zwar sehr, vor allem, dass meine Mutter so weit weg wohnt. Aber dafür haben wir zum Glück einen großen Freundeskreis, der uns die Kernfamilie ein bisschen ersetzt. So können wir auch mal was zu zweit machen. Diese tatkräftige Unterstützung, nicht nur leere Worte, das ist total schön.

Christoph Danker: Das Wunder Mensch, diesen kleinen Wonneproppen wachsen zu sehen und sich daran zu erfreuen, zu sehen, wie gut ihm das auch alles gefällt! Ich finde es ganz toll, intensiv viel Zeit mit dem Kind zu verbringen, jeden einzelnen Schritt mitzuverfolgen. Das nächste Kind wird wahrscheinlich zur Welt kommen, wenn wir beide schon im Vollzeitjob sind. Da kriegt man dann leider nicht mehr alles so mit. Ich glaub' wirklich, Kinder sind Zukunft. Um mit Novalis zu sprechen: Wo Kinder sind, da ist ein goldenes Zeitalter. Und so sehen wir das auch.

Was würden Sie sich als Familie von der Politik wünschen?
Barbara Neuerburg: Das französische Modell mit den Kinderkrippen! Bei uns gibt es erstens zu wenige Krippen, zweitens kann man sein Kind hier nicht in eine Krippe seiner Wahl geben, und drittens gibt es lange Wartezeiten. Das ist in Frankreich alles anders, da hat man die Wahl bei allem. Da kann man sein Kind sogar zwischen 17 und 20 Uhr abholen, wenn man möchte – bei uns ist 16 Uhr Schluss. Sowas ist mit einem Vollzeitjob nicht zu vereinbaren.

Christoph Danker: Ja, es wäre wichtig, wenn da mehr gemacht würde, wenn die Situation weiter vereinfacht würde. Gerade für Akademikerkreise, aber auch generell für alle Menschen, die Kinder haben möchten.

Das Interview führte Patrick Reitler.

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sr | Stand: 04.04.2007
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