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Etikett vom MDR Foto: MDR

Interview mit einer Kinderärztin

"Die versteht mich"

Die frühere Kinderärztin Dr. Sabine Palmer erklärt, warum Großeltern, egal ob leibliche oder "geborgt", unersätzlich für Kinder sind. Sie hat einen großen Teil ihres Lebens in der Kinder- und Jugendpsychatrie gearbeitet und stärkt jetzt als Rentnerin den Wunschomas in Leipzig ehrenamtlich den Rücken.

ARD.de: Frau Dr. Palmer, weshalb sind Großeltern für Kinder wichtig?
Dr. Sabine Palmer: In den ersten sieben Lebensjahren lernen Kinder über Nachahmung. Als Großelternfigur habe ich großen Einfluss in meiner Vorbildfunktion, auch wenn ich selten da bin. Außerdem sind Großeltern oft ausgeglichener als die Eltern, haben mehr Lebenserfahrungen und kennen die Spielregeln des Lebens oft besser als die Eltern.

Können Sie ein Beispiel geben?
Na zum Beispiel, dass man nicht immer nur abwarten kann, sondern auch auf andere zugehen muss. Das wissen die Eltern auch, aber sie geben es im Alltagsstress oft nicht so weiter. Oder Großeltern können zum Beispiel auch Werte besser vermitteln. Zum Beispiel, dass Geld allein nicht glücklich macht. Die Eltern wissen das zwar auch, müssen dem Geld aber oft nachjagen, um die Familie zu ernähren. Viele Großeltern haben nur eine kleine Rente. Doch sie sprechen nicht darüber und vermitteln einfach Zufriedenheit.

Wie stehen Sie zum Großelterndienst?
Ich finde das hervorragend. Die Mitarbeiter machen sich viel Arbeit. Ich bin mir sicher: Für manche Mutter, gerade wenn sie berufstätig und allein erziehend ist, ist dieses Angebot eine riesige Hilfe.

Kann es Kinder verwirren, plötzlich noch einen Opa oder eine Oma zu haben?
Das glaube ich nicht. Kinder haben eine hohe Anpassungsfähigkeit. Sie können unbewusst differenzieren: Wer tut mir gut? Wer ist mir wohl gesonnen? Und das kann bei der unechten Oma sogar mehr der Fall sein als bei der echten.

Nehmen Kinder eine unechte Oma bzw. einen unechten Opa als Autorität genauso ernst wie die echten Großeltern?
Da habe ich keine Bedenken. Kinder haben andere Beurteilungsmöglichkeiten als Erwachsene. Für sie zählt, wer mit ihnen spielt. Spielen ist ihr Lebenselexier. Und beim Spielen merken sie auch, ob das Spaß macht. Sie entwickeln ein Gefühl: Die bzw. der versteht mich, diese Person mag ich.

Das Interview führte Ulrike Keller.

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mdr | Stand: 04.04.2007
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