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In manchen Großstädten haben fast die Hälfte der Kinder und Jugendlichen Migrationshintergrund. Junge Migranten werden vorzugsweise mit dem Wort "Problem" in Verbindung gebracht. Dass sie auch Fähigkeiten mitbringen, von denen wir alle profitieren können, wird gerne vergessen.
Wenn Arezu strahlt, weil sie demnächst auf das Technische Gymnasium kommt, wenn Stanislav zufrieden mit sich ist, weil er nächsten Herbst eine Ausbildung beginnt, dann wünscht man sich, es ginge allen Migrantenjugendlichen so. Doch das tut es nicht.
Ein Blick auf die Statistik zeigt: Lediglich jeder dritte Ausländer im Alter zwischen 18 und 21 Jahren macht eine Ausbildung. Bei den Deutschen dagegen sind es mehr als die Hälfte. In Stuttgart, der Großstadt mit dem höchsten Migrantenanteil bundesweit, geht jeder zweite ausländische Jugendliche auf die Hauptschule, jeder zweite Deutsche dagegen auf das Gymnasium. Bildung und Arbeit sind aber Voraussetzung für Integration. Nur, wer hilft einem, sie zu erlangen, gerade dann, wenn das Elternhaus keinen Grundstein dafür legt?
Junge Migranten kommen häufig aus Familien, die Sozialpädagogen gern "bildungsfern" nennen. Viele Eltern haben selbst kaum die Schule besucht, keine Ausbildung, sprechen oft nur schlecht Deutsch. Sie kennen sich im hiesigen Bildungs- und Ausbildungssystem nicht aus. Manche Eltern halten gar eine Lehre für überflüssig. Ihr Sohn soll schnell Geld verdienen, die Tochter heiraten. Das alles kann das Weiterkommen der Kinder erheblich hemmen. Studien haben gezeigt: Der familiäre Hintergrund ist gerade in Deutschland ganz entscheidend für den Erfolg der Kinder. Auch deutsche Kinder aus ähnlichen Verhältnissen kämpfen mit diesen Schwierigkeiten. Können wir das aber einfach ignorieren? Und einfach sagen: "Strengt euch an, dann wird es gehen"? Was tun wir, damit diese Kinder eine Chance bekommen?
Schlechte Jobchancen: Nur jeder dritte Ausländer zwischen 18 und 21 Jahren macht eine Ausbildung.
Kinder wie Arezu, die als Flüchtlingskinder nach Deutschland kamen – ihre Familie floh aus dem Iran – leben oft jahrelang in engsten Verhältnissen. 4,5 Quadratmeter pro Person stehen ihnen zu. Jahrelang wohnte Arezu mit Eltern und kleiner Schwerster in einem Zimmer der Asylbewerber-Unterkunft. Immer mit der Angst im Nacken Deutschland verlassen zu müssen. Dass sie dabei trotzdem Deutsch lernte und nächstes Jahr von der Realschule auf das Technische Gymnasium wechselt, ist eine enorme Leistung, die sie sich vor allem selbst verdankt und ihrem eisernen Willen, etwas zu erreichen. Was ist aber mit den anderen Asylkindern, die ohne Kindergarten und ohne geregelten Tagesablauf aufwachsen, mit ungewisser Zukunft, was der nächste Tag bringt?
Stanislav beginnt nächstes Jahr eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich. Er gehört zu den wenigen Glücklichen, die nach dem Hauptschulabschluss im Berufsvorbereitungsjahr eine Stelle fanden. Als Hauptschüler sind sie für die meisten Arbeitgeber nur dritte Wahl – nach den Abiturienten und den Realschülern. Sofern es überhaupt Ausbildungsplätze gibt. Denn wer denkt daran, dass in den vergangenen Jahren durch die schwache Konjunktur auch massiv Lehrstellen abgebaut wurden und davon gerade jene getroffen sind, die weniger gute Schulabschlüsse vorweisen können?
Junge Migranten werden vorzugsweise mit dem Wort "Problem" in Verbindung gebracht. Dass sie auch Fähigkeiten mitbringen, von denen wir alle profitieren können, wird gerne vergessen. Da sind zum Beispiel ihre Sprachkenntnisse: Arezu spricht, neben deutsch, auch farsi, englisch, etwas arabisch und lernt jetzt auch französisch. Da ist zum anderen ihre interkulturelle Kompetenz, die Kenntnisse anderer Kulturen, die Fähigkeit, sich mit Menschen anderer Herkunft auseinander zu setzen. Warum wird das so wenig als Potential gesehen, das es in einer globalisierten Welt zu nutzen gilt?
Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund sind fester Bestandteil unserer Gesellschaft, gerade auch unserer alternden Gesellschaft. Sie gehören zu unserer Zukunft. Aber welche Zukunft geben wir ihnen?
Ein Kommentar von Anna Koktsidou.






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