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Diese Frage stellt sich immer dann, wenn der Fall eines misshandelten Kindes Schlagzeilen macht. Martina Huxoll vom Deutschen Kinderschutzbund, Landesverband NRW, erklärt, wie aus Eltern Täter werden.
Tatort Kinderzimmer: Misshandlungen in der Familie
ARD.de: Wie tun Erwachsene Kindern Gewalt an?
Martina Huxoll: Wir unterscheiden verschiedene Formen von Gewalt gegen Kinder: seelische und körperliche Misshandlung, Missbrauch und Vernachlässigung. Für die Kinder ist alles schlimm, die Ursachen sind aber sehr unterschiedlich. Gemeinsam ist den Formen, dass die Täter fast immer aus dem familiären Umfeld kommen – Fremdtäter sind die Ausnahme.
Aber warum schlagen oder vernachlässigen Eltern?
Überforderung ist der alltäglichste Grund für Misshandlungen von Kindern. Das geht durch alle Schichten – besondere Krisen erhöhen allerdings das Risiko. Finanzielle Nöte, Arbeitslosigkeit, zerrüttete Partnerschaft: Das sind Situationen, in denen Eltern oft alles über den Kopf wächst – auch die Kindererziehung. Oft schämen sich die Eltern für die Misshandlungen sogar. Auch Eltern, die großen Wert auf gehorsame Kinder legen und gerne die Kontrolle haben, laufen Gefahr zu misshandeln. Missbrauch hat andere Gründe: Die Täter erfahren sexuelle Befriedigung daraus, Kinder zu dominieren.
Manche gewalttätigen Eltern haben selbst als Kind Ähnliches erlebt. Wie beeinflusst sie das?
Ihnen fehlt oft einfach ein anderes Repertoire an Erziehungsmethoden und ein Muster für eine normale Eltern-Kind-Beziehung. Aber wir kennen auch Opfer, die sich positive Rollenvorbilder außerhalb der eigenen Familie gesucht haben und später durchaus gute Eltern sind.
Der Leidensweg von Kevin oder Jessica zog sich lange hin. Ein typisches Muster?
Meist fängt Misshandlung und auch Vernachlässigung im Kleinen an und schaukelt sich hoch. Eltern, die viel strafen, bestrafen mit der Zeit oft immer härter. Sie sehen das positive Verhalten ihrer Kinder gar nicht mehr, sondern vermuten in allem Feindseligkeit. Es gibt Studien, die zeigen, dass diese Eltern schon Aggressionen empfinden, wenn das Kind im gleichen Raum ist, zum Beispiel steigt ihre Pulsfrequenz. Die Kinder haben dann eigentlich keine Chance mehr, den Erwartungen der Eltern gerecht zu werden.
Wieso gucken manche Mütter weg, wenn ihr Partner das Kind misshandelt oder missbraucht?
Diese Frauen fühlen sich meist sehr abhängig von den Männern und sind oft selbst Opfer deren Gewalt. Sie wollen dem Kind den Vater nicht nehmen und dulden deshalb die Taten. Auch Kinder sind dann in diesem Loyalitätskonflikt: Vom Vater misshandelt, möchten sie zwar, dass dessen Verhalten aufhört. Den Vater aber möchten sie behalten.
Das Interview führte Katrin Heine.






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