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Eine Ausbildung, die ersten Berufsjahre, das Leben genießen - und dann das erste Kind: So sieht die Lebensplanung vieler junger Paare aus. Doch was ist, wenn die Natur einen Strich durch die Rechnung macht und das Wunschkind auf sich warten lässt?
Diagnose "Unfruchtbarkeit": Rund zwei Millionen Paare in Deutschland teilen dieses Schicksal. Die Möglichkeit, auf natürlichem Wege ein Kind zu zeugen, bleibt ihnen verwehrt. "Gute Hoffnung" trotz fehlender Voraussetzungen bei den Wunscheltern verspricht die moderne Reproduktionsmedizin. Mit verschiedensten Methoden können Ärzte heute gemeinsam mit den Paaren den Versuch starten, den Ursachen der Kinderlosigkeit entgegenzuwirken – und das sowohl beim Mann als auch bei der Frau.
Als unfruchtbar gilt ein Paar, wenn es über einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren nicht verhütet und trotzdem keine Schwangerschaft eintritt. Paare mit Kinderwunsch sollten sich dann zunächst von einem Arzt ihres Vertrauens beraten lassen. Ganz gleich, ob Allgemeinmediziner oder Facharzt – wichtig ist, dass das Paar sich gemeinsam auf die Suche nach den Ursachen der ungewollten Kinderlosigkeit begibt. Es gibt viele Gründe, die dazu führen, dass die ersehnte Schwangerschaft nicht eintritt. Deshalb ist eine gründliche Diagnose so wichtig.
Bei Frauen gilt es zunächst herauszufinden, ob eine Störung der Fortpflanzungsorgane oder ob hormonelle Ursachen die Fruchtbarkeit behindern. Zu den häufigsten Ursachen zählen Probleme bei der Reifung der Eizellen, undurchgängige Eileiter oder Störungen der Gebärmutterfunktion. Der Hauptgrund erfolgloser Zeugungsversuche beim Mann ist eine gestörte Spermienbildung. Zu geringe Anzahl, mangelnde Beweglichkeit und Formveränderungen schränken die Funktion der Spermien ein. Seltener werden sie durch verschlossene Samenleiter aufgrund einer Entzündung behindert.
Ein Faktor, der bei der ungewollten Kinderlosigkeit eine wesentliche Rolle spielt, ist Stress. So kann seelische Belastung bei Frauen beispielsweise zu Hormonstörungen führen. Bei Männern kann körperlicher und seelischer Stress auf die Erektionsfähigkeit, die Samenbildung und die Beweglichkeit der Spermien negativen Einfluss nehmen.
Außerdem spielt das Alter eine erhebliche Rolle: Bei Frauen nimmt die Fruchtbarkeit bereits ab dem 25. Lebensjahr langsam und nach dem 35. Lebensjahr deutlich schneller ab. Und auch wenn Männer bis ins hohe Alter Kinder zeugen können – Qualität und Quantität der Spermien verringern sich ab der Lebensmitte deutlich.
IVF - Künstliche Befruchtung im Reagenzglas
Hormonbehandlung
Für eine Hormonbehandlung muss die Frau eine Menge Geduld mitbringen. Oft kann es vier bis sechs Behandlungszyklen dauern, bis die gewünschte Schwangerschaft eintritt. Aber die Erfolgsrate ist relativ hoch: im Mittel werden immerhin etwa vierzig Prozent der mit Hormonen behandelten Frauen schwanger. Nachteile der Hormonbehandlung sind die starken Nebenwirkungen. Es kann zu Kreislaufproblemen, Gewichtszunahme und psychischer Instabilität kommen. Außerdem besteht die Gefahr einer Mehrlingsgeburt. Eine Hormonbehandlung ist auch immer Teil einer In-Vitro-Fertilisation oder einer ICSI-Behandlung.
IUI – Intrauterine Insemination
Bei der Intrauterinen Insemination wird der Samen zum Zeitpunkt des Eisprungs direkt in die Gebärmutter eingespritzt. Die Erfolgsquote dieser einfachen und schmerzfreien Behandlung ist doppelt so hoch wie beim normalen Geschlechtsverkehr. Vor allem bei einem schlechten Spermiogramm oder Verträglichkeitsstörungen der Frau ist diese Behandlungsmethode angezeigt.
IVF – Die In-Vitro-Fertilisation
Die "Befruchtung im Reagenzglas" wird bei mehrfach erfolgloser IUI, bei Eileiterschäden, Eizellreifungsstörungen, Endometriose oder mangelhaftem Spermiogramm sowie bei ungeklärter Ursache für die Kinderlosigkeit angewandt. Das Verfahren ist kompliziert: Zuerst muss sich die Frau einer Hormonbehandlung unterziehen, die Produktion von Eizellen soll damit stimuliert werden. Sind genügend reife Eibläschen vorhanden, werden diese unter Narkose mittels einer Kanüle abgesaugt. Je jünger die Frauen sind, desto mehr Eizellen können gewonnen werden. Die eigentliche Befruchtung erfolgt dann im Labor. Dort werden die Eizellen mit den Samenzellen vermischt und bei eingetretener Befruchtung nach zwei bis drei Tagen in die Gebärmutter übertragen.
ICSI – Die Intra-Cytoplastische Spermieninjektion
Die künstliche Befruchtung nach dem ICSI-Verfahren wird auch Mikroinjektion genannt. Dabei wird mit einer ultrafeinen Nadel ein einzelnes Spermium direkt in die reife Eizelle eingespritzt. Diese Methode wird oft nach zwei fehlgeschlagenen IVF-Behandlungen angewandt oder wenn beim Mann Unfruchtbarkeit oder eine schwere Zeugungseinschränkung wegen schlechter Spermienqualität vorliegt. Hier genügt schon eine einzige intakte Samenzelle, die aus dem Ejakulat oder direkt aus dem Hodengeweben gewonnen wird, um eine Befruchtung zu ermöglichen. Das ICSI-Verfahren ist nicht unumstritten, da es möglicherweise eher zu Fehlbildungen des Kindes führen soll.
Kältekonservierung/Tiefgefrierung im Vorkernstadium
Sind durch IVF oder ICSI mehr befruchteten Eizellen vorhanden, als der Frau eingesetzt werden – das sind maximal drei pro Versuch – können diese Eizellen bei minus 196 Grad Celsius in flüssigem Stickstoff eingefroren werden. Bei dieser Temperatur kommen alle biologischen Vorgänge zum Stillstand, die befruchteten Eizellen oder Spermien können aber so über Jahre aufbewahrt werden. Nach dem Wiederauftauen können sie in den natürlichen oder leicht stimulierten Zyklus eingesetzt werden. Damit erspart sich die Frau bei einem weiteren Versuch die nochmalige, vollständige Hormonstimulation und das Absaugen von Eizellen. Allerdings ist die Erfolgsrate bei dem Transfer etwas niedriger. Die Kosten für die Kältekonservierung müssen die Paare selbst tragen.
Mikrochirurgische und Testikuläre Spermieninjektion (MESE/TESE)
Beide Verfahren werden angewandt, wenn sich beispielsweise wegen eines Samenleiterverschlusses im männlichen Ejakulat keine Samenzellen befinden. In solchen Fällen ist es unter Umständen möglich, doch noch Samenzellen aus dem jeweiligen Gewebe der Hoden oder der Nebenhoden zu gewinnen. Diese so genannte Hodenbiopsie ist ein chirurgischer Eingriff, der von einem Urologen vorgenommen wird. In der Regel ist nur ein einziger Eingriff nötig, da das Gewebe tiefgefroren und für mehrere Behandlungen verwendet werden kann. Wenn Samenzellen gewonnen werden konnten, muss eine Befruchtung immer mit dem ICSI-Verfahren erfolgen.
Die Weltgesundheitsorganisation hat den unerfüllten Kinderwunsch als Krankheit definiert. Also ist eine Sterilitätsbehandlung eine Heilbehandlung, die von den Krankenkassen übernommen werden muss. Im Rahmen der Gesundheitsreform 2004 wurden folgende Regelungen festgelegt: Die Kosten für die Kinderwunschbehandlung werden zu 50 Prozent von den Kassen getragen. Für IVF- oder ICSI- Verfahren werden drei Versuche bewilligt. Das Mindestalter der Frau beträgt 25 Jahre. Die Altershöchstgrenze beträgt bei Frauen 40, bei Männern 50 Jahre. Außerdem muss das Paar verheiratet sein. Private Krankenkassen haben allerdings oft andere Regelungen als die gesetzlichen. Paare, die sich zu einer Kinderwunschbehandlung entschließen, sollten sich genauesten bei den behandelten Ärzten und den Krankenkassen über die Kosten der Behandlung informieren.
Inzwischen wurden in Deutschland mit Hilfe der Reproduktionsmedizin über 100.000 Babys geboren. Was möglich ist und was nicht, dafür gibt es ganz klare Richtlinien. Nicht nur der medizinische Fortschritt, auch der Gesetzgeber setzt Grenzen. Grundlage aller Verfahren ist das Embryonenschutzgesetz von 1991. Es ist das strengste Gesetzwerk dieser Art in der Europäischen Union. Das deutsche Embryonenschutzgesetz verlangt, dass eine Eizelle nur mit dem Ziel einer Schwangerschaft befruchtet werden darf. Die Forschung an Embryonen oder das Konservieren von Embryonen ist verboten. Die Samenspende ist seit 1986 in Deutschland eine legale Behandlungsmethode der künstlichen Befruchtung. Dagegen sind das Spenden von Eizellen und die Leihmutterschaft in Deutschland verboten. Ebenfalls verboten: die Präimplantationsdiagnostik (PID). Dabei wird der Embryo bereits im Labor, also vor dem Einsetzen in den Mutterleib, genetisch untersucht.
Autorin: Daniela Allner
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