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Machen Kinder glücklich? Nein, sagen Glücksforscher. Doch, antworten Eltern. Und Deutschland ist gespalten. Nur jeder Zweite will sein Lebensglück von eigenen Kindern abhängig machen.
Glückliche Familie: Die Kirschs
Petra und Martin Kirsch, verheiratet, zwei Kinder. Hannah ist sechs Jahre alt, der kleine Jonathan ist drei. Sicher, der Alltag mit den beiden sei kein reines Vergnügen, erzählt Petra Kirsch. Sie toben, streiten, weinen. "Aber dann sehe ich sie abends im Bett friedlich schlafen und spüre wie das Glück durch den Körper rieselt." Auf diese Momente komme es an. Von Dauer sei das Glück nie, ob mit oder ohne Kinder.
Eine ganz andere Meinung hat dazu der Leiter des Münchner Instituts für Glücksforschung Bernd Hornung. "Keiner traut sich zuzugeben, dass ihn die eigenen Kinder nicht glücklich machen. Fragt man die Leute aber spontan, was sie gestern glücklich gemacht hat, sind es nicht die Kinder. Sondern Sex, Freundschaften und Relaxen."
Elterliche Hochgefühle verfliegen schon in den ersten beiden Jahren, so Hornung. Danach knickt die Glückskurve nach unten. Mit Töchtern etwas sanfter als mit Söhnen, aber die Pubertät holt alle Eltern auf den Boden. Dinks, Doppelverdiener ohne Kinder, ersparen sich die Talsohle und sind insgesamt zufriedener, da ist sich Hornung sicher.
Auch die Kirschs hatten mal ein Leben ohne Kinder. Freier seien sie gewesen, aber zufriedener? Statt mit der Frau in schicke Restaurants zu gehen, isst Martin Kirsch heute mit seiner Familie beim kinderfreundlichen Italiener ein paar Straßen weiter. Statt mit Freunden übers Wochenende zu verreisen, geht er mit den Kindern sonntags zum Schwimmkurs. "Aber es ist toll zu sehen, wie Hannah taucht, Jonathan planscht und wie die beiden Fortschritte machen," sagt er und hat dabei ein bezwingend ehrliches Lächeln. Glück sei eben auch eine Frage der Einstellung.
Soziologe Robert Hettlage: "Kinderkriegen bedeutet Stress"
"Kinderkriegen bedeutet viel Organisation und viel Stress. Da springt das Glück nicht aus dem Kasten, das zu erwarten wäre auch naiv," sagt der Soziologe Robert Hettlage von der Universität Regensburg. Letztlich werde es aber keiner bedauern, Kinder zu haben. Im Gegenteil, die Bedeutung des Kinderglücks wachse mit dem Alter. "Im Gespräch mit Senioren bestätigt sich das. Die sagen dann alle, wie schön es war, die eigenen Kinder und Enkel aufwachsen zu sehen." Dagegen zeigten verschiedene psychoanalytische Studien, dass gerade kinderlose Karrierefrauen unter ihrer Entscheidung leiden. Hettlage betont, dass dies Tendenzen und keine verallgemeinerbaren Urteile seien.
Petra Kirsch wollte das Restrisiko nicht eingehen. Vor der Geburt ihrer Tochter Hannah stand sie zwar zwölf Jahre voll im Berufsleben, hat ihren Kinderwunsch aber nie in Frage gestellt. Eine Portion Blauäugigkeit tut immer gut, wenn man sich für Kinder entscheidet, ist sie überzeugt. "Wer zu lange nachdenkt und abwägt, sieht am Ende nur noch Nachteile."
Natürlich war die Umstellung auf Mutter kein Kinderspiel. "Plötzlich war ich auf einem anderen Planeten, dem Baby-Planet," erinnert sie sich. Ihr fehlte die berufliche Anerkennung. Wer in unserer Gesellschaft nicht arbeitet, der gelte auch nichts. Heute hat sie dank Kindergarten mehr Zeit, sich wieder eigene Inseln zu bauen und engagiert sich ehrenamtlich in der Gemeinde. Wenn sie Hannah und Jonathan dann aus dem Kindergarten abholt und zwanzig Kinder ihr ein Gedicht entgegenbrüllen, dann kommen ihr die Tränen – vor Rührung und nicht aus Verzweiflung.
Autorin: Birgit Behringer






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