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Etikett vom BR Foto: BR

Offener Brief an den Arbeitmarkt

Frust mit den Firmen

Auch im Jahr 2007 ist es für allein erziehende Mütter in der Praxis kaum möglich, Baby und Beruf miteinander zu verbinden. Ein offener Brief an den Arbeitsmarkt zeigt, warum unter den hoch qualifizierten Frauen die Frustration groß ist.

Lieber Arbeitsmarkt,

als allein erziehende Mutter in München mit Uni-Abschluss, fünf Jahren Berufserfahrung und einer kleinen Tochter möchte ich gerne wieder arbeiten. Denn: Auf eigenen Beinen zu stehen, das ist mir wichtig. Ich möchte mein Geld selbst verdienen, Steuern und Versicherungen bezahlen, und - wie es die Politiker ausdrücken - durch meine Erwerbsbeteiligung in die sozialen Sicherungssysteme einzahlen.

Doch Hilfe, wie kann das sein? Im Jahr 2007 finde ich trotz intensiver Suche keine Job, bei dem ich Kind und Karriere unter einen Hut bekommen kann. Und das, lieber Arbeitsmarkt, obwohl sogar eine Studie des Familienministeriums belegt, dass familienfreundliche Firmen nicht nur Geld für Kinder und Zukunft ausgeben, sondern bei einem familienfreundlichen Angebot mittelfristig sogar erheblich Kosten einsparen.

Kind und Karriere Foto: Picture-Alliance/dpa

Was mich wundert: In der Presse habe ich von leuchtenden Vorbildern gelesen, von Betriebskindergärten, Telearbeit und autonomen Arbeitszeitmodellen. Von Betrieben, wie einem Münchener Ketten-Hersteller, bei dem es bereits seit fast 35 Jahren einen Betriebskindergarten auf dem Firmengelände gibt. Oder von einem Pharma-Betrieb, bei dem man als Mutter nicht nur seine Arbeitszeiten selbst wählt, sondern alternativ auch seinen Beruf online von zu Hause ausüben kann. Vielleicht liegt es ja daran, dass ich nicht nur in München, sondern auch in Bayern lebe und in Bayern die Voraussetzungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besonders schlecht sind. Oder warum bekommen sonst im Freistaat nur durchschnittlich 4 von 100 Kindern einen Krippenplatz?

Nicht nur im Gedankenexperiment ist es doch so einfach: Um als Beschäftigte von der passiven Unterhaltsempfängerin wieder zur aktiven Beitragszahlerin unseres Sozialstaates zu werden, ist das Einzige, was ich brauche, eine innerbetriebliche Betreuungsmöglichkeit für meine kleine Tochter. Denn vor allem betreute Kleinkinder müssen in der Praxis möglichst nahe bei einem Elternteil sein, dann funktioniert es. Und was spricht denn dagegen, kurz nach meiner Kleinen zu sehen, während die Kollegen sich einen Kaffee holen oder mal eben eine Zigarette rauchen gehen?

Lieber Arbeitsmarkt, wenn du vielleicht nichts mit dem Begriff "familienfreundlich" anfangen kannst, lassen wir doch einfach Zahlen sprechen. Aus den Daten von zehn mittelgroßen Betrieben, die für ihre familienorientierte Personalpolitik bekannt sind, haben Forscher für ein Modell-Unternehmen mit 1.500 Beschäftigten und einer Frauenquote von knapp 45 Prozent Folgendes errechnet: Bei der Gegenüberstellung von Kosten und Nutzen müssten 300.000 Euro in familienfreundliche Maßnahmen wie Betreuungs, Telearbeits- und Teilzeitangebote investiert werden. Die Ersparnis durch diese Maßnahmen läge allerdings durch wegfallenden Kosten für Wiederbesetzung, Vertretung und geringere Fehlzeiten bei 375.000 Euro.  Das bedeutet einen Gewinn von 75.000 Euro - immerhin 25 Prozent des investierten Kapitals!

Hoffentlich bis bald

Deine wartende Mutter

Autor: Frizz Lauterbach

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br | Stand: 04.04.2007
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