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Etikett von boerse.ARD.de Foto: boerde.ARD.de

Kinder und Wirtschaft

Kinder machen uns reicher

Kinder bringen Geld. Wie bitte? - wundern sich junge Familien. Kinder kosten doch Geld. Enorm viel Geld. Sie machen vielleicht unseren Alltag reicher, aber unser Portemonnaie dünner. Falsch! Alles nur eine Frage der Perspektive.

Wickeltisch, Spielzeug, musikalische Förderung, Urlaub in der Hauptreisezeit - das kostet. Eine Familie mit zwei Kindern hat in Deutschland rund 60 Prozent weniger Geld zur freien Verfügung als ein Paar ohne Kinder. Aber volkswirtschaftlich gesehen sind Kinder ein wahrer Geldsegen. Sie bringen nämlich die Wirtschaft auf Trab.

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) stellte fest, dass eine hohe Geburtenrate automatisch das Wirtschaftswachstum ankurbelt. Eine niedrige bremst umgekehrt die Konjunktur. Schlechte Karten also für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Frankreichs Wirtschaft überholt

Schließlich sterben wir langsam aus. Gerade einmal 1,4 Kinder pro Frau werden in Deutschland durchschnittlich geboren; "bestandserhaltend" wären 2,1. Nachbarland Frankreich erreicht dagegen die nötige Rate. Bleibt es bei diesem Trend, könnten die Franzosen schon 2035 Deutschland als größte Wirtschaftsmacht auf dem Kontinent ablösen, errechnete das IW.

"Die französische Wirtschaft wird zwischen 2025 und 2035 mindestens doppelt so schnell wachsen wie die deutsche", sagte IW-Experte Axel Plünnecke. Zu erwarten sei ein Mangel an Arbeitskräften in Deutschland, und das werde zur Wachstumsbremse.

Kinder - das Humanvermögen

Noch eine andere Rechnung, die die Bedeutung des Kinderreichtums belegt: Jedes Kind bringt unserer Gesellschaft mehr ein als es sie kostet. Dieses "mehr" sind zwischen 76.900 und 145.000 Euro, errechnete das Münchener Ifo-Institut. Gibt der Staat also Geld für Familien aus, dann sind das Investitionen, die sich langfristig auszahlen.

Doch trotz dieser offenkundigen Vorteile hält sich Deutschland mit solchen Investitionen zurück. Eine Unicef-Kinderstudie zeigt, dass hierzulande gerade mal zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Kinder berappt werden. In Frankreich ist es ein Prozentpunkt mehr. Wenn nichts geschieht, wird der Bevölkerungsschwund der Wirtschaft das Wasser abgraben.

Ursula von der Leyen, Bundesfamilienministerin, am 24.02.2007 in Hannover beim Tag der offenen Tür im niedersächsischen Landtag. Foto: Picture-Alliance/dpa

Fordert mehr Kitas: Familienministerin Ursula von der Leyen

Sicher unsicher - die Rente

Ein klares Argument für eine familienfreundliche Ausgabepolitik: Mehr Kindergartenplätze, Krippenplätze, Ganztagesschulen, Steuervorteile für Eltern. Kurz: Familienförderung als Subvention der Wirtschaft, um der Abwärtsspirale zu entkommen. Im Moment tut sich die Regierung damit schwer.

Der Anfang ist immerhin gemacht: Elterngeld von bis zu 1.800 Euro monatlich als Lohnersatzleistung. In einem Jahr zeigt sich, ob das einen Babyboom entfacht hat. Vielleicht wäre am Ende gar die Rente wieder sicher?

Danach sieht es derzeit noch nicht aus. Immer weniger Junge müssen die Rente für immer mehr Alte bezahlen. Heute stehen einem Rentner vier Erwerbstätige gegenüber. In 30 Jahren kommen auf einen 65-Jährigen nur noch zwei Beitragszahler. Die Angst vor Altersarmut ist inzwischen weit verbreitet ist. Jeder sechste Bundesbürger sorgt sich, im Alter zu verarmen.

Die Lösung auf der individuellen Ebene liegt auf der Hand – private Vorsorge ist das Gebot der Stunde. Doch wenn nur jeder sein Schäfchen ins Trockene bringt, schrumpft die Herde trotzdem. Neue Lämmer braucht das Land!

Autorin: Bettina Seidl

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boerse.ARD.de | Stand: 04.04.2007
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