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Was im Unterricht gepaukt wird, hat oft wenig mit der Praxis zu tun. "Das brauch ich doch nie wieder!", stöhnt so mancher Schüler. Genau umgekehrt ist es mit der ökonomischen Allgemeinbildung: "Warum lerne ich das nicht?"
Ökonomie als Fach: Schüler der Young Business School Heidelberg
Geld regiert die Welt, erfahren die Heranwachsenden immer früher und intensiver: Das Werbeflimmern und -rauschen der TV- und Radiosender will schon die Kleinsten zum Konsum verführen. Das Girokonto fürs Taschengeld ist beinahe Standard. Mancher hat sogar schon Aktien, und vom ersten Auszubildendengehalt, so suggeriert die Versicherungsindustrie, sollte schon mal ein Teil in die eigene Privatrente fließen.
"Der junge Mensch muss lernen: Welche Konsequenzen hat es für mich, wenn ich Konsument bin oder Aktienbesitzer", erläutert der Oldenburger Bildungsprofessor Hans Kaminski. Oder auch Handybesitzer. Beinahe jeder Schüler läuft mit einem Mobiltelefon herum. Hier zeigen sich Gefahren eines unbedachten Umgangs besonders deutlich: Denn immer mehr Schüler verschulden sich durch SMS und Co.
Mit einer ökonomischen Allgemeinbildung hat der Jugendliche das Rüstzeug, den Alltag zu meistern. Er lernt verantwortungsvolles Handeln. Schüler brauchen Wirtschaftswissen für ihre aktuelle Lebenssituation genauso wie für später, für Ausbildung und Beruf, für Geldanlage und Altersvorsorge.
"Wir brauchen ein eigenständiges Schulfach Ökonomie", fordert deshalb Kaminski. Dafür engagiert sich der Wirtschaftsdidaktiker seit fast 40 Jahren. Zwar haben viele Bundesländer Wirtschaftsthemen durchaus im Lehrplan verankert. Aber häufig seien ökonomische Themen nur Spiegelstriche auf dem Lehrplan anderer Fächer. Hier ein bisschen Wirtschaft im Politik-Unterricht, dort etwas im Fach Sozialwissenschaften.
Das führt oft dazu, dass bei Zeit- oder Kapazitätsmangel gerade ökonomische Themen schnell gestrichen werden. Problematisch ist auch, dass Wirtschaft bei solchen Misch-Fächern meist von fachfremden Lehrern unterrichtet wird.
"Wirtschaft an deutschen Schulen kommt immer noch zu kurz", mahnt Bildungsprofessor Kaminski. Es wundert daher wenig, dass es so viele finanzielle Analphabeten gibt. Zahlreiche Studien zeigen, dass Schüler und junge Erwachsene erhebliche Wissenslücken bei Finanz- und Wirtschaftsthemen haben. Eine Umfrage des Bundesverbandes deutscher Banken ergab: Nur jeder Dritte weiß das Prinzip von "Angebot und Nachfrage" annähernd richtig zu umschreiben. Nur vier von zehn Jugendlichen konnten erklären, was die Inflationsrate ist.
"Nur wer als junger Mensch einen soliden Grundstock an ökonomischer Bildung erwirbt, kann als Erwachsener, als mündiger Verbraucher, darauf aufbauen", mahnt daher auch Manfred Weber, Vorstand des Bankenverbandes. Schließlich gelte auch in puncto Finanzkompetenz: "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr."
Für viele Schüler unerlässlich: Computer-Kenntnisse
Andernorts ist man weiter. In den USA ist "Economics" als Schulfach eine Selbstverständlichkeit. In England bietet inzwischen jede zweite Schule strukturierten Wirtschaftsunterricht an.
Es gibt aber auch viel versprechende Entwicklungen in Deutschland: "Bayern ist sehr fortschrittlich. Es gibt dort seit Jahrzehnten ein Fach 'Wirtschaft und Recht' an den Gymnasien", lobt Kaminski. In Niedersachsen ist an Haupt- und Realschulen das Fach Wirtschaft Pflicht. Es gibt dort sogar einen eigenen Studiengang: "Wir haben derzeit 560 Studenten, die später ökonomische Bildung vermitteln wollen", so der Oldenburger Professor.
Weil der öffentlichen Hand das Geld fehlt für mehr ökonomische Bildung, greift die Privatwirtschaft ein. Es gibt zahlreiche Projekte und Initiativen zum Beispiel vom Institut der deutschen Wirtschaft oder der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung. Die Fondsindustrie fördert über ihren Branchenverband BVI Schulprojekte. Am bekanntesten ist wohl das "Planspiel Börse" der Sparkassen.
Man muss zwar berücksichtigen, dass einzelne private Unternehmen diese Projekte nicht ganz uneigennützig finanzieren. "Aber ohne Public Private Partnerships sähe es sehr viel schlechter aus", lobt Kaminski das Engagement der privaten Initiativen. "Größtenteils machen wir gute Erfahrungen - direkte Einflussnahme kommt sehr selten vor."
Das Interesse für wirtschaftliche Themen ist bei Schülern durchaus da. Viele wollen ein Schulfach Ökonomie. Gut 80 Prozent der befragten Jugendlichen befürworteten mehr "Wirtschaft in der Schule", ergab die Banken-Studie.
Es scheint, als merken die Heranwachsenden im Bereich der Wirtschaft am besten: Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir. Oder wie es der ehemalige Chrysler-Chef Lee Iacocca sagte: "Die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes beginnt nicht in der Fabrikhalle oder im Forschungslabor. Sie beginnt im Klassenzimmer."
Autorin: Bettina Seidl






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