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Das Land ist einsam und platt, es riecht nach Acker, und irgendwo blökt eine Kuh. So stellen sich viele Großstädter das Landleben vor. Aber das Leben der 10-jährigen Anne aus dem kleinen Ort Wollin ist alles andere als karg und langweilig.
Anne: "Ich liebe es, dass es hier so schön grün ist"
Zugegeben, ein Kino oder gar ein großes Einkaufszentrum gibt es in dem brandenburgischen Dorf Wollin nicht gleich um die Ecke. Zum Shoppen oder Schwimmen muss man in die nächste größere Stadt fahren. Aber sonst gibt es eigentlich alles, was man braucht. "Wir sind einer der wenigen Orte, wo es noch fast alles gibt: Kita, Bank, Friseur, Bäcker, Arzt und Zahnarzt", sagt das Mädchen. "In anderen Dörfern gibt’s das ja meist alles gar nicht mehr".
Und auch die Schule ist in ihrem Dorf – und heißt passenderweise "Kleine Grundschule". Früher, vor der Wende, lernten dort rund 300 Schüler, heute sind es etwa 75. Und Annes Klasse besteht aus nur vier Kindern. Da wird das Lernen fast schon zum individuellen Privatunterricht. Aber sicher ist nicht nur das der Grund dafür, dass Anne nur Einsen auf ihrem Zeugnis hat. Sie ist clever und drückt sich für ihr Alter erstaunlich gewählt aus.
Anne ist eine Leseratte – und Lesen ist eines ihrer liebsten Hobbys. Das Bücherregal ist prall gefüllt und biegt sich langsam durch unter der Last. Aber Anne kocht auch schon gern – mit Papa. Dienstags und donnerstags fährt sie außerdem zum Tanzen nach Brandenburg/Havel. Das sind jedes Mal über 20 Kilometer hin und wieder zurück. Klar, dass das organisiert werden muss. Oma und Opa wohnen dort und kommen jedes Mal extra mit dem Auto, um ihre Enkelin abzuholen. Das klappt reibungslos – Planung ist alles, sagt Annes Mutter Jana.
Aber die längeren Fahrten zum Tanzen oder Einkaufen sind noch lange kein Grund für Anne, lieber in der Stadt wohnen zu wollen. Im Gegenteil: Sie möchte auf keinen Fall tauschen und später auch mit ihrer eigenen Familie auf dem Land leben, am liebsten in ihrem Heimatdorf. "Ich liebe es, dass es hier so schön grün ist. Das hätte ich in der Stadt ja nicht", sagt das Mädchen mit den großen braunen Augen.
Natur gibt es hier in der Tat genügend. Wenn Anne aus dem Wohnzimmerfenster über die große Terrasse schaut, sieht sie Wiesen, Obstbäume und den Waldrand. "Manchmal kommen die Rehe bis an den Gartenzaun", erzählt ihre Mutter. "Als wir noch keinen Zaun hatten, fraßen sie immer die Erdbeerblätter ab. Die mögen sie."
Seit sieben Jahren wohnt die Familie hier im eigenen, selbstgebauten Traumhaus: sechs Zimmer auf rund 110 Quadratmetern, Fußbodenheizung, hochmoderne Küche, Weinregal, warme Terracotta-Töne – das ist Annes Zuhause. Dazu tausend Quadratmeter Grundstück drumherum. Keine Frage: Hier kann man prima aufwachsen.
Im Untergeschoss führt Mutter Jana ihren eigenen Kosmetiksalon, ist also tagsüber immer im Haus. Mittagessen gibt es für Anne jeden Tag zu Hause – "da schmeckt's sowieso besser", sagt sie. Wenn sie dann nach den Hausaufgaben etwas unternehmen will, trifft sie sich mit ihren Freundinnen. Ihr Lieblingsplatz ist an einem Feldrand. "Da ist die Aussicht so schön". Sonst gibt es kaum etwas zu unternehmen im Ort. "Der Park ist nicht so toll", sagt Anne, "da ist die Schaukel kaputt. Aber es gibt eine Tischtennisplatte, und manchmal gehen wir skaten".
Anne vermisst nichts und ist glücklich in ihrem kleinen Brandenburger Ort. Sie liebt ihren Freiraum und die Natur. Vom Großstadttrubel hält sie nicht so viel, zum Wohnen schon gar nicht. "Ich glaube, ich hab's hier besser als in der Stadt", sagt sie – und schaut begeistert aus dem Wohnzimmerfenster in den grünen Garten.
Autorin: Beate Kaminski






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