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Robert wohnt mitten in Berlin. Er schwimmt und taucht gern, baut an seiner Werkbank – und ist mit elf Jahren schon gewiefter Geschäftsmann hinterm Kinderzimmer-Tresen. Seine Hobbys sind manchmal mit weiten Wegen verbunden und seine Tage geschäftig, doch Robert genießt die Großstadt.
Wohnt mitten in Berlin: Robert
Werktags ist ab sechs Uhr früh geöffnet, samstags ab sieben. Das sind nicht die Öffnungszeiten irgendeines Supermarkts, sondern die des kleinen Robert. Der Berliner ist mit seinen elf Jahren schon ein gewiefter Geschäftsmann. In seinem Kinderzimmer hat er zwischen Hochbett und Schreibtisch einen kleinen Tresen aufgebaut. Hier verkauft er Süßes und Knabberzeug an seine Familie und Freunde – und bessert sich damit das Taschengeld auf.
Seit etwa drei Jahren macht er das schon so. Dabei ist er immer darauf bedacht, dass er auch "konkurrenzfähig" bleibt. "Hier, so ein Glückskeks kostet an der Tankstelle 50 Cent, bei mir nur 20!", erklärt der Junge. Stolz zeigt er seine "Kasse" – eine Geldkassette mit Münzen aller Werte. Sogar einen Zahlteller hat er, wie im richtigen Laden.
Neben dem "Geschäfte machen" hat Robert noch viele andere Hobbys: tauchen, schwimmen, mit Bausteinen spielen, an seiner Werkbank etwas bauen – oder auch mal auseinander nehmen. Gerade versucht er sich am Herstellen von Schmuck: einen schönen Stein bearbeiten und lackieren. "Im Laden ist sowas ja teuer, ich könnte das billiger herstellen", ist er schon wieder ganz Geschäftsmann.
Möglicherweise wird er das ja auch mal zum Beruf machen. Am liebsten würde er aber Lehrer oder Polizist werden. Falls ihm da sein Notendurchschnitt von 2,4 einen Strich durch die Rechnung machen sollte, wird er eben Kaufmann. Rechtsanwalt wie sein Vater will er jedenfalls lieber nicht werden. "Da hat man viel zu spät Feierabend. Papa ist ja immer so lange weg", erklärt er.
Robert wohnt mitten im Herzen Berlins. Am südlichsten Zipfel des Bezirks Prenzlauer Berg lebt er mit seiner Familie in einer riesigen Altbauwohnung. Weit über hundert Quadratmeter, stuckverzierte Decken. Von hier aus kann man den Fernsehturm sehen. Zentraler geht's kaum – aber das fordert auch seinen Tribut: Sechs Spuren Innenstadtverkehr rauschen vor den Fenstern vorbei, dazu die Straßenbahn, und eine Baustelle gibt's auch. An Schlafen mit offenem Fenster ist hier nicht zu denken.
Roberts Tag ist geschäftig: Täglich geht's in die Schule nach Karlshorst. Von seiner Wohnung in der City braucht er rund 45 Minuten bis dort hin: S-Bahn, umsteigen, Straßenbahn, laufen. Kein kurzer Schulweg. Robert besucht eine Privatschule, die vor allem auf Kreativität und Förderung zielt. Mittwochs hat er Arabisch, einmal pro Woche bekommt er zu Hause Flöten- und Keyboard-Unterricht. Sein Französisch-Zusatzkurs ist am Nollendorfplatz – wieder viel Fahrerei. Und auch seine Freunde wohnen quer übers Stadtgebiet verteilt.
So zentral Robert also auch in der Großstadt wohnt, so viel müssen er und seine Familie trotzdem umherfahren. Supermarkt und Kino gibt's zwar an jeder Ecke, aber Individualität und Hobbys haben auch hier ihren Preis – und kosten Zeit. Meist ist Robert am späten Nachmittag nicht vor seiner Mutter zu Hause, das ist so gegen 17 Uhr.
Trotzdem fühlt er sich wohl in der lauten Großstadt. "Mal auf dem Land wohnen, das wäre schon ok, aber die Stadt bietet einfach mehr", sagt er. Und wenn die Familie doch mal wieder genug vom Großstadtlärm hat, fährt sie zum Ausspannen in den Urlaub. "Ich war schon 13 Mal in Frankreich", erzählt Robert stolz. Da betreibt er dann übrigens auch sein kleines "Geschäft" und verkauft Süßigkeiten und Knabberzeug an seine Familie. Seine "Ware" nimmt er auf der Hutablage hinter dem Rücksitz mit.
Autorin: Beate Kaminski
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