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Der PISA-Schock saß und sitzt tief. Die Angst, dass Schüler, Studenten, Azubis immer dümmer werden, ist jedoch völlig unbegründet. Im Gegenteil steigt die durchschnittliche Intelligenz stetig an. Trotzdem bleibt die Leistung aus. Das hat mit Dummheit aber nichts zu tun.
"Unsere Schüler werden immer dümmer." Die Schlagzeile sitzt. Ein Leistungstest unter Volksschülern, in Auftrag gegeben vom Deutschen Industrie- und Handelstag, erbrachte das erschütternde Ergebnis.
Moment, Volksschule? Genau, Sie haben richtig gelesen. Die Schlagzeile entstammt einer Zeit, als es noch eine Volksschule gab: 1968. Die Frage nach Intelligenz oder Dummheit ist also eine alte. Und so gab es damals auch Kritik an der Studie. Die Kritiker fanden im Gegenteil sogar heraus, dass die Schüler nicht dümmer, sondern schlauer geworden waren als die Generationen vor ihnen.
Jahrzehnte später das gleiche Szenario: Laut PISA-Studie landen Schüler aus Deutschland im europäischen Vergleich nur im Mittelfeld. Auch hier saß und sitzt der Schock tief. Auch hier gibt es Kritiker, die PISA relativieren.
Wie ist das nun also? Werden unsere Schüler immer dümmer oder nicht? "Definitiv nicht", sagt Elsbeth Stern, Psychologie-Professorin und Leiterin der Lehrerausbildung an der renommierten Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich. "Im Gegenteil, die Intelligenztestleistung ist über die Jahre angestiegen."
Aber die Schulleistungen sind doch laut PISA schlecht. Wie passt das zusammen? "Wenn Sie das auf PISA beziehen, gibt es eine Erkenntnis: Andere Länder haben eher als Deutschland erkannt, dass sie ihre Bildungssysteme und den Unterricht reformieren müssen. Sie haben große Anstrengungen unternommen, um die vorhandene Intelligenz besser zu nutzen. Dadurch konnten die Schulleistungen gesteigert werden. Wir unterrichten heute noch teilweise wie vor 50 Jahren.
Trotzdem ist die Zahl der Schulabgänger mit Hochschulreife in den vergangenen zehn Jahren um über 30 Prozent gestiegen. Drei Viertel davon erwarben allerdings "nur" die Fachhochschulreife. Eigentlich kein Zeichen für eine grassierende Verblödung. Andererseits muss man vor dem Hintergrund der PISA-Studien sich schon fragen, ob nicht das Niveau der Abschlüsse abgenommen hat. "Die Zahl der besonders intelligenten Schüler und Studenten lässt sich nicht beliebig steigern. Trotzdem wächst der Bedarf an Akademikern. Durch Optimierung der schulischen und universitären Lerngelegenheiten können Schüler und Studenten ihre Leistungen aber steigern", sagt Elsbeth Stern.
Vielleicht liegt es ja auch an den vielen Ausländern, die zu wenig integriert, den Schnitt drücken? "Stimmt auch nicht", sagt Elsbeth Stern. Was die PISA-Studie angeht, so zeigte sich, dass wir immer noch ein grosses Problem haben, auch wenn man die Daten der ausländischen Schüler herausrechne. "Wer Ausländer mit schlechten Leistungen gleichsetzt, sucht nur einen Sündenbock."
Warum sind aber vor allem auf den Hauptschulen so viele ausländische Kinder? "Was zutrifft ist, dass viele ausländische Kinder in Deutschland aus den so genannten bildungsfernen Schichten kommen und völlig unzureichend gefördert werden. Das gilt auch für die deutschen Kinder aus diesen Milieus", sagt Elsbeth Stern.
Reformen müssen also her, neue Unterrichts- und Kompensierungsmethoden angeboten werden, damit Schüler und Studenten ihre Leistungen steigern können. Wann wäre ein Erfolg zu erwarten? "Wenn man sich endlich konzentriert ans Werk macht, stehen wir vielleicht in zehn Jahren deutlich besser da als bisher", meint Elsbeth Stern. Man stelle sich die Schlagzeile 2017 vor: "Unsere Schüler werden immer schlauer." Wäre doch auch mal schön.
Autor: Hardy Prothmann






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