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Etikett von Tagesschau Foto: TAGESSCHAU

Familienfreundliche Firmen

Kinder, an die Arbeit!

Kind und Beruf? Für viele Mütter nur schwer zu vereinbaren. Doch es tut sich was in deutschen Firmen. Viele Unternehmen haben inzwischen entdeckt, wie sie von einem familienfreundlichen Betriebsklima profitieren können.

Kinder beim Spielen in dem familienfreundlichen Betrieb,  Ingenieurbüro Klärle Foto: Ingenieurbüro Klärle, privat

Ein Segen für Mütter: Die Kinder mit ins Büro nehmen

"Frau Professor Klärle ist derzeit nicht so gut zu sprechen. Sie ist heute noch auf einem Termin in Osnabrück und erwartet in Kürze ihr zweites Kind", teilt ihr Büro freundlich mit. Was zunächst ungewöhnlich klingt, ist irgendwie keine Überraschung – ist das von Martina Klärle gegründete Ingenieurbüro doch von der Aktion "Land der Ideen" als besonders familienfreundlicher Betrieb ausgezeichnet worden. Zehn Frauen und ein Mann mit zusammen 16, bald 17 Kindern arbeiten in der Firma im Örtchen Schäftersheim bei Würzburg.

Kinder mit ins Büro nehmen

Dabei stand Familienfreundlichkeit bei der Unternehmensgründung keineswegs im Vordergrund, berichtet Claudine Balbach, stellvertretende Büroleiterin. Auch nicht, dass in dem Büro vor allem Frauen arbeiten, an denen das Problem der Vereinbarkeit von Beruf und Familien in Deutschland nach wie vor hängen bleibt.

"Alles entwickelte sich erst nach und nach seit dem ersten Kind von Frau Klärle 2003", erzählt Balbach. Weitere Kinder der Mitarbeiterinnen kamen hinzu, die Firma richtete ein Spielzimmer ein. Kinder können mit ins Büro gebracht werden. So werden Lücken der normalen Betreuungseinrichtungen abgedeckt. Balbach: "Davon gibt es hier auf dem Land viel zu wenig. Die Tagesstätte im Nachbarort könnte problemlos doppelt so viele Kinder aufnehmen."

Trotz zunächst skeptischer Blicke bei neuen Kunden: Ein Hindernis seien die Kinder im Büro nicht. " Während das Kind schläft, arbeitet man 150 Prozent", sagt Balbach. Für besonders wichtig hält die Ingenieurin flexible Arbeitszeitmodelle von Seiten des Unternehmens und der Kollegen, um den Bedürfnissen von Eltern entgegenzukommen.

Familienfreundliche Maßnahmen können sich lohnen

Das hat offenbar ein Großteil der deutschen Unternehmen erkannt. 58 Prozent bieten nach eigenen Angaben flexible oder individuell vereinbarte Arbeitszeiten an. "Die Familienfreundlichkeit der deutschen Wirtschaft hat in weiten Teilen deutlich zugenommen", stellte eine Studie von Bundesfamilienministerium und Institut der deutschen Wirtschaft (DIW) Ende 2006 fest.

Gegenüber früheren Untersuchungen konstatierte sie einen "Bewusstseinswandel". Firmen erkennen, dass sich familienfreundliche Maßnahmen für sie lohnen können – weil sie als Arbeitgeber attraktiver sind, die Angestellten zufriedener und konzentrierter arbeiten und Reibungsverluste vermieden werden, weil eingearbeitete Beschäftigte als Eltern nicht mehr mangels Unterstützung dem Unternehmen verloren gehen oder aufs Abstellgleis geschoben werden.

"Es rechnet sich", sagt auch Edeltraud Glänzer vom Vorstand der Gewerkschaft IGBCE. Staat und Organisationen wie die Hertie-Stiftung zeichnen regelmäßig familienfreundliche Unternehmen aus: "Solche Zertifizierungen sind für Firmen vor allem eine Imageverbesserung", schränkt ver.di-Spezialistin Ilona Schulz-Müller ein: "Aber wenn die Unternehmen bei so etwas mitmachen, haben wir schon mal einen Fuß in der Tür."

Vor allem Großunternehmen sind hier aktiv. Insgesamt gesehen bietet aber laut DIW-Studie nur ein sehr kleiner Teil der Firmen Maßnahmen wie einen Betriebskindergarten, einen Betreuungsservice für Notfälle, Einarbeitungs- oder Weiterbildungsprogramme bei Elternpausen an. "Sobald Geld in die Hand genommen werden muss, ist die Bereitschaft noch sehr klein", sagt die Personalberaterin Frauke Greven aus Köln. Und: "Was es unter flexiblen Arbeitszeiten versteht, definiert jedes Unternehmen selbst." "Was nutzt eine Kernarbeitszeit von 8 bis 18 Uhr den Eltern, die ihr Kind erst um acht Uhr in den Kindergarten bringen können?" fragt Gewerkschafterin Glänzer.

Veränderung durch kleine Schritte

Greven hat sich auf die Beratung von Eltern spezialisiert, die auf solche Probleme stoßen. Ihre Erfahrung: "Es gibt eine Crème de la Crème der familienfreundlichen Unternehmen, vor allem Konzerne. Aber bei der Masse der mittelständischen Unternehmen passiert noch nichts." Und bei kleineren Unternehmen stehe und falle es mit der wirtschaftlichen Situation, inwieweit man Mitarbeitern entgegenkommen könne. Bei weniger Mitarbeitern ist das Umschichten schwieriger.

Greven erinnert daran, dass Kinderkriegen nach wie vor häufig mit einem Karriereknick einhergehe: "Einen Antrag auf Teilzeitarbeit bekommen sie vielleicht noch durch. Aber dann werden die Frauen bei künftigen Gehaltsforderungen und Aufstiegschancen nicht mehr für voll genommen." Die Angst davor schreckt laut IGBCE-Fachfrau Glänzer bisher auch viele Männer davon ab, in Elternzeit zu gehen: "Wenn ein Meister sagt, er muss sein Auto um 15.30 Uhr abholen, haben alle Verständnis. Muss er sein Kind abholen, wird er belächelt." Sie hofft auf Veränderungen durch das neue Elterngeld, das mehr Männer zu einer Familienpause motivieren könnte.

Wo Unternehmen zögerlich sind, setzt Glänzer auf Veränderung durch kleine Schritte: "Vieles braucht keine erheblichen finanziellen Mittel. So können Unternehmen Eltern bei der Suche nach Betreuungsmöglichkeiten helfen oder sich untereinander vernetzen und gemeinsam statt eines Betriebskindergartens bestimmte Belegplätze in einer Kindertagesstätte vor Ort organisieren."

Auch im Ingenieurbüro Klärle gibt es keine Extra-Kraft zur Kinderbetreuung: "Wenn ich ein wichtiges Gespräch habe, schaut bei Bedarf so lange eine Kollegin nach meinem Sohn", sagt Claudine Balbach. "Viel lässt sich durch die Flexibilität der Kollegen lösen – aber wo die Chefs so etwas nicht unterstützen, ist es schwer."

Autor: Fiete Stegers

  • Kommentare
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Irene | 21.04.2007 | 23.16 Uhr
Bei mir hat zum Glück alles sofort geklappt. Ich konnte bereits sehr früh wieder arbeiten gehen, dank KIGA Platz. Allerdings finde ich die Kommentare der KIGAs nicht akzeptabel:"Kommen Sie wieder wenn das Kind da ist!". Sorry, aber wenn ich meinem Arbeitgeber sage, ich würde gerne arbeiten, aber ich weiß nicht, ob ich einen Platz bekomme...wie soll dieser dann planen können??? Und ich erst??? Nicht nachvollziehbar!
Marc Lüger, Lingen | 21.04.2007 | 19.21 Uhr
Neben familienfreundlichen Firmen braucht unsere Gesellschaft dringend mehr Mütter, die sich GANZ ihren Kindern widmen. Das christliche und vorbildliche Erziehungsmodell ist das, dass der Mann der Ernährer der Familie ist und die Frau sich um Haushalt und Kinder sorgt. Daher muß der Staat den Müttern, die sich in VOLLZEIT ihren Kindern widmen, auch endlich ein hohes monatliches "Müttergehalt" zahlen. Wir brauchen nicht noch mehr Kinder in Krippen, wir brauchen dringend mehr VOLLZEIT-Mütter, die ihre Kinder SELBST zu christlich-werteorientierten Personen erziehen.
Inga | 21.04.2007 | 12.33 Uhr
Ich bin Krankenschwester (neuerdings wieder in Vollzeit) und mit meiner Familie frisch nach SH gezogen. Mein Mann hat dafür seinen Job in Hessen aufgegeben. Nun stehen wir vor dem Problem, daß ich, obwohl als Dauernachtwache eingestellt, ich normalen 3-Schicht-Deinst tun muß und mein Mann eine neue Arbeit sucht. Aber: Wer soll, wenn er einen Job findet und auch WENN wir einen KiGa haben, unseren Sohn hinbringen und abholen, wenn er Tags arbeitet und ich in 3-Schicht???
Die Zeiten der KIGas behindern die Arbeit bd. Eltern ebenso wie Um-oder Weiterbildungsmaßnahmen bis zum Unmöglichmachen.
Super, Deutschland!!!

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tagesschau.de | Stand: 10.04.2007
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