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Was Kinder brauchen, um gut leben zu können, ist klar: Viel Liebe, feste Bezugspersonen, eine intakte Umwelt, gesunde Ernährung. Und darüber hinaus? Was ist in Deutschland für Kinder wirklich wichtig? Nur schöne Spielplätze – oder ist da mehr?
Verhäuslichung von Kindern: Der Kontakt zur Natur geht verloren.
Was Kinder sich selbst wünschen, ist schnell erzählt: "Vanilleeis mit Schokobällchen", "Ins Stadion gehen", "Eine Wasserrutsche". Zusammengenommen ergibt das eine Mischung aus Spielplatz und Schlaraffenland. Für eine Welt, in der Kinder gut leben können, reicht das aber nicht ganz.
Da sind auch andere Dinge wichtig, weiß Kinderhortleiterin Rudabeh Sabri: "Ich kann mir vorstellen, viel mehr Räume zu schaffen, die vom Verkehr befreit sind, wo sich die Kinder sicher bewegen können. Das brauchen wir dringend. Außerdem benötigen die Kinder mehr Kontakt zur Natur und vor allem einfach Zeit zum Spielen. Sehr viel Zeit."
Lebenswirklichkeit von Kindern: Attraktive Scheinwelt statt freie Natur?
Die Erzieherin erlebt stattdessen immer wieder bereits Kindergartenkinder im Freizeitstress. Musikschule hier, Turnen dort. Wenn Roland Horne von der rheinland-pfälzischen Umweltakademie gefragt wird, wie seine Vision für eine nachhaltige Kinderwelt aussieht, dann fragt er gern zurück: "Erinnern Sie sich selbst noch daran, was Ihnen als Kind am meisten Spaß gemacht hat, wo und wie Sie am liebsten gespielt haben?"
Schnell kristallisiert sich dann bei vielen Eltern heraus: Die besten Spiele waren nicht im Haus sondern draußen, oft mit Freunden, unbeobachtet, häufig in verwildertem Gelände und immer ohne Erwachsene. Und da, sagt Horne, müssen wir wieder hinkommen. "Kinder entdecken ihre Welt und sie finden auch spannende Räume - wenn man sie lässt." Das bestätigt Erzieherin Rudabeh Sabri aus eigener Erfahrung: "Ich habe meist auf der Gasse gespielt, hatte kaum Spielsachen. Zehn Steine, zwei Stück Kreide und ein Seil. Und dann haben wir uns was ausgedacht, waren kreativ. Und ich glaube nicht, dass wir deshalb blöd geworden sind", ergänzt sie lachend.
Eine Umwelt, in der Kinder gut leben können, ist also gar keine komplizierte, sondern eine schlichte Welt. Mit Wasser und Dreck. Im Winter mit Kälte und Eis, mit Feuer, Tieren, Pflanzen. Und mit anderen Kindern. Unbeobachtet, ohne Erwachsene. Der Rest ergibt sich ziemlich von selbst. Das ist einfach, aber keineswegs banal. Denn was früher selbstverständlich war, muss erst wieder entwickelt werden: Autofreie Zonen, Freiräume draußen.
"Wir verhäuslichen die Kinder", beklagt Roland Horne, "wir verhäuslichen sie im Elternhaus, in Kindertagesstätten und Schulen. Auch, weil es ein für Kinder unglaublich spannendes Angebot in der medialen Welt gibt." Fernsehen und Computer bieten eine Scheinwelt, die hochattraktiv ist.
Aber Erfahrungen draußen zu machen ist wichtig, da ist sich Horne sicher. Denn ein Kind überlebt zwar mit Nintendo DS, Stofftieren und asphaltierten Strassen, ohne Gebüsche, Wasser und Dreck. Doch es sollte niemand wundern, hat schon der Psychologe Alexander Mitscherlich erkannt, "wenn es später bestimmte soziale Grundleistungen nie mehr erlernt".
Autor: Axel Weiß






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