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Die Privatisierung des Bildungssystems und der Abbau von Investionen in öffentliche Schulen bedrohen die Ausbildung unserer Kinder. Werden wir zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft mit einer sozial bedingten Wissens-Kluft? Zwei mögliche Szenarien.
Elite-Unis à la Oxford - der Weg zur Zwei-Klassen-Gesellschaft?
Gerade wurden die ersten Universitäten in Deutschland zu Elite-Unis gekürt. Sie sollen mit den Harvards und Oxfords dieser Welt mithalten: Privilegiert in der Spitze, mit exzellenter Ausstattung, hoher Reputation und auf Augenhöhe mit den Großen der Welt. Eine Chance für den begabten Nachwuchs, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern.
Das bestehende Stipendien- und Förderprogramm in Deutschland ist exzellent. Die Frage ist, wie lange und in welchem Umfang öffentliche Gelder dafür noch bereit gestellt werden können. Würden diese gekürzt oder gar ganz wegfallen, würde wahrscheinlich für viele Kinder und Jugendliche die Frage der Herkunft noch stärker über ihre Zukunft entscheiden als das ohnehin schon der Fall ist.
Gute Bildung - alles eine Frage des Geldes?
Zugangstests würden den Eintritt zu privaten Schulen und bereits zu den Kindergärten regeln. Gute Bildung hieße privatisierte Bildung. Erfolg und Karriere wären von einem System der privaten Auslese, des entsprechenden Habitus und der finanziellen Möglichkeiten abhängig.
Übrig bliebe eine große Masse an zweckorientiert ausgebildeten Kindern und Jugendlichen für den Servicebereich der Gesellschaft (darunter auch: Journalisten, Wissenschaftler, Putzfrauen und Pizzaboten) und die dann noch in Deutschland verbliebene Industrie. Um dem Vorwurf einer undemokratischen Gesellschaft zu entgehen, würde man das System eine "konsequente Leistungsgesellschaft" nennen. Gelegentliche Ausnahmen dienen als Beweis des Systems – nicht als sein Versagen.
Ein von den Eliten so gesteuertes Bildungssystem würde vor allem darauf abzielen, das System zu rechtfertigen, auch um Aufstände wie in den Pariser Vorstädten 2005 zu verhindern, die ein solches System eigentlich erst herausfordert. „Jeder an seinem Platz“ - diese Ideologie würde ein ungleiches Bildungssystem definieren. Eine so zweigeteilte Gesellschaft kann nur eine unglückliche und in der Konsequenz arme Gesellschaft sein – auch wenn sie in der Spitze durchaus leistungsstark ist und im Ausnahmefall sogar einen sozialen Aufstieg ermöglichen würde.
Herausforderung: Gleiche Chancen für alle
Eine gute Bildung auf breiter Basis für alle – das war das Modell, welches Deutschland jahrzehntelang praktizierte und das nun auf der Kippe steht. Ein solches System hat Vorteile und langfristig mehr positive als negative Auswirkungen: Kinder und Jugendlichen erhalten eine gute Bildung, mit der sie entsprechend ihrer Leistungen ihre Chancen nutzen können – zu jedem Zeitpunkt.
Nicht alle entwickeln sich gleich schnell, flexible Förder- und Entwicklungsangebote könnten das berücksichtigen. Nur so kann auch ein Hauptschüler noch das Abitur nachholen und als Manager oder Universitäts-Professor erfolgreich werden.
Dafür sind öffentliche Geld nötig, denn Bildung muss eine Investition sein und kein Nullsummenspiel. Von den Kindergärten bis zur Universität muss es Förderangebote für schwache und besonders gute Schüler geben, kleine Klassen sowie integrative Angebote, die sich der Herausforderung einer multi-kulturellen Gesellschaft (nicht nur in ethnischer Hinsicht) bewusst wären. Zusammengehalten wird dieses durch eine Lern-und Lehrkultur, die nicht primär an den Leistungen der Schüler, sondern an diesen selbst orientiert ist.
Für eine echte Wissensgesellschaft müssten die Rahmenbedingungen geschaffen werden. Bildung ermöglicht ein selbstbestimmtes Leben in sozialer Verantwortung. Wir brauchen daher Schulen, die zu Eigenverantwortung ausbilden – keinen Staat, der unter Androhung Integration und Erziehung erzwingen will. Dieses Ziel ist nur mit einer großen öffentlichen Investition in Schule und Bildung zu verwirklichen.
Die Höchstleistungen für den angemahnten internationalen Wettbewerb werden sich dann von selbst ergeben. Eine echte Elite kann sich nur auf Grundlage einer breiten und gut gebildeten Mitte entwickeln, nicht auf Kosten einer unterprivilegierten Mehrheit. Der Ertrag wäre ein gesellschaftlicher Frieden mit echten demokratischen Möglichkeiten. Ein solches Bildungssystem erzeugt sicherlich mehr Diskussion und macht das Regieren schwieriger, es verhindert aber brennende Autos und unzufriedene Jugendliche, die ihre Chancen mit den Füßen und Fäusten einfordern würden.
Autor: Nils Zurawski






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