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Pisa-Schock, Hartz IV, Unterschicht und Konkurrenzdruck – das sind Begriffe, die wie dunkle Wolken über den Köpfen junger Eltern schweben. Um das drohende Übel von ihren Kindern abzuwenden, werden keine Kosten und Mühen gescheut - das Zauberwort heißt "Frühförderung".
Gut fürs Kind? Mozart im Mutterleib
Schon die Allerkleinsten werden mit Angeboten überschüttet: Vom Früh-Englisch über Babymassage bis hin zu Lern-DVDs mit so viel versprechenden Namen wie "Baby-Einstein" oder "Baby-Van-Gogh" - alles kann gebucht und gekauft werden. Und deutsche Eltern greifen beherzt zu, in der Hoffnung, ihr Kind früh fit für die harte Zukunft zu machen. Englisch-Kurse für Kinder, die noch nicht einmal sprechen können, klingen zwar kurios, liegen aber voll im Trend.
Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Babys im Mutterleib nicht nur hören und sehen können, sie lernen auch. Diese Erkenntnis führt dazu, dass Eltern, die es besonders gut meinen, schon den schwangeren Bauch mit Mozart beschallen. So soll das musikalische Gehör ausgebildet werden und später auch die Leistung in Mathematik besser sein. Erwiesen ist dieser Zusammenhang bisher nicht.
Formt Körper und Geist: Bewegung
Hirnforscher wie der Frankfurter Professor Wolf Singer sprechen beim Lernen von "Zeitfenstern", in denen einzelne Fähigkeiten besonders gut gelernt werden. Aus solchen Informationen nährt sich die Angst vieler Eltern, zu spät zu fördern. Auf die Schule wollen sie nicht warten - denn was ist, wenn das Fenster vorher schon zuschlägt. Chance vertan? Tatsache ist, dass sich kein Lernfenster jemals ganz schließt. Auch im Alter kann man noch Geige spielen oder Französisch lernen. Es fällt nur vielleicht etwas schwerer.
Pädagogen wie Psychologen warnen in diesem Zusammenhang vor Leistungsdruck und Überförderung der Kleinen. Manche Babys hätten schon einen übervollen Terminkalender, Terminstress inklusive. Ob die Kinder durch die frühen Lernangebote tatsächlich schlauer werden, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Vielen Eltern reicht jedoch schon die Möglichkeit, nach dem Motto: "Ich will mir später nicht vorwerfen müssen, ich hätte nicht alles versucht. Schaden kann es ja nicht." Eine Mutter formuliert es kurz und knapp: "Das ist für mich eine Form von Liebe."
Bewegung bedeutet Lernen
Viele Angebote, die sich an die ganz Kleinen richten, sind sehr körperbetont: Massage, Baby-Schwimmen oder der berühmte PEKiP-Kurs. Hinter diesen Angeboten steht die Erkenntnis von Motorik-Experten, dass körperliche Aktivität den Geist formt und für ein stabiles Selbstbild unerlässlich ist. Bewegen bedeutet Lernen, das bezweifelt heute niemand mehr. Es kann also Sinn machen, das Baby motorisch zu fördern.
Das Wichtigste bei all diesen Angeboten sind Mutter oder Vater, die das Kind berühren und Zeit mit ihm verbringen. Tatsächlich ist die körperliche Zuwendung der Eltern für die Entwicklung des Babys unerlässlich. Ob man für diese Art der Frühförderung unbedingt einen Kurs braucht, müssen die Eltern entscheiden. Doch hier gilt sicher die Devise: Schaden kann es nicht.
Frühförderung in Kindergarten und Vorschule
Spielerisch Englisch lernen - dank Frühförderung
Fast alle Bundesländer haben in ihren Kindergartengesetzen inzwischen Bildungspläne erlassen. Die Zeit in diesen Einrichtungen soll "nicht verspielt" werden, so das erklärte Ziel. In den meisten anderen europäischen Ländern wird im Kindergarten viel zielgerichteter gelernt, mit ein Grund für das gute Abschneiden in der Pisa-Studie. Spitzenreiter Finnland etwa entlässt kein Kind in die Schule, das nicht schon lesen und schreiben kann.
Um da mithalten zu können, ist es für deutsche Kinder zu spät, mit dem Lernen erst in der Schule zu beginnen. Und gerade Kindern mit Migrationshintergrund, die Probleme mit der deutschen Sprache haben, könnte man schon vor der Schule Deutschunterricht geben, um sie so für den allgemeinen Schulstoff besser vorzubereiten. An dieser Stelle - so die einhellige Meinung von Psychologen, Erziehungswissenschaftlern und Politkern - macht Frühförderung Sinn.
Bildung rechnet sich
Und es macht sich offenbar auch bezahlt. Nach Berechnungen des Institutes der deutschen Wirtschaft, kann der Staat auf Dauer etwa 4,2 Millionen Euro pro Jahr sparen, da früh geförderte Kinder seltener nachqualifiziert werden müssen. Mag "Baby-Einstein" noch wie ein überehrgeiziges Projekt verunsicherter Eltern klingen, so ist die Vorschule, in der das Interesse am Lernen noch spielerisch geweckt werden kann und Defizite aufgearbeitet werden können, wünschenswert.
Übersicht über mögliche Frühförderangebote
Autorin: Katrin Kimpel






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