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Fernseher, PC, Spielkonsole – die Medien sind aus dem Leben von Kindern und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken. Experten streiten noch darüber, ob Medienkonsum die Entwicklung von Kindern hemmt, oder ob sie im Gegenteil Nutzen daraus ziehen können.
Kinder und Neue Medien: Game-Over für die Bildung?
Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen in Hannover hat 6.000 Viertklässler aus elf deutschen Städten nach ihrem Medienkonsum befragt. Ein durchschnittlicher 10-jähriger Junge aus Dortmund verbringt demnach pro Schultag 3,3 Stunden vor dem Fernseher und der Spielkonsole. Die Quittung für so viel Sitzfleisch: Nur 34 Prozent von ihnen erhielten eine Gymnasialempfehlung. "Der Einfluss der Medien auf die Schulleistungen ist nicht wegzudiskutieren", erklärt Projektmitarbeiter Matthias Kleimann und fordert eine planmäßige Medienerziehung in den Schulen.
Die größere Verantwortung dürfte jedoch zunächst bei den Eltern liegen, denn erste Erfahrungen mit Medien werden schon im Kleinkindalter gemacht. Ob Lernspiele für den PC oder das allabendliche Sandmännchen: Das Angebot zielt bereits auf die Jüngsten. Sehen Eltern in der medialen Berieselung des Nachwuchses lediglich ein Mittel, um die anstrengenden Sprösslinge für eine Weile ruhig zu stellen, wird in puncto Medienkompetenz der Kinder sicher ein falsches Signal gesetzt. Pädagogen raten daher dringend, das Fernseherleben von Kindern zu begleiten und ihnen im medialen Überangebot Wegweiser zu sein.
David Pfeifer
Klick. Wie moderne Medien uns klüger machen
Campus Verlag, 2007
Vermeiden: Kinder allein vor dem Fernseher
Wichtig ist dabei die Vorbildfunktion von Eltern, denn wenn die "Glotze" zum Mittelpunkt des Familienlebens gemacht wird und für die Freizeitgestaltung keine Alternativen bereit stehen, wird der Nachwuchs rasch zum Dauerkonsumenten. Doch was tun, wenn Kinder erst einmal auf den Geschmack gekommen sind und mit "Bitte, nur noch diese eine Sendung" mehr Unterhaltung einfordern?
Der Verein "Programmberatung für Eltern", der vierteljährlich das Medien-Magazin "Flimmo" veröffentlicht, gibt auf seiner Internetseite zahlreiche Ratschläge, wie zum Beispiel: "Handeln Sie Regeln aus!" Hilfreich ist beispielsweise, wenn die Medienerziehung noch vor dem Drücken des Einschaltknopfs beginnt. Wenn Eltern und Kinder sich gemeinsam mit einem Blick in die Fernsehzeitung geeignete Sendungen aus dem Angebot herauspicken, ist schon vorher klar, was wie lange geschaut werden darf.
Wer sich dann noch die Zeit nimmt, sich mit vor den Fernseher zu setzen und auch nicht müde wird, die vierte Wiederholung von "Wickie und den starken Männern" zu sehen, der hat ein weiteres Ziel erreicht. Kinder müssen das Gesehene verarbeiten, da ist es hilfreich, wenn die Erwachsenen wissen, worum es geht. Dabei ist es vergleichsweise einfach, bei Wickie und seinen Kumpanen den Durchblick zu behalten. Mit zunehmendem Alter der Kinder noch zu verstehen, dass es sich bei Lisa und Coco, Stefano und Anne nicht um Klassenkameraden, sondern Personen aus Vorabendserien handelt, verlangt deutlich mehr Einsatz.
Einen regelrechten Boom erleben derzeit Wissenssendungen im Fernsehen. "W wie Wissen", "Willi will’s wissen", "Wissen macht Ah" – wer sich gezielt durch die Programme schaltet, könnte nach dem Motto verfahren: Ich schau mich schlau! Viele Studien belegen, dass Kinder, die häufig fernsehen, tatsächlich über großes Faktenwissen verfügen. Wenn es jedoch um Problemlösung oder soziales Verhalten geht, scheint das Fernsehen keine große Hilfe zu sein.
Die positiven Effekte des Medienkonsums, wie beispielsweise die umfassende Recherche nach Informationen, beschreibt der Journalist David Pfeifer in seinem Buch "Klick. Wie moderne Medien uns klüger machen". Er stemmt sich gegen die gängigen Vorurteile: Fernsehen macht dumm, Computer sorgen für Vereinsamung und Videospiele machen gewalttätig. Für Pfeifer ist Medienbildung längst Allgemeinbildung geworden - und wer in einer Informations- und Kommunikationsgesellschaft lebt, muss sich seiner Ansicht nach auch kompetent mit Medien aller Art auseinandersetzen.
Manfred Spitzer, leitender ärztlicher Direktor der psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm, schlägt in seinem Buch "Vorsicht Bildschirm" nach der Auswertung zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen allerdings Alarm. Die Liste der unerwünschten Nebenwirkungen reicht von Lese- und Aufmerksamkeitsstörungen über gestörtes Sozialverhalten bis hin zu steigender Gewaltbereitschaft.
Verführung per Mausklick: Kinder vor dem Computer
Die Studie "Kinder und Medien", die 2006 im Auftrag der ARD/ZDF-Medienkommission erstellt wurde, belegt, dass die Fernsehnutzungsdauer von Kindern über die Jahre hinweg relativ konstant geblieben ist. Dagegen nimmt die Zeit, die Kinder mit dem Computer und Internet verbringen, rasant zu. Surfen, chatten, downloaden, mailen, voipen – für Jugendliche ist der Umgang mit Computern und den damit verbundenen Möglichkeiten der Kommunikation zur Selbstverständlichkeit geworden. Genau hier lauern auch Gefahren, vor denen Eltern ihre Kinder schützen müssen. Wer weiß schon so genau, ob sich hinter dem 12-jährigen Mädchen im Chat nicht doch ein erwachsener Mann verbirgt?
Eltern sollten ihren Kindern einfache Internet-Regeln an die Hand geben, wie zum Beispiel niemals ihren echten Namen zu nennen oder gar Adressen oder Telefonnummern auszutauschen. Auch sollten E-Mails von unbekannten Absendern am besten gleich in den Papierkorb wandern. Dass Dateianhänge unliebsame Viren enthalten können, sollte ebenfalls zum Wissensrepertoire junger Computer-Nutzer gehören. Eine Selbstverständlichkeit sollte es sein, dass Kinder und Jugendliche ausschließlich Zugang zu Spielen haben, die für ihre Altersgruppe vorgesehen sind.
Doch wie verhindert man, dass 12-Jährige ihre Freizeit mit Ego-Shootern verbringen? Bundesländer wie Bayern und Niedersachsen sind für ein Verbot. Herstellung und Verbreitung so genannter "Killerspiele" sollen mit bis zu einem Jahr Gefängnis bestraft werden können. Doch Experten halten von dieser Idee wenig. Winfried Kaminski, Professor für Sozialwissenschaften in Köln, warnt davor, eine "ganze Gruppe" zu kriminalisieren. Untersuchungen hätten ergeben, dass die Spieler in Regel durchaus zwischen Realität und Spielewelt unterscheiden können. Dies setzt allerdings die nötige Medienkompetenz voraus und diese erlangt man erst, wenn man sich mit den Angeboten Schritt für Schritt - im Idealfall unter Anleitung - auseinandersetzt.
Schlecht nur, dass viele Jugendliche ihren Eltern in Sachen moderne Medien bereits enteilt sind. Wer hier am Ende wen an die Hand nimmt und leitet, darf geahnt werden. Aber auch hier gilt, wie bei eigentlich allen Aspekten der Erziehung: Reden Sie mit Ihren Kindern. Und wenn Sie nur die Hälfte verstehen, dann nehmen Sie sich die Zeit und lassen sich ICQ, IRC und VoIP erklären.
Autorin: Caroline Wornath


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