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... lernt Hans nimmermehr. Die alte Binsenweisheit ist in Zeiten von Bildungsplänen für Kindergärten hochaktuell - und doch wirft sie viele Fragen auf. Wie lernt Hänschen denn nun am besten? Wie sieht eigentlich optimale Förderung aus, damit Hans später nicht auf der Strecke bleibt?
Erstklässlerin bei den Hausaufgaben
Es ist zumeist ein traumatischer Tag für die ganze Familie: der zweite Schultag des Nachwuchses. Denn da wird deutlich, was der neue Lebensabschnitt so alles mit sich bringt! Wurde an Tag eins noch unbeschwert gefeiert, bringen die ersten Schulstunden die Wahrheit ans Licht: Schluss mit lustig! Der Ernst des Lebens geht wahrhaftig los! Von der ersten Klasse an baumeln drohend die Damoklesschwerter PISA-Schock, Ausbildungsmisere, Globalisierungsdruck über dem neuen Schulkind ... ganz zu schweigen von den elterlichen Erwartungen an den Nachwuchs.
Denn ambitionierte Eltern lassen nichts unversucht, um die Bildung des Sprösslings zu fördern: Sie rüsten sich mit Fachliteratur und Service-Büchern: "Garantiert erfolgreich lernen", "Brain-Gym für Kinder", "Deep-Learning", "Kinder lernen leichter mit Kinesiologie", "Schule kann gelingen!" ... um nur einige Titel aus dem gigantischen Angebot zu nennen.
Machen das Lernen leichter: Rechenspiele
Der Bruch zur Kindergartenzeit könnte für das Kind größer nicht sein – und genau hier liegt nach Expertenmeinung die Wurzel allen Übels. Denn die lockere Spielzeit ist definitiv vorbei – ohne Vorbereitung bricht der streng reglementierte Schulalltag in das Leben der Kleinen ein. Daran ändern auch die engagiertesten Vorschul-Aktionen in den Kindergärten meist nichts. So begrüßen Bildungsexperten wie der Leiter der Shell-Jugendstudie 2006 Klaus Hurrelmann Vorschläge für ein Pflichtvorschuljahr - wie in anderen europäischen Ländern längst üblich.
Fürs erfolgreiche Lernen bringen die allermeisten Kinder alles an Potenzial mit: Neugier, Wissbegierde, Gehirnmasse, sinnliche Sensibilität ... Und doch verpufft der Enthusiasmus der meisten schnell. Zu krass sind die Unterschiede zur Leichtigkeit des Seins im Kindergarten – in Bayern etwa müssen ABC-Schützen schon nach wenigen Monaten ihre Rechenkünste mit Hilfe einer Stoppuhr unter Beweis stellen. Wer da nicht mitkommt, ein kleiner Wildfang ist oder einfach Umstellungsprobleme hat, bleibt schnell auf der Strecke.
Wissenschaftler sind sich relativ einig, wie Lernen in der Schule aussehen sollte: angstfrei, verbunden mit positiven Emotionen, einer individuellen Förderung und häufigen Wiederholungen. Abwechslungsreich sollten die Schultage sein, ein Wechsel von Lernen, Bewegen, Pause, Vertiefen – bevorzugt in einer Ganztagsschule, denn über den Tag verteiltes Lernen ist für Synapsen in Schülerhirnen optimal. Kinder brauchen vielfältige Erfahrungen, müssen viel erleben, um viel begreifen zu können. Reformpädagogik nach Montessori, Steiner oder Petersen setzt meist genau hier an.
Die bundesdeutsche Regelschule samt Frontalunterricht und der abstrakt-logischen Wissensvermittlung aktiviere zumeist nur die linke Hirnhälfte, so Kritiker. Die rechte Hirnhälfte - zuständig für Kreativität, Intuition und Gefühl - verkümmere. Tipps wie "die liegende Acht", mit der man die Verknüpfung der Hirnhälften erreiche, hält Hirnforscher Manfred Spitzer allerdings für Unsinn und warnt vor allerlei "Neuro-Schnellschüssen". Der Gründer des Transferzentrums für Neurowissenschaften und Lernen (ZNL) an der Universität Ulm setzt auf wissenschaftlich-fundierte Methoden in der Pädagogik.
Der Bedarf hier ist groß: Denn Curricula, nach der Klassenarbeiten sich prinzipiell nur auf Unterrichtsstoff der letzten sechs Wochen beziehen dürfen, sind für Spitzer komplett kontraproduktiv: "Die Schüler lernen nur noch in der Nacht vor der Klassenarbeit. Am Tag nach der Arbeit haben sie alles vergessen." Denn ins Langzeitgedächtnis gelangen Inhalte nur in Wellen, erst durch wiederholende Beschäftigung über einen längeren Zeitraum speichert das Gehirn Informationen auf Dauer.
Lernen statt pauken - auch Lerntrainerin Vera F. Birkenbihl propagiert in ihrer BR-Sendung "Kopfspiele" Lerntechniken, die Lust statt Frust machen und "hirn-gerecht" sind. Um zum Beispiel Grammatik-Regeln zu lernen, empfiehlt sie unterhaltsame "Kopfspiele". Der Königsweg zum Lernen ist ihrer Meinung nach "beiläufiges Lernen", quasi "so nebenbei" - wissenschaftlich "Incidental Learning" genannt. Das kommt dem Traum aller Schüler ziemlich nahe: Lernen im Schlaf!
Autorin: Ulrike Herm






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