Der öffentlich-rechtliche Auftrag: noch funktionsgerecht, schon zeitgemäß?

Deckblatt-Foto der ARD-Infobroschüre. | Bildquelle: ARD

Pressemitteilung vom 26.10.2018

Der öffentlich-rechtliche Auftrag: noch funktionsgerecht, schon zeitgemäß?

Podiumsdiskussion der ARD-Gremienvorsitzendenkonferenz (GVK): Unter dem Motto "Verlässlichkeit im Wandel – Der Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in einer digitalisierten Welt" ging es bei den Medientagen München 2018 um den gesellschaftlichen Mehrwert des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in einem veränderten digitalen Medienumfeld.

Mitglieder der öffentlich-rechtlichen Aufsichtsgremien suchten am Mittwoch, 24.10.18, den Austausch mit Vertretern aus der Wissenschaft, der ARD und der Produzentenallianz über den Public Value des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, dessen Auftrag und Ausge­staltung und über Wege der Kommunikation über den gesellschaftlichen Mehrwert. Diskutiert wurde die Frage insbesondere vor dem Hintergrund der rasanten medialen Umbrüche und den damit einhergehenden veränderten Gewohnheiten und Erwartungen der Nutzer.

Einig waren sich die Teilnehmer über das große Vertrauen, das dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk innerhalb der Gesellschaft nach wie vor entgegengebracht werde. Prof. Dr. Christoph Neuberger, stellvertretender Leiter des Instituts für Kommunikations­wissenschaft und Medienforschung der LMU München, stellte klar, dass ein vermeint­licher Vertrauensverlust empirisch nicht nachgewiesen sei. Die heutige Netzwerköffent­lichkeit schaffe völlig neue Bedingungen und Möglichkeiten der Kommunikation und fordere den öffentlich-rechtlichen Rundfunk heraus, seine Rolle als Moderator und Platt­form des öffentlichen Diskurses verstärkt zu nutzen und auf Bürgerpartizipation zu setzen. "Das erwarten die Menschen auch von uns", ergänzte die Vorsitzende des rbb-Rundfunkrats Friederike von Kirchbach. "Dazu wünsche ich mir einen offensiv-zuhörenden Diskurs mit Mut zur Selbstkritik bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunk­anstalten und den Gremien."

Die Teilnehmer diskutierten auch über den Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Ein gesetzlich vorgeschriebener Fokus auf Information, Bildung und Kultur auf Kosten von Unterhaltung und Sport werde der Funktion in einer digitalen Welt nicht gerecht – daran ließen die Diskutanten keinen Zweifel. Dies habe auch das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil vom 18.7.18 bestärkt, so die ARD-Generalsekretärin Dr. Susanne Pfab. "Wenn wir über den Auftrag sprechen, müssen wir stärker vom Ziel und Impact unseres freien gemeinsamen Rundfunks für die Gesellschaft her denken: Teilhabe herstellen, Meinungsbildung fördern, Vielfalt sichern, Orientierung bieten." Eine trennscharfe Abgrenzung von Unterhaltung sei in der Praxis schlicht nicht möglich, so Dr. Christoph Palmer, Geschäftsführer der Allianz Deutscher Produzenten. Friederike von Kirchbach stellte fest, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk alle Menschen erreichen müsse. Jeder suche sich im Programm seinen eigenen Zugang – auch Unterhaltung diene der Vermitt­lung von Kultur, Bildung und Information.

Mit Blick auf die gesellschaftlichen Entwicklungen in ganz Europa, so die Runde, müsse man sich auch in Deutschland verstärkt der Frage stellen, wie wir uns als solidarische Gemeinschaft begreifen. Prof. Dr. Neuberger: "Die Kraft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks basiert auf einem Publikumsbild, das den "citizen value" gegenüber dem "consumer value" in den Vordergrund stellt." Auch die Idee des ARD-Vorsitzenden Ulrich Wilhelm zur Schaffung einer europäischen Plattform wurde diskutiert. "Das ist ein interessanter Vorschlag der europäischen Selbstbehauptung. In der konkreten Ums­etzung müsste hierbei aber in jedem Fall auf faire Rahmenbedingungen für die Produ­zenten geachtet werden", so Palmer.

Die Diskussion wurde moderiert von Andreas Bönte, Programmbereichsleiter BR Fern­sehen, ARD-alpha und 3sat beim Bayerischen Rundfunk. Eine Aufzeichnung der Podiums­diskussion wird am 30. Oktober 2018, 21.00 Uhr, in der Reihe "alpha-podium" in ARD-alpha ausgestrahlt.

Stand: 26.10.2018, 13.00 Uhr

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