Hörspiel im Wettbewerb

Zwei Männer im Bett. | Bildquelle: colourbox.de Audio Audio

Hörspiel im Wettbewerb - Gewinner "Beste schauspielerische Leistung"

Alles Rumi

Von Christine Wunnicke

Preis für Beste schauspielerische Leistung geht an Aljoscha Stadelmann

Aljoscha Stadelmann spricht in "Alles Rumi" einen Mann, der nicht einschlafen kann, während ein anderer Mann - gesprochen von Sebastian Blomberg - eigentlich nur müde ist und endlich zur Ruhe kommen will.

Jurorin und Schauspielkollegin Bibiana Beglau in ihrer Begründung: "Aljoscha Stadelmann zieht uns Zuhörer zu sich, in dem er sich dem Charakter in voller und liebevoller Neugierde hingibt. Immer ist er in Erwartung, dass diese Nacht noch etwas anderes als den dunklen, vergessenden Schlaf mit sich bringen könnte. Und mit seinem wunderbaren Humor entsteht eine große Leichtigkeit. Liebevoll, uneitel, frei von Zynismus und schauspielerischer Besserwisserei folgt er seiner Figur, und dadurch folgen wir der Figur auch in ihren Gedankensprüngen und eigenartigsten dadaistischen Momenten. …Er gibt uns als Zuhörern die Möglichkeit selber nach Antworten zu suchen und uns einem eigenen Gedankenstrudel hinzugeben; er verführt uns als charmante Nervensäge in zum Teil herrlich absurde Zwischenzustände von Kommunikation. Diese Verführung gelingt ihm, weil er den Text nie didaktisch greift oder belehrend wird, sondern ihn in bester Weise naiv und klug durch sich hindurch läßt. …Lieber Aljoscha, Bravo! und Danke, Du hast meiner Schlaflosigkeit mit deiner Kunst einen neuen Sinn gegeben!

Über Schlaflosigkeit klagen viele, fast jeder kennt das. Die empfohlenen Mittel dagegen sind so vielfältig wie die Gründe dafür. Eine Empfehlung ist das neueste Hörspiel von Christine Wunnicke, die gerne von zerfallenden Personen, fragmentierten Figuren schreibt, ihren besonderen Obsessionen, den Blick dabei auf "Zwischenzustände, Grenzüberschreitungen, zweifelhafte Identitäten" richtet. ALLES RUMI erzählt von zwei Männern: Der eine kann nicht schlafen, der andere darf nicht ("kannst Du auch nicht schlafen?"). Ist es Radfahrerprinzip, wenn Schlaflose ihre Bettgenossen diskriminieren?

  • Nominiert für: Deutscher Hörspielpreis der ARD
  • Nominiert für: Deutscher Hörspielpreis - Beste schauspielerische Leistung
  • Nominiert für: ARD Online Award - Publikumspreis

Der, der nicht schlafen kann, schläft - ohne es zu merken - dauernd ein. Er träumt von Amerika, träumt einen ewigen Facebook-Feed, träumt mit Untertiteln, mit Zombies und David Bowie. Könnte man Träume auch zusammenschalten, multiplayermäßig, eine Art Urlaub für zwei? Ob ein Gutenachtlied hälfe? Eine postapokalyptische Sexmaschine? Eine Runde Tai Chi? Und warum wird der persische Dichter "Rumi" häufig zitiert? Ganz schön wirr das Ganze, eine ziemliche Zumutung, eben so wie Träume und nächtliche Phantasien sein können. Eine Geschichte ohne eindeutigen Sinn, ein Musical für Schlafgestörte, fast eine Liebesgeschichte.

  • Öffentliche Vorführung: Freitag, 9. November, 14 Uhr, ZKM_Kubus, in Karlsruhe
  • Nach der anschließenden Jurydiskussion findet das Frageforum statt

Christine Wunnicke. | Bildquelle: privat

Autorin Christine Wunnicke

Christine Wunnicke, geboren 1966, lebt in München. Sie schreibt Hörspiele, Rundfunkfeatures, biografische Literatur und Romane. 2002 erhielt sie für ihre Biografie des Kastratensängers Filippo Balatri, "Die Nachtigall des Zaren", den Bayerischen Staats-förderungspreis für Literatur. Für den Roman "Serenity" bekam sie 2008 den Tukan-Preis, für "Der Fuchs und Dr. Shimamura" 2016 den Franz-Hessel-Preis. Zuletzt erschien der Roman "Katie".


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Stand: Mon Nov 12 18:18:20 CET 2018 Uhr

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