Hörspiel im Wettbewerb

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Gewinner ARD Online Award 2018

Die Maschine steht still

Von Felix Kubin nach einer Erzählung von Edward Morgan Forster

Gewinner des ARD Online Award 2018

"1. Die Wissenschaft konvertiert zu einem allumfassenden Dogma, das behauptet, Organismen seien Algorithmen und Leben sei Datenverarbeitung.

2. Intelligenz koppelt sich vom Bewusstsein ab.

3. Nicht-bewusste, aber hochintelligente Algorithmen könnten uns schon bald besser kennen als wir uns selbst."

Mit diesen drei Thesen beendet Yuval Noah Harari "Homo Deus", sein 2015 erstveröffentlichtes Buch über unsere "Geschichte von Morgen". Harari beschreibt plastisch und plausibel jene Gefahren, wenn sich der Homo Sapiens so weit verändern wird, bis wir schließlich keine Menschen mehr sind. Wie kann der Mensch seine Selbstbestimmung wahren gegenüber Maschinen, die immer stärker unser Leben bestimmen? Was passiert, wenn die Weiterentwicklung von K.I. nicht mehr ihren Erzeugern obliegt, sondern von der Intelligenz selbst organisiert wird? Mehr als 100 Jahre vor Harari entwarf Edward Morgan Forster in "Die Maschine steht still" eine dystopische Welt in einer fernen Zukunft, die auf verblüffende Weise bereits dem "modernen" Heute gleicht:

Die Menschen leben in einer unterirdischen, abgekapselten Welt, mit allem Komfort. Ihr Alltag ist durch die Dienstleistungen der "Maschine" perfekt geregelt. Ohne das Bedürfnis nach persönlichen Begegnungen kommunizieren sie nur über elektronische Hilfsmittel, die maximal miteinander vernetzt sind. Alles Körperliche, alles Sinnliche wird durch synthetische Substitute ersetzt. Das Handbuch der Maschine ist zu ihrer Bibel geworden. Doch nach und nach geht das Wissen, das hinter der omnipotenten Technik steckt, verloren. Die dehumanisierte Menschheit ist gefangen in ihrer Abhängigkeit von einer denkenden Apparatur, die sie nicht mehr kontrollieren kann.

  • Nominiert für: Deutscher Hörspielpreis der ARD
  • Nominiert für: Deutscher Hörspielpreis - Beste schauspielerische Leistung
  • Nominiert für: ARD Online Award - Publikumspreis

Der Hamburger Autor, Komponist, Musiker und Hörspielmacher Felix Kubin haucht der 1909 veröffentlichten, allegorisch-leichtfüßigen Prophezeiung neues Leben ein. Anders als E. M. Forster lässt Kubin die Maschine nicht nur summen, er verleiht ihr Stimmen und lässt sie in diesem Hörspiel eine Antwort auf ihre Konstrukteure, die Menschen, formulieren:

"Die Maschine als technologische Mutter muss an einem bestimmten Punkt ihre Parasiten abwerfen, um sie wieder in einen erwachseneren Zustand zu versetzen, sie zurück ‚in die Welt‘ zu werfen. Etwas, das für uns im Internetzeitalter sehr wichtig ist. In den 1960er und 1970er Jahren haben wir das Experiment mit dem Körper, der Sexualität, der Politik schon sehr weit getrieben. All das entwickelt sich gerade zurück und verkümmert. Das Leben im kuscheligen Caffe-Latte-Universum mit permanenter Musik-, Porno- und Filmversorgung (und Lieferservices) verhindert jede Auseinandersetzung mit der Welt draußen, die dann nur noch in Form von Explosionen auf sich aufmerksam machen kann." (Felix Kubin)

  • Öffentliche Vorführung: Donnerstag, 8. November, 11 Uhr, ZKM_Kubus, in Karlsruhe
  • Nach der anschließenden Jurydiskussion findet das Frageforum statt

Edward Morgan Forster, geboren am 1. Januar 1879 in London und am 7. Juni 1970 in Coventry gestorben. Der Romanautor, Kurzgeschichtenautor, Essayist und Librettist wurde mehrfach für den Literaturnobelpreis nominiert. Zu seinen bekanntesten Werken gehören "Ein Zimmer mit Aussicht", "Howards End" und "Eine Passage nach Indien". Seine dystopische Erzählung "Die Maschine steht still" ist jüngst im englischsprachigen Raum von den Lesern wiederentdeckt worden und liegt seit 2016 in einer neuen deutschsprachigen Übersetzung vor.


Jakob Nolte. | Bildquelle: Tobias Willmann

Autor Felix Kubin

Felix Kubin, geboren 1969 in Hamburg. Komponist, Hörspielmacher, Autor und Medienkünstler. Arbeitet zwischen futuristischer Popmusik, zeitgenössischer Kammermusik, Lecture Performances und ARD-Hörspielproduktionen. Von 2013 bis 2015 Dozent für "Experimentelles Sounddesign und Filmmusik" an der HFBK Hamburg. Neben zahlreichen Tonträgerveröffentlichungen, Workshops und Vorträgen im In- und Ausland schrieb Felix Kubin Musik für Filme und Theaterproduktionen. Produziert und schreibt seit 2001 Hörspiele für den WDR, BR, DLR, SWF und das ORF Kunstradio. 2011 gewann er den Prix Phonurgia Nova Preis in Paris für sein experimentelles Hörspiel "Säugling, Duschkopf, Damenschritte". 2012 wurde sein Stück "Orphée Mécanique" zum Hörspiel des Jahres gewählt und gewann 2014 den Deutschen Hörbuchpreis.


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Stand: Mon Nov 12 18:10:18 CET 2018 Uhr

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