Asylcafé Meßstetten

Flüchtlinge, ihre Familie und das Internet

"Die Verbindung wird hergestellt ..."

Katharina Thoms

Flüchtlinge trennen häufig tausende von Kilometern von ihren Familien und Freunden. Einfach telefonieren? Das ist teuer und wegen schlechter Verbindungen oft gar nicht möglich. Das Asylcafé Meßstetten bietet Flüchtlingen Zugang zum Internet und ermöglicht ihnen so ein Stück Heimat in der Fremde.

Besucher im Asyl-Café Meßstetten. | Bildquelle: Katharina Thoms

Der junge Somalier Dahir sitzt auf einer frisch gezimmerten Holzbank und schaut auf sein Smartphone. Um ihn herum ein ähnliches Bild: Junge Männer auf einem Mäuerchen, Familien auf dem Rasen, ältere Männer auf einer Treppe. Einige haben einen Tee in der Hand. Fast alle ihr Smartphone.

Neben Dahir sitzt eine junge Frau. Selma lacht verlegen und wendet sich wieder ihrem Handy zu. Eine Freundin, sagt der Somalier. Sie haben sich hier in Meßstetten kennen gelernt. Gestern sind sie angekommen in der Landeserstaufnahmestelle für Flüchtlinge auf der Schwäbischen Alb.

Den Ort zum Surfen haben beide schnell gefunden: Hier im Begegnungszentrum schenken Ehrenamtliche nicht nur Kaffee und Tee aus. Im Asylcafé gibt es seit kurzem auch freies WLAN für die Flüchtlinge. Eine große Erleichterung - denn viele haben keine deutsche SIM-Karte. Telefonieren und surfen übers mobile Netz ist teuer. Aber selbst wenn sie es tun: Das Netz hier oben ist schlecht, erzählt Dahir.

Kontakt per Smartphone

Ohnehin schreibt Dahir lieber: "Beim Telefonieren versteht man so gut wie nichts. Ich nutze vor allem Viber, um mit meiner Familie in Kontakt zu bleiben". Viber funktioniert wie der Kurznachrichtendienst Whatsapp. Auch seine Familie ist aus ihrer Heimatstadt Mogadischu geflohen, sie leben aber noch in Somalia.

Regelmäßig meldet sich der 22-Jährige bei seiner Mutter. "Wenn ich nicht jeden Tag mehrmals schreibe, macht sich meine Mama Sorgen", sagt er lächelnd. Auch Dahir macht sich Sorgen, seine Mutter ist krank. Über die Kurznachrichten erfährt er wenigstens ein bisschen, wie es ihr geht. "Wenn ich etwas von ihr lese, geht es mir besser.“

Computer im Dauereinsatz

Seit es das freie WLAN im Café gibt, ist es im Keller der Asyl-Begegnungsstätte ruhiger, erzählt Ralf Greiner, Soldat im Ruhestand und ehrenamtlicher Helfer. Er hat dort im ehemaligen Soldatenheim ein Internetcafé eingerichtet. Als die Landeserstaufnahmestelle Meßstetten aufgemacht hat, war klar: Greiner ist der IT-Mann. "Bei der Bundeswehr war mir in manchen Phasen etwas langweilig im Büro. Da hab ich alle Computerlehrgänge an Land gezogen, die es nur gab", lacht Greiner.

Für das Internetcafé hat er vom Pfarrer in Meßstetten sechs alte Computer bekommen - gespendet von der Senioren-Computergruppe. Inzwischen stehen zehn fast neue Rechner, Monitore und Webcams im Keller. Ein Helfer aus dem Asylcafé hat sie zur Verfügung gestellt.

Die Computer sind im Dauereinsatz: Fast jeden Tag hat das Asylcafé geöffnet. Fast jeden Tag ist auch Ralf Greiner hier. Ein bisschen wie früher: Er war hier in der Kaserne in Meßstetten stationiert. Jetzt kommt er als Rentner und Ehrenamtlicher trotzdem jeden Tag - nur eben in zivil.

Auch Dahir und seine Freundin kommen am späten Nachmittag in den Kellerraum der Begegnungsstätte. Hier an den stationären Rechnern könne man noch besser ins Internet gehen, haben sie gehört.

Stand: 04.10.2015, 00.00 Uhr

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