Christian Steiner im Interview

Christian Steiner mit der Augmented-Reality-Brille HoloLens auf dem Kopf. | Bildquelle: Christian Steiner

Christian Steiner - "Tech"

"Ich glaube an den Fortschritt"

Christian Steiner glaubt an Technologie und den damit verbundenen Fortschritt. Im Interview erzählt er, wie sein Glaube ihn antreibt und wie Menschen auf ihn als "Tech" reagieren.

Herr Steiner, woran glauben Sie?

Christian Steiner: Tatsächlich glaube ich an Vieles.  An die Menschheit, an Nächstenliebe, daran, dass positives Denken zu positiven Ergebnissen führt.  Aber wenn ich mich entscheiden müsste, welcher „Glaube“ mein Leben in der Vergangenheit, heute und in Zukunft nachhaltig beeinflusst, ist es wohl mein Glaube an Technologien und der damit verbundene Fortschritt. Ich glaube, es ist entscheidend für unsere Zukunft, wenn der Mensch die entscheidendere Rolle von Technologien in unserem Alltag akzeptiert, beherrscht und möglicherweise irgendwann adaptiert. Vielleicht in der Form von biomechanischen Implantaten oder sogar einer direkten Schnittstelle zwischen Gehirn und Computer.


Zur Person

Christian Steiner ist Mit-Gründer eines Startups für Virtual- und Augmented-Reality-Technologien. Seine Arbeit ist seine Leidenschaft. Durch seinen Glauben an Technologie trifft er auf die unterschiedlichsten Menschen - in der virtuellen und in der "echten" Welt.

Wie sind Sie zu ihrem Glauben gekommen – und wann?

Als Kind, das 1985 geboren wurde, habe ich sowohl die analoge Welt als auch den starken Wandel in das digitale Zeitalter miterlebt. Mein Berufsbild ging schon immer in Richtung „Tech“. Mein Alltag war schon früher geprägt von neuen, teilweise unerprobten - und zugegeben später oft sinnlosen - Technik-Spielereien. Angefangen von ersten Sprachsystemen in den 1990ern, Computersteuerung über Muskelbewegung bis hin zu nicht funktionierenden Gehirn-Schnittstellen. Ich musste schon immer alles kaufen und ausprobieren. Es war also eher ein schleichender Prozess, hin zu einem Glauben an Technologie. 

Welche Rolle spielt Ihr Glaube - im Alltag, im Leben, im Beruf?

Er treibt mich an. Als Mit-Gründer eines Startups in einer aktuell noch sehr jungen Technologiebranche, der Virtual- und Augmented-Reality, ist es zu meiner Leidenschaft geworden, an Prozessen und Ideen mitzuwirken, die den Menschen zukünftig vollständig verändern könnten. Beruf und Alltag sind eins geworden und es fühlt sich für mich nicht mehr wie arbeiten an. Auch mein Freundeskreis besteht inzwischen größtenteils aus Menschen , die mein Interesse teilen oder zumindest verstehen. Ich lebe meinen Glauben also mit jedem Atemzug. Und das, denke ich, macht einen festen Glauben und das eigene Wohlbefinden aus.

Welche Reaktionen bekommen Sie von Menschen?

Ich wurde letztens im Kindergarten darauf hingewiesen, dass meine Tochter eine kleine Auseinandersetzung mit den anderen Kindern hatte. Meine Tochter hatte gesagt, ihr Vater arbeitet „mit einer Brille im Computer“ und die anderen Kinder korrigierten sie mit den Worten „du meinst am Computer“, was meiner Tochter vehement verteidigte. Ich verstand, wie schwierig es für Außenstehende ist, das zu verstehen. Auch Erklärungen, warum man sich zu einem so frühen Zeitpunkt mit diesen Technologie-Themen beschäftigt, die viele vielleicht noch gar nicht kennen, führen manchmal zu Stirnrunzeln auf der Gegenseite. Aber das ist nicht schlimm. Mir macht es Spaß, die Menschen für mein Leben und meinem Glauben zu begeistern. Dabei entstehenden sehr wertvolle Gespräche, auf die ich nie wieder verzichten möchte.

In welchen Momenten zweifeln Sie an Ihrem Glauben oder hadern mit ihm?

Immer dann, wenn moderne Technologie dafür eingesetzt wird, Menschen zu verletzen. Das können Waffen sein oder, wie man es öfter erlebt, Cybermobbing in den sozialen Netzwerken. In solchen Momenten frage ich mich, wie wir als Menschheit es zukünftig schaffen, nicht an solchen Rückschlägen zugrunde zu gehen, sondern an den fantastischen Seiten des technologischen Fortschritts festhalten und daran zu wachsen. Ein Problem, das vermutlich in jedem Glauben ein großes Thema ist.

Erzählen Sie uns von einem besonderen Glaubenserlebnis!

Das ist schwer, es gibt so viele davon. Eines der ersten Erlebnisse hatte ich wohl beim Aufkommen des Internets. Meine ersten Online-Chaterfahrungen Mitte der 1990er haben mich nachhaltig geprägt. Ich habe mit Personen Freundschaften geschlossen, die ich wegen der großen Entfernung sonst nie hätte kennenlernen können. Man hat gelacht, geweint, sich gegenseitig Kraft gegeben und manchmal auch gestritten. Das hat mir früh gezeigt, welche Kraft neue Technologien in sich haben, um Menschen auf eine völlig neue Art zu verbinden. Und genau diesen Moment durfte ich in völlig neuer Form vor kurzem erneut erleben, als ich mich mittels „Virtual Reality Brille“ in einem virtuellen Raum mit digitalen Abbildern von Freunden treffen durfte, die irgendwo auf dieser Welt leben. Der Moment war so emotional, das ich Freudentränen in den Augen hatte. Ich bin gespannt, wohin mich mein Glaube noch bringt. Was ich nicht noch alles miterlebe und vielleicht sogar positiv mit beeinflussen kann. 

Das Interview führte Carolin Albrand. 

Stand: 17.06.2017, 14.53 Uhr

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