Interview mit Cathrin Schuhmann

Cathrin Schuhmann - Christin

"Gott wartet in keinem Raum auf mich"

Cathrin Schuhmann hat die christlichen Werte wiederentdeckt, nachdem sie sich in ihrer Jugend von der Kirche distanzierte. An einen Gott, wie er in der Bibel steht, glaubt sie trotzdem nicht.

Cathrin Schuhmann im Interview. | Bildquelle: ARD/ Cathrin Schuhmacher

Frau Schuhmann, woran glauben Sie?

Cathrin Schuhmann: Ich glaube, dass Gott überall ist und dass er nicht in irgendeinem Raum auf mich wartet. Von daher glaube ich nicht an die Institution Kirche. Aber ich glaube, dass es etwas gibt, das über uns wacht und ein Stück weit lenkt, was wir tun. Etwas, das wir nicht sehen können, nicht riechen können, nicht spüren können.

Wie sind Sie zu Ihrem Glauben gekommen – und wann?

Das kam erst spät. Nach dem Konfirmationsunterricht hatte sich das Thema Glaube für mich erledigt. Ich bin aus dem Religionsunterricht ausgetreten und habe erst mal Ethik belegt. Das fand ich damals total cool. Erst mit Mitte 20 habe ich erkannt, dass ich in meinem Leben etwas haben möchte, an das ich glaube. Und das tut mir einfach gut. 


Zur Person

Cathrin Schuhmann kommt aus Hessen. Im Zentrum ihres Glaubens steht die Nächstenliebe. In ihrem Job als Sachbearbeiterin für Datenmanagement arbeiten sie mit den unterschiedlichsten Menschen zusammen. Ihren Glauben lebt sie jeden Tag, indem sie anderen Menschen offen, empathisch und mit Respekt begegnet.

Welche Rolle spielt Ihr Glaube - im Alltag, im Leben, im Beruf?

Mein Glaube an sich spielt keine Rolle. Aber die christlichen Werte sind für mich wieder mehr in den Vordergrund gerückt, dass ich mir mehr Gedanken über Nächstenliebe mache. Das äußert sich zum Beispiel so, dass ich meinen Kopf nicht gnadenlos durchsetze, sondern mir Gedanken mache, wie sich mein Gegenüber dabei fühlt.  

Welche Reaktionen bekommen Sie von Menschen?

Ich bekomme von außen eigentlich nur positives Feedback. Leute spüren die Empathie, die man ihnen entgegen bringt. Das schafft Raum für Gespräche und der andere fühlt sich wohl.  

In welchen Momenten zweifeln Sie an Ihrem Glauben oder hadern mit ihm?

Wenn schwer erkrankte Menschen gegen ihre Krankheit kämpfen, leiden und den Kampf dann trotzdem verlieren. Wenn Kinder sterben. Menschen keinen Ausweg aus Ihrem Leid sehen und keinen Vertrauten finden, der ihnen einen Weg zeigt. Die Liste ist lang...

Erzählen Sie uns von einem besonderen Glaubenserlebnis!

Das ist schwer zu sagen. Es sind oft kleine Dinge und Momente. Vermeintlich schwierige Situationen und Gespräche, die sich dann als viel leichter herausstellen als gedacht. Oder im Straßenverkehr: Der Moment, im dem man schon mit einem Unfall rechnet und dann doch noch alles gut geht.

Das Interview führte Carolin Albrand. 

Stand: 15.06.2017, 11.08 Uhr

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