Interview mit Thomas Hitzlsperger

Thomas Hitzlsperger. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Ex-Profi Thomas Hitzlsperger

"Weiterhin Aufklärungsarbeit leisten"

Der ehemalige Fußball-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger bekannte sich im Januar offen zu seiner Homosexualität. Im Interview mit ARD.de spricht Hitzlsperger über Toleranz und die weiterhin notwendige Aufklärungsarbeit.

ARD.de: Was ist für Sie Toleranz?

Thomas Hitzlsperger: Toleranz ist die Bereitschaft, auf unerwartete Meinungen und Verhaltensweisen objektiv zu reagieren.

Bei welcher Gelegenheit haben Sie sich zum letzten Mal tolerant gezeigt?

Ich übe täglich. Das letzt Mal bot die Lufthansa reichlich Gelegenheiten, als sie treuherzig "für Ihr Verständnis" dankte.

Wann waren Sie das letzte Mal intolerant?

Ich habe finster reagiert, als ich einen telefonischen Akquisitionsversuch zur Unzeit bekam.

Kann man Toleranz lernen?

Selbstverständlich. Man kann und soll das auch. Das fängt im Elternhaus an. Aber man kann es auch wieder verlernen.

Wo fehlt es in unserer Gesellschaft besonders an Toleranz?

Da könnte man vieles aufzählen. Am schlimmsten finde ich, dass mancher intolerantes Verhalten ausdrücklich lobt.

Ist Männerfußball ein intoleranter Sport?

Der Meinung bin ich nicht. Er verbindet sogar Menschen auf der ganzen Welt. Es gibt aber weiterhin Aufklärungsarbeit zu leisten.

Ihr Coming Out im Januar war das Thema Anfang des Jahres. Wenn Sie heute an die Zeit zurückdenken, wer war nach ihrem Eindruck lauter bzw. stärker: die Menschen, die sie unterstützt haben oder die intoleranten Ewiggestrigen?

Eindeutig die Unterstützer und Befürworter. Dafür war ich sehr dankbar.

Das Interview führte Karola Kallweit.

Stand: 12.11.2014, 17.00 Uhr

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