Interview mit dem Agnostiker Karl-Hasso Strauch

Ein Fahrrad mit Weinfalsche im Trinkfalschenhalter in Rom. . | Bildquelle: ARD

Karl-Hasso Strauch - Handwerker und Agnostiker

"Jesus sah doch auch aus wie ein Hippie"

Karl-Hasso Strauch glaubt an das Leben. Der Agnostiker erzählt im Interview, wie er seinen Glauben gefunden hat und wie eine positive Einstellung sein Leben prägt.

Karl-Hasso Strauch. | Bildquelle: ARD

Herr Strauch, woran glauben Sie?

Karl-Hasso Strauch: Ich glaube an das Leben. Ich weiß nicht, ob ich nicht einfach nur eine positive Einstellung zum Leben habe, aber ich glaube, wenn man offen durch das Leben läuft und das Leben annimmt, bekommt man auch Positives zurück.

Eine Religion habe ich nicht. Vielleicht bin ich einfach kein gottesfürchtiger Mensch. Ich gestalte mir mein Leben selbst. Aber wenn ich mir eine Religion aussuchen müsste, wäre das wohl der Buddhismus. Ich glaube zumindest an die Entwicklung des Geistes – dass ich nicht stehenbleibe und mich immer weiterentwickle.

Wie sind Sie zu Ihrem Glauben gekommen – und wann?

Vermutlich in der Pubertät. In der Zeit macht man sich Gedanken darüber wer man ist, was man möchte und wohin man überhaupt will. Zuerst habe ich mich Taufen lassen. Ich war auf der Suche nach einem Glauben – aber habe ihn in der Kirche nicht gefunden. Es wirkte damals alles so scheinheilig auf mich. Einige der mir bekannten Kirchgänger, die sich stark in der Kirche einbrachten, haben krampfhaft versucht, etwas Gutes zu tun – um am Ende [vor Gott] etwas vorzeigen zu können. Dabei hatten sie für ihr direktes Umfeld keine Nächstenliebe und kein Mitgefühl übrig. 


Zur Person

Karl-Hasso Strauch lebt in der Nähe von Frankfurt. Der gelernte Schreiner bezeichnet sich selbst als Agnostiker und glaubt an das Leben. In seinem Alltag lebt er Offenheit, Toleranz und Nächstenliebe, die er bislang in keiner Religion finden konnte.

Welche Rolle spielt Ihr Glaube - im Alltag, im Leben, im Beruf? Welche Reaktionen bekommen Sie von Menschen?

Eine positive Einstellung wirkt sich auf Alles aus. Wenn ich schlechte Laune habe, ist der Tag schlecht, ich werde gereizt und man begegnet mir dementsprechend. Steht man morgens mit einem Lächeln auf, ist alles viel leichter. Die Mitmenschen kommen einem dann entgegen und sind offener. Ich glaube, dass alles, was man gibt, auch wieder zu einem zurückkommt.

In welchen Momenten zweifeln Sie an Ihrem Glauben oder hadern mit ihm?

An meinem jetzigen Glauben oder viel mehr an meiner Lebenseinstellung zweifele ich nicht. Ich habe immer wieder Zweifel an der Auslegung von Religionen. Es kann nicht im Sinne eines Gottes sein, dass sich Menschen gegenseitig erschlagen, bloß weil sie sich als Christen, Juden oder Muslime unterscheiden. Dabei glauben sie doch alle. Vertreter der Religionen sollten mehr tun, um zwischen ihren Anhängern zu vermitteln. Ein Glaube sollte Menschen verbinden und nicht spalten. 

Erzählen Sie uns von einem besonderen Glaubenserlebnis!

Ich war mit Freunden nacheinander auf dem Metalfestival in Wacken und auf dem Kirchentag. Auf dem „Wacken“ überraschte uns, wie offen und freundlich die Leute zueinander waren. Jeder wurde so akzeptiert, wie er ist. Der Metaller mit den langen Haaren und der kaputten Hose steht neben dem älteren Herrn in voller Tracht und Hut und beide freuen sich über die Musik. Anschließend haben wir einen Freund auf dem Kirchenfest besucht. Wir hatten nur Probleme. Dabei sah Jesus doch auch aus wie ein Hippie.  

Das Interview führte Carolin Albrand. 

Stand: 14.06.2017, 09.26 Uhr

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