Deutschlands Osten - ein Land ohne Glauben? - Teil 4

Eine Bestandsaufnahme in Zahlen

Glaube, Frauen und Familienmodelle

Wer glaubt, hat oft ein traditionelles Verständnis von Familie und lebt dieses auch. Einigkeit herrscht hier in Ost und West trotz der unterschiedlich starken kirchlichen Bindung, dass die Familie sehr wichtig ist. Im Westen galt dies 2012 für 87 Prozent (1991 für 81,9 Prozent) und im Osten stimmten 89,8 Prozent dieser Aussage zu (1991 waren es sogar 90,9 Prozent).

Bei der Frage nach der Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau offenbaren sich aber große Ost-West-Unterschiede. Der weitgehend konfessionslose Osten lehnt das Modell ab, wonach der Mann mit seiner Erwerbsarbeit die Familie ernährt und die Frau sich um den Haushalt und die Kinder kümmert, höchstens mit stundenweiser Beschäftigung ein bisschen dazuverdient. Diese Einstellung entspricht der gelebten Wirklichkeit, denn im Osten liegt der Anteil erwerbstätiger Frauen deutlich höher als im Westen. Mit Ausnahme von Berlin weisen alle ostdeutschen Landkreise und kreisfreien Städte eine Frauenbeschäftigungsquote von zwischen 55 und 65 Prozent auf. Spitzenreiter ist der Kreis Hildburghausen mit 67,1 Prozent – und das, obwohl hier nur rund jeder zweite Einwohner konfessionslos ist!

Dass die Erwerbstätigkeit von Frauen allerdings nicht nur eine Frage der Konfession ist, zeigt auch die für Westdeutschland überdurchschnittliche Beschäftigungsquote in fast ganz Bayern und Baden-Württemberg. In den anderen alten Bundesländern sinkt die Frauenbeschäftigungsquote umso mehr, je weiter man nach Westen kommt.

Geschlechterrollen und Familienkonzepte

Zurück zur Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern. Der Osten zeichnet sich in diesem Punkt weiter dadurch aus, dass sich die Männer immer schon mehr an der Kindererziehung und der Hausarbeit beteiligt haben als ihre Geschlechtsgenossen im Westen. Paare im Osten teilen sich die Familienarbeit mehr und die verschiedenen Tätigkeiten werden weniger streng einem Geschlecht zugeordnet.

Insgesamt zeigen sich die Ostdeutschen auch in der Einstellung zu Familienformen offener als die Westdeutschen. Während unverheiratete (Eltern-)Paare im Vergleich zu dem klassischen verheirateten heterosexuellen Paar gleich gut abschneiden (37,2 Prozent Zustimmung im Westen, 38,3 Prozent im Osten), bewerten die Ostdeutschen die Kompetenz Alleinerziehender und gleichgeschlechtlicher Eltern besser als die Westdeutschen. In beiden Teilen Deutschlands wird diesen Elterngruppen aber deutlich weniger Erziehungsvermögen zugetraut als den heterosexuellen Paaren – ob nun mit oder ohne Trauschein.

Stand: 11.06.2017, 10.55 Uhr

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