Deutschlands Osten - ein Land ohne Glauben? - Teil 8

Eine Bestandsaufnahme in Zahlen

Staatliches und kirchliches Engagement bei Bildung und Krankenhäusern

Mit dem Mauerfall endete in der DDR auch die Zeit des sozialistischen Bildungssystems. Neue Schulformen etablierten sich und kirchliche Schulträger betraten die Bühne. Auch bei der Führung von Krankenhäusern weiteten die Kirchen ihr Engagement aus.

Staatliche und kirchliche Schulen

Die Zahl der Schulen in staatlicher Trägerschaft geht in ganz Deutschland stark zurück. Dagegen steigt die Anzahl der Bildungseinrichtungen, die von privaten oder kirchennahen Unternehmen geführt werden. In den neuen Bundesländern (außer Berlin) gab es vor 1994 noch 8.692 öffentliche Schulen und 46 konfessionell geführte. Zum Schuljahr 2016/17 waren 224 der 4.070 Schulen in kirchlicher Trägerschaft. Die Tendenz ist steigend.

Sachsen, Thüringen und Brandenburg heben sich in der Anzahl der konfessionellen Schulen deutlich von Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ab. In Thüringen stehen 793 staatlichen Schulen immerhin 54  Bildungseinrichtungen in  kirchlicher Trägerschaft gegenüber. In Sachsen-Anhalt lernen die Schüler an 767 staatlichen Schulen, dem gegenüber stehen nur acht katholische und 13 evangelische Schulen.

Der  Anteil an den kirchlichen Bildungseinrichtungen im Osten ist seit 1994 also deutlich gestiegen. Und das, obwohl die Kirchen nach der Wende tausende Mitglieder verloren hat. Das kirchliche Engagement in den Schulen steht angesichts der geringen Anzahl von Kirchenmitgliedern in keinem Verhältnis. Finanziert werden die kirchlichen Bildungseinrichtungen nahezu komplett mit öffentlichen Geldern.

Hintergrund dieser Entwicklung ist, dass staatliche Schulen durch festgelegte Klassenstärken in die Bredouille kommen und oftmals wegen fehlender Schülerzahlen geschlossen werden müssen.  Private wie kirchliche Träger schließen einen Teil dieser Lücke. Dem Staat kommt das finanziell günstiger als eine eigene öffentliche Trägerschaft. Außerdem sollen private wie kirchliche Schulen den Eltern und ihren Kindern alternative Lernkonzepte anbieten können.

 

Staatliche und kirchliche Krankenhäuser

Eine ähnliche Entwicklung ist bei den Krankenhäusern zu verzeichnen. Allerdings starteten die neuen Bundesländer hier nicht bei Null. 1989 gehörten in der DDR 75 der 539 Krankenhäuser den Kirchen. Das waren damals 14 Prozent.

Inzwischen sind in den neuen Bundesländern (außer Berlin) von 266 Krankenhäusern 60 in kirchlicher Trägerschaft. Das sind rund 23 Prozent. Bundesweit befindet sich jede dritte stationäre Einrichtung in der Trägerschaft christlicher Organisationen, insgesamt 600.

Stand: 11.06.2017, 10.55 Uhr

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