Deutschlands Osten - ein Land ohne Glauben? - Teil 9

Eine Bestandsaufnahme in Zahlen

Glauben und Schwangerschaft

Kein Sex vor und außer der Ehe! – könnte man, etwas überspitzt, auf ein kirchliches Gebot schließen. Auch beim Thema Abtreibungen scheint ein Zusammenhang mit der kirchlichen Bindung zu bestehen.

Uneheliche Geburten

Die Zahl unehelich geborener Kinder nimmt in ganz Deutschland seit Jahrzehnten zu. Allerdings zeigen sich bei der Häufigkeit deutliche Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland. 1990 waren in den alten Bundesländern nur zehn Prozent der Eltern bei der Geburt ihres Kindes nicht verheiratet. Dagegen wurde in den neuen Ländern jedes dritte Kind unehelich geboren. 

14 Jahre später ist die Anzahl von Eltern ohne Trauschein in Ost und West gestiegen. Die neuen Bundesländer liegen aber weiter deutlich vorn. Mehr als die Hälfte (59 Prozent) der Kinder werden unehelich geboren. Das sind prozentual doppelt so viele wie im Westen (29 Prozent).

Spitzenreiter bei den nichtehelichen Geburten im Osten ist die Stadt Brandenburg mit 70 Prozent - vor Gera, Frankfurt (Oder) und Cottbus. Nur im katholisch geprägten Landkreis Eichsfeld in Thüringen haben weniger als 50 Prozent der Kinder unverheiratete Eltern. Im Westen wurden die meisten Kinder in Norddeutschland unehelich geboren.

Ein Grund für den großen Anteil an unehelichen Kindern im Osten könnte die fehlende kirchliche Bindung sein. So haben werdende Eltern ohne Trauschein in Ostdeutschland viel weniger Probleme im familiären (und kirchlichen) Umfeld zu befürchten als im Westen.

Teenagerschwangerschaften

Ein ähnliches Bild wie bei unehelichen Geburten lieferte auch der Vergleich zwischen Teenagerschwangerschaften und der Zugehörigkeit zu einer Kirche. Dabei fiel auf, dass der Anteil an jungen Frauen, die vor ihrem 20. Geburtstag schwanger wurden, in Regionen mit einem hohen Anteil Konfessionsloser höher ist. In den neuen Bundesländern gilt das für viele Regionen in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.

Allerdings verhindert Glaube allein wohl keine Teenagerschwangerschaft. In einigen katholisch geprägten Regionen in Westdeutschland brachten auch überdurchschnittlich viele junge Mütter Kinder zur Welt. Im bayerischen Straubing sind beispielsweise mehr Teenagerschwangerschaften als im anhaltinischen Bitterfeld-Wolfen registriert worden.

Schwangerschaftsabbrüche

Auch beim Thema Abtreibung scheinen christliche Werte eine Rolle zu spielen. Wer glaubt, lehnt Abtreibungen in der Regel ab. Die Kluft in dieser Frage ist zwischen den alten Bundesländern und dem atheistisch geprägten Osten groß. Geht es etwa um die Frage, aus welchem Grund eine Frau eine Schwangerschaft beenden dürfen sollte, erreicht der Westen nur bei „Nach Vergewaltigung“ eine ähnlich hohe Zustimmung wie im Osten (88,5 Prozent im Vergleich zu 95,6 Prozent). Für andere Abtreibungsgründe liegt die Akzeptanz bei den Ostdeutschen im Schnitt um ca. 20 Prozentpunkte höher als im Westen.

Stand: 11.06.2017, 10.55 Uhr

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