Themenwochen-FAQs: Antworten auf Fragen rund um das Thema Glück - Teil 2

Mutter und Kind umarmen sich. | Bildquelle: colourbox.com

Fragen rund um das Glück

Gemeinschaftliches Glück: Wir sind nicht allein - im Glück wie im Unglück

Annika Franck

Menschen definieren sich auch durch ihre Mitmenschen, soziale Beziehungen bestimmen unseren Alltag. Welche Faktoren spielen dabei eine besonders wichtige Rolle?

Wir vergleichen uns mit anderen - ist das der Weg zum Glück oder ins Unglück?

 Vergleiche spielen für die Menschen eine große Rolle - "wir kommen gar nicht darum herum, uns zu vergleichen", betont der Finanzwissenschaftler Ronnie Schöb von der Freien Universität Berlin. Wer etwa ein hohes Einkommen hat, freut sich daran, dass sein Nachbar weniger verdient. Den Nachbarn wiederum könnte glücklich machen, dass er sportlich dem Vielverdiener einiges voraus hat. Die Kehrseite: Viele Menschen haben mit Neid zu kämpfen. Doch das, betonen zahlreiche Experten, muss nicht sein, sie raten zu einem Perspektivwechsel: "Wer trotz guter körperlicher, seelischer und materieller Verhältnisse unglücklich ist, sollte lernen, die alltäglichen Dinge genussvoll zu erleben", sagt der Psychologe Günter Scheich. Ähnliche Glücks-Tipps gibt auch Buchautor Florian Langenscheidt: "Wir neigen dazu, den großen Zielen nachzufragen, und verlieren dabei die Achtsamkeit für kleine Momente." Besser sei es, eine Position der Dankbarkeit anzunehmen statt der des Neides.


"Wir entscheiden selber, ob wir dem Glück eine Chance geben"

Interview mit Florian Langenscheidt, Verleger und Glücksbuch-Autor | mehr

Wann macht Arbeit glücklich?

 Eine Studie des arbeitgebernahen Roman Herzog Instituts hat ergeben, dass eine befriedigende Tätigkeit und/oder Erwerbstätigkeit deutlich zum Wohlbefinden der Menschen beiträgt. "Allerdings gilt nicht: Je mehr Arbeit, desto glücklicher", betont Randolf Rodenstock, Unternehmer und Vorstandsvorsitzender des RHI. Denn prozentual seien mehr Teilzeitbeschäftigte glücklich und zufrieden als Menschen mit einem Vollzeit-Arbeitsplatz. Die Sinnhaftigkeit der Tätigkeit spiele eine große Rolle. Bemerkenswert sei auch, so Rodenstock, dass Menschen, die sich zwischendurch eine Auszeit genommen haben, besonders zufrieden sind.

Roman Herzog Institut: Glücksfaktor Arbeit l www

Institut der Deutschen Wirtschaft: Wann macht Arbeit zufrieden? l www

Können Menschen alleine glücklich werden?

Zwar gibt es Menschen, die für eine gewisse Zeit auf einer einsamen Insel glücklich werden können. "Aber das ist schon sehr selten", meint der Verleger und Glücksbuch-Autor Florian Langenscheidt. "Freundschaften und soziale Netze sind sehr wichtig", betont er. Experten sind sich einig, dass Menschen soziale Wesen sind und soziale Beziehungen erheblich zu Zufriedenheit und Glück beitragen. Und das sei in allen Kulturen so, betont der Anthropologe Christoph Antweiler von der Universität Bonn.


"Andere Völker sind auch nicht glücklicher als wir"

Interview mit dem Ethnologen Christoph Antweiler | mehr

Wie kann man mit kleinen Dingen große Wirkung entfalten?

"Die Aufmerksamkeit auf kleine Dinge ist enorm wichtig", betont Buchautor Florian Langenscheidt. Hirnforscher hätten nachgewiesen, dass schon nach zwei Monaten Yoga oder Meditation sich das Angstzentrum im Gehirn verkleinert. Glücklich macht aber nicht nur das Gut-sein zu sich selbst. Studienergebnisse deuten darauf hin, dass ein gewisser Altruismus, wenn wir also anderen eine Freude bereiten, ebenfalls uns selbst gut tut. "Es scheint paradox, aber man tut mehr fürs eigene Glück, wenn man sich primär um das Glück anderer kümmert", betont Langenscheidt. Um das eigene Glück und das Glück seiner Mitmenschen zu steigern, gibt es in den USA beispielsweise die "Random Acts of Kindness", also die etwa wahllosen Handlungen der Freundlichkeit, bei denen man mit kleinen Gesten Glück schafft. Aus Großbritannien stammt die Seite "Action for Happiness", die ähnliche Ziele hat.

Kleine Dinge, große Wirkung (engl.) l www

Wie man sich selbst und andere glücklich macht (engl.)  l www

Wann macht Sex glücklich?

Die Antwort von Prof. Christoph Bamberger von der Hamburger Uniklinik klingt nicht überraschend: "Guter Sex macht glücklich", lautet sie. Wichtig sei eine grundentspannte Haltung, ohne Leistungsgedanken, "sonst kann Sexualität Männer wie Frauen sehr unglücklich machen", fügt der Mediziner von der Universität Hamburg hinzu. Denn Sex hat nicht für jeden Menschen die gleiche Bedeutung, jeder hat andere Bedürfnisse. Wichtig ist es also, das für sich richtige Maß zu finden - und sich möglichst frei zu machen von äußeren Vorgaben. Generell sei eine zufriedenstellende Sexualität vergleichbar mit andern Genüssen wie gutes Essen: Sie sind dem Glück förderlich, sorgen aber nicht wirklich für ein nachhaltiges Glücksempfinden.


"Andere haben keinen Sex - und sind genauso glücklich"

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Machen Kinder glücklich?

Bisher gibt es wohl keine eindeutigen Hinweise aus der Forschung darauf, dass Eltern glücklicher sind als Nicht-Eltern. Buch-Autor Florian Langenscheidt, selbst mehrfacher Vater, meint, "dass bei Eltern die Ausschläge größer sind: Es gibt Momente, in denen man sich sehr freut. Aber auch Perioden großer Angst und Sorge." 

Machen Kinder doch glücklich? (Studie des Sozio-ökonomischen Panels) l www

Bericht zur Lebenszufriedenheit von Müttern (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) l www

Kann Glück ansteckend sein?

Glück ist nicht ansteckend wie eine Krankheit. Aber: Glück kann mitreißen: "Das merkt man beispielsweise im Fußballstadion, beim Oktoberfest, oder in einer Diskothek", meint Glücksbuch-Autor Florian Langenscheidt.  Und auch hier gilt: Wir sind soziale Wesen, und wenn Menschen in unserem Umfeld gut drauf und glücklich sind, kann das durchaus abfärben - das zeigen auch wissenschaftliche Studien.   

Studie: Wie sich Glück in sozialen Netzen ausbreitet (engl.) l www 

Stand: 15.11.2013, 22.21 Uhr

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