Themenwochen-FAQs: Antworten auf Fragen rund um das Thema Glück - Teil 4

Figur auf Euro-Münzen. | Bildquelle: colourbox.com

Fragen rund um das Glück

Ökonomische Glücksfaktoren - wie und wo Geld und Glück zusammenhängen

Annika Franck

Immer wieder wird über die Frage diskutiert, ob Geld glücklich macht. Doch Glück und Geld haben noch mehr Verbindungen: Denn das Geschäft mit dem Glück verspricht gute Gewinne - aber wer profitiert davon?

Macht Geld glücklich?

Auch wenn viele Menschen meinen, sie wären mit mehr Geld glücklicher: Experten sind sich einig, dass Geld nicht glücklich macht. So berichtet die Anlageberaterin Mechthild Upgang, dass "sich auch Anleger mit großem Vermögen unsicher fühlen: wer viel Geld hat, klebt in der Regel daran", berichtet sie. Und das zeige sich besonders in unsicheren Zeiten wie der Euro-Krise. Der Finanzwissenschaftler Ronnie Schöb sieht das anders: "Geld macht glücklich", meint er: Reiche Nationen hätten eine höhere Lebenserwartung - und wer länger lebe, habe mehr Glücksjahre vor sich, ist der Professor überzeugt.


"Geld macht doch glücklich"

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"Mit Geld kann man sich Wahlmöglichkeiten kaufen - mehr Zeit beispielsweise, mehr Sicherheit, wenn man am Ende des Monats nicht auf den Cent schauen muss." Anlageberaterin Upgang sieht das anders, sie bezeichnet Geld als Bildnis, es sei Fiktion - und bekommt nur den Wert, den wir ihm beimessen: "Wenn ich einen 100-Euro-Schein habe, habe ich erst mal das Vertrauen, dass ich dafür einen Gegenwert erhalte. Wenn ich aber das Gefühl habe, dass dieses Vertrauen nicht mehr da ist, weil die Banken schlecht sind und ich der Politik nicht vertraue - dann ist dieses Geld auf einmal angstbesetzt." Dennoch gilt, dass man mit Geld immerhin eine gewisse Sicherheit erwerben, etwa gute Krankenversicherung oder eine Absicherung für das Alter."

Geld mindert existenzielle Ängste, mehr nicht", sagt Upgang. Bis zu einem gewissen Grad kann man sich mit Geld aber auch gewisse Freiheiten kaufen: "Nur der, dessen Existenz gesichert ist, kann es sich leisten, Nein zu sagen zu Aufgaben, die er nicht verantworten möchte", meint Götz Werner, Gründer der Drogeriemarkt-Kette dm.

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Wie viel Geld braucht man, um glücklich zu sein?

Einerseits sagen Experten, dass es sehr individuell ist, wie viel Geld ein Mensch zum Glücklichsein braucht. Wichtig scheint zu sein, dass man die finanziellen Möglichkeiten hat, um an dem sozialen Leben, das man führen möchte, teilnehmen zu können. Dabei kann es durchaus sein, dass Menschen mit 1.500 Euro netto im Monat glücklich und zufrieden sind. Eine These von Ökonomen lautet, dass Gesellschaften glücklich sind, wenn das Brutto-Inlands-Produkt (pro Kopf)  etwa 75.000 Euro beträgt. "Darüber hinaus steigt das Glücksgefühl nur noch wenig an", sagt der Finanzwissenschaftler Ronnie Schöb.


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Würde das bedingungslose Grundeinkommen unsere Gesellschaft glücklicher machen?

Götz Werner meint: Ja. Der Gründer der Drogeriemarkt-Kette ist prominentester Verfechter eines bedingungslosen Grundeinkommens. "Denn viel mehr Menschen könnten ihren Intentionen folgen und die Aufgaben ergreifen, in denen sie einen Sinn sehen." Werner steht auf dem Standpunkt, dass das Einkommen die Arbeit ermöglichen sollte - und nicht umgekehrt. Das Grundeinkommen sollte so hoch sein, "dass man bescheiden, aber menschenwürdig davon leben kann", so Werner. Ein Buch trägt den Titel "1.000 Euro für jeden". Diesen Betrag bezeichnet der Unternehmer aber lediglich als "Hausnummer".

Gegner des Grundeinkommens befürchten, dass die automatische Zahlung zur Untätigkeit verführe, weil sich Arbeit nicht mehr lohne.


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Sind Lottogewinner die glücklicheren Menschen?

Erst der Lottogewinn, dann der Absturz: Solche Geschichten beschreibt die Boulevard-Presse immer wieder. Fakt ist: Lottogewinner sind  nicht glücklicher. "Da ist es ähnlich wie mit unerwarteten Erben", berichtet Anlageberaterin Mechthild Upgang. "Sie konnten sich nicht auf den neuen Reichtum vorbereiten und wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen." Für viele Lottogewinner bedeutet der Geldsegen, dass sie sich einen Traum erfüllen können. Dennoch kann der unerwartete Reichtum Menschen aus ihrem sozialen Umfeld reißen - und das macht nicht automatisch glücklich.

Seminare, Coachings, Bücher, DVDs - wie glücklich macht das Geschäft mit dem Glück?

Das Glück ist überall - so scheint es, der Markt ist riesengroß. Macht uns das glücklicher? Eher nicht, meint der Psychologe und Psychotherapeut Günter Scheich: "Wenn Sie die Bücher mal lesen, was da für Erwartungen geweckt werden, was man angeblich alles erreichen kann - das sind unreife Ziele: wenn du nur richtig denkst, wirst du alles erreichen, dann wird dir jeder Wunsch erfüllt…" Dann werde das Geschäft mit dem Glück zum Problem. Überhaupt gehört Scheich zu den Skeptikern der positiven Psychologie. "Die Menschen brauchen nicht noch einen Anpeitscher für irgendwelche Glückszustände", meint er. Man müsse sich klar machen, dass man die Psyche nicht einfach durch irgendwelche Forderungen verändern könne. Zudem zeigten Untersuchungen, dass der Optimist früher sterbe als der Pessimist. "Vielleicht, weil der Optimist mehr Risiken eingeht", vermutet Scheich. "Wir müssen also auch aufpassen im Leben."

Pornoindustrie: Auch ein Geschäft mit dem Glück?

Pornographie ist ein Milliardengeschäft, und das Internet trägt zu Verbreitung und Konsum von Pornographie erheblich bei. Pornographie gehört zu den am meisten vertretenen Inhalten im Internet, wie eine Studie der Medienwissenschaftlerin Petra Grimm von der Hochschule für Medien in Stuttgart zeigt. Gut 97 Milliarden US-Dollar (gut 72 Milliarden Euro) werden schätzungsweise mit Pornographie umgesetzt, zwölf Prozent aller Webseiten weltweit enthalten pornographische Inhalte. Ein gutes Geschäft mit dem Glück also? Grundsätzlich schließen sich Pornographie und Glück aus, sagt Petra Grimm. "Pornographie basiert auf Distanz, Glück aber setzt eine gewisse seelische Verbindung voraus." Und das Geschäft mit der Befriedigung boomt. "Die Zahlen sind sehr vage", warnt Grimm, aber vor allem mit harter Pornographie im Internet werde viel Geld verdient.

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Wie wichtig ist Einkommensgerechtigkeit für das Glück?

Experten meinen, dass für die Menschen nachvollziehbar sein muss, warum der eine so viel verdient und der andere so wenig. "Wenn sie das Gefühl haben, dass es ungerecht zugeht, legt sich das aufs Gemüt", meint Anlageberaterin Mechthild Upgang. Laut Statistik geht die Schere zwischen den Einkommen in der Bundesrepublik in den letzten Jahren immer weiter auseinander. Wichtig für das Gerechtigkeits-Empfinden sei ein nachvollziehbares Steuersystem, sagt Upgang. "Das würde deutlich zur Einkommenszufriedenheit beitragen."

 Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung: Steuergerechtigkeit und Glück (engl.) l www

 

Stand: 15.11.2013, 22.21 Uhr

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